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Ärzte klagen über fehlende Info

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Coronavirus: Ärzte beklagen fehlenden Schutz

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Laut der bayerischen Landesärztekammer fehlen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel in den Praxen und Kliniken. Viele Ärzte sehen sich von der Politik alleine gelassen und einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

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Es gehört inzwischen zur Routine: Ärzte untersuchen Patienten mit verdächtigen Coronavirus-Symptomen und müssen Abstriche nehmen. Das Problem: Meist sind sie gar nicht ausreichend geschützt. Es fehle an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln, klagt die bayerische Landesärztekammer.

Taucherbrille statt Schutzausrüstung

Mit teils kuriosen Auswirkungen. So habe sich eine Erlanger Klinikärztin ihre Taucherbrille aufgesetzt, um Patienten zu behandeln, berichtet ihr Kollege Falk Stirkat. Einer weiteren Kollegin wurde empfohlen, ihre Schutzausrüstung bei Amazon zu bestellen. "Wenn man sich die Bilder aus Südkorea oder China ansieht, wo die Leute von oben bis unten vermummt sind und das sehr, sehr ernst nehmen, dann sind das hier für mich Zustände, die so nicht haltbar sind und an denen dringend etwas geändert werden muss", meint der Arzt.

Ärzte kritisieren fehlende Unterstützung

Der Erlanger Notarzt hat einen Brandbrief an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann geschrieben, der dem Bayerischen Rundfunk (BR) vorliegt. Darin kritisiert er die – so wörtlich – Inkompetenz der Verantwortlichen. Dabei gehe es ihm nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern auf die Missstände hinzuweisen, so der 35-Jährige. Denn es herrsche Unsicherheit unter den Ärzten. Viele fühlten sich von der Politik alleine gelassen und fragten sich, wie es jetzt weitergeht und ob sich in Sachen Schutzausrüstung überhaupt rechtzeitig etwas tut.

"Und welches Bild bekommt denn der Patient von uns? Unser Bundesgesundheitsminister Spahn stellt sich hin und sagt, dass wir top vorbereitet sind. Auf der anderen Seite kommt eine junge Kollegin mit ihrer eigenen Tauchermaske zur Arbeit – das zeigt doch die Absurdität dieser Aussage." Falk Stirkat, Notarzt

"Der Grundbestand, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, wird bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigen wird", sagte auch der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Deutschen Presse-Agentur. "Und darauf deutet ja alles hin." Man sei daher im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und allen Beteiligten, um rasch Abhilfe schaffen zu können und Schutzbekleidung dort vorzuhalten, wo sie gebraucht werde.

Auch die bayerische Landesärztekammer teilt diese Sorgen und fordert ausreichenden Schutz für die Ärzte. Da sich das Coronavirus aktuell schnell ausbreite, seien die Mediziner wegen der fehlenden Schutzausrüstung einem erhöhten Risiko ausgesetzt, so die Kammersprecherin.

Zusätzliche Schutzkleidung soll in den nächsten Tagen eintreffen

Das bayerische Gesundheitsministerium weist die Kritik zurück. In einer Mitteilung heißt es: "Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass medizinisches Personal gut ausgerüstet ist. Das bayerische Gesundheitsministerium hat Maßnahmen ergriffen, um notwendige Schutzmasken zu beschaffen. Wir erwarten, dass die ersten zusätzlichen Lieferungen bereits in den nächsten Tagen erfolgen können."

Noch aber sei es schwierig und teuer, Schutzkleidung für Praxen zu bekommen, kritisiert Brigitte Dietz vom bayerischen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Die Konsequenz müsste sein, dass Ärzte solange auch keine Abstriche mehr machen dürften bei Patienten mit verdächtigen Coronavirus-Symptomen, sagt sie. "Zuständig ist eigentlich der öffentliche Gesundheitsdienst, da es sich ja mittlerweile um eine Epidemie handelt", so die Ärztin weiter. "Wir würden da gerne helfen. Das alles aber natürlich mit Schutzkleidung."

Bei Verdacht: Vorher beim Arzt anmelden

Grundsätzlich gilt weiterhin: Patienten mit konkretem Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion sollten nicht die Arztpraxis oder Notaufnahme am Krankenhaus aufsuchen, ohne sich vorher telefonisch angemeldet zu haben. Der Erlanger Notarzt Falk Stirkat appelliert außerdem zur Besonnenheit: "Nicht jeder Schnupfen ist gleich Corona."

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