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Coronatest im Abwasser – ein Meilenstein in der Früherkennung | BR24

© Frank Breitenstein/BR-Mainfranken

Schweinfurter Abwasser wird auf Coronaviren getestet

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    Coronatest im Abwasser – ein Meilenstein in der Früherkennung

    Coronaviren können im Abwasser nachgewiesen werden, bevor ein Ausbruch in der entsprechenden Region bekannt ist. Ein Schweinfurter Molekulargenetiker hat hierfür ein Verfahren entwickelt und arbeitet dabei mit dem Klärwerk in Schweinfurt zusammen.

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    • Corona-Pademie: Aktuelle Informationen zur Lage in Unterfranken finden Sie hier.

    Der Schweinfurter Molekulargenetiker Dr. Thomas Benkert hat ein Verfahren entwickelt, wie sich Coronaviren selbst in kleinsten Konzentrationen im Abwasser nachweisen lassen.

    Sein Start-up "DyeNA Genetics" beschäftigt sich seit Jahren eigentlich damit, lebende Bakterien in Kläranlagen zu bestimmen. Kurz vor der Marktreife seiner Methode kam der Shutdown. Doch statt untätig abzuwarten, entwickelte Benkert auf der Grundlage der sogenannten Echtzeit-PCR-Analyse seinen Coronatest.

    Wie die Stecknadel im Heuhaufen

    Bakterien oder eben Viren zu finden – das allein wäre keine Besonderheit. Will man ihnen allerdings im Abwasser einer Kläranlage auf die Spur kommen, so ähnelt das der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen.

    Denn über die Kanalisation gelangen neben Fäkalien auch Chemikalien aller Art in die Klärbecken. Und zwar sowohl aus der Industrie als auch aus den Haushalten. Unternehmensgründer Benkert weiß, wie man diese Störstoffe neutralisiert und so den analytischen Blick für das Zielobjekt freilegt.

    "Im Abwasser ist das Coronavirus recht stark verdünnt, das heißt der Test muss sehr geringe Viruspartikel oder Genfragmente detektieren können. Und wir sind der Meinung, dass wir einen Teil dazu beitragen können, das Ganze zu etablieren, dass es als Frühwarnsystem etabliert werden kann." Dr. Thomas Benkert, Molekulargenetiker und Unternehmensgründer

    Corona-Ausbrüche frühzeitig erkennen und einschätzen

    Sinn und Zweck dieses aufwändigen Vorgangs ist es, selbst kleinste Virus-Konzentrationen sofort nach dem Auftreten nachzuweisen. Denn so könnte sich ein Corona-Ausbruch vorhersagen lassen.

    Forscher aus den Niederlanden hatten nämlich herausgefunden, dass infizierte Personen das Virus bereits mehrere Tage im Körper tragen können, ohne etwas davon zu bemerken. Und so gelangt das Virus auch ins Abwasser - Tage bevor der infizierte Mensch sich krank fühlt.

    "Deswegen wäre das ein Frühwarnsystem: Weil diese Tage, bis es zu den klinischen Symptomen kommt, können natürlich dann genutzt werden, damit zum Beispiel das Gesundheitssystem sich auf eine steigende Fallzahl einstellen kann." Dr. Thomas Benkert, Molekulargenetiker und Unternehmensgründer

    Behörden könnten schneller reagieren

    Auch hätten Behörden mehr Vorlauf, um Quarantäne-Maßnahmen vorzubereiten oder die Bevölkerung zu erhöhter Vorsicht zu mahnen. Von der Konzentration des Virus im Abwasser lassen sich theoretisch sogar Rückschlüsse darauf ziehen, wie hoch der Anteil der Infizierten in der Bevölkerung ist. Diese Dunkelziffer wäre eine entscheidende Information für den Katastrophenschutz, um Pandemie-Pläne entsprechend anzupassen.

    Startup kurz vor dem Durchbruch

    Deshalb wird das Analyseverfahren des Start-ups "DyeNA Genetics" aus Schweinfurt inzwischen auch international beachtet. Thomas Benkert, der an der Uni Würzburg promoviert und dann jahrelang Erfahrungen in der medizinischen Diagnostik gesammelt hat, machte sich erst vor zweieinhalb Jahren selbständig. In seinem jungen Unternehmen beschäftigt er bislang lediglich zwei Mitarbeiter für Marketing und Vertrieb.

    Benkert ist allerdings zuversichtlich, dass sich das bald ändern wird. Denn wenn auch die letzten Versuche der gegenwärtigen Validierungsphase so positiv verlaufen wie bisher, würden Kläranlagen in aller Welt zu potentiellen Kunden seines Analyseverfahrens. Das Verfahren des Schweinfurter Unternehmensgründers steht kurz vor der Marktreife. Benkerts ehrgeiziges Ziel: Seine Methode soll international einen Beitrag dazu leisten, die Corona-Pandemie einzudämmen.

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