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Coronakrise: So läuft jetzt der Übertritt für Viertklässler | BR24

© BR/René Kirsch

Ein leeres Klassenzimmer in einer Grundschule.

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Coronakrise: So läuft jetzt der Übertritt für Viertklässler

Für das Übertrittszeugnis der Viertklässler zählen wegen der Corona-Ausnahmesituation die bisherigen Noten, die Schüler können sich aber bei freiwilligen Proben noch verbessern. Diskussionen gibt es weiter ums Abitur.

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Wegen des Coronavirus werden die Übertrittszeugnisse für Viertklässler in Bayern heuer auf einer anderen Grundlage erstellt als üblich. Das hat der Ministerrat beschlossen. Das Verfahren werde der aktuellen besonderen Ausnahmesituation angepasst, teilte das bayerische Kultusministerium mit. Ziel sei es, den Viertklässlerinnen und Viertklässlern faire Bedingungen beim Übertritt an die weiterführenden Schulen zu bieten.

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Konkret bedeutet das: Für das Übertrittszeugnis zählen die Noten, die bis zum Tag vor den Schulschließungen, also bis zum 13. März, erzielt wurden. Wenn die Schulen wie bisher geplant am 20. April wieder öffnen, soll es im verbleibenden Schuljahr keine Prüfungen mehr geben, an denen die Schülerinnen und Schüler teilnehmen müssen. Stattdessen sind aber drei Proben vorgesehen, an denen sie freiwillig teilnehmen können.

"Die Eltern können entscheiden, ob die Ergebnisse der drei freiwilligen Proben in Deutsch, Mathematik und Heimat und Sachunterricht in die Durchschnittsnote einfließen. Das bedeutet: Jedes Kind kann sich verbessern, keines wird sich verschlechtern." Michael Piazolo, Kultusminister Bayerns

Zeugnisvergabe wird verschoben

Zudem wird die Vergabe der Übertrittszeugnisse verschoben, vom 4. auf den 11. Mai, damit Schüler und Lehrer genug Zeit erhalten, nach den Osterferien in den normalen Schulbetrieb zurückzukehren. In der ersten Woche nach den Osterferien soll es noch keine Prüfung geben. Weiter nach hinten könne die Zeugnisübergabe mit Rücksicht auf die Personalplanung für das kommende Schuljahr nicht verschoben werden, heißt es vom Ministerium. Die Einschreibung an den weiterführenden Schulen könne vom 18. bis zum 22. Mai stattfinden, der Probeunterricht an Realschulen und Gymnasium vom 26. bis zum 28. Mai.

Das Ministerium teilte außerdem mit, dass die Übertrittszeugnisse verschlankt werden, ohne, dass dabei aber relevante Informationen verloren gehen. So werden nur die Noten in Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht ausgewiesen, außerdem die Durchschnittsnote einschließlich der Übertrittsempfehlung und eine kurze Bemerkung über Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten des Kindes.

Die Regelungen betreffen in diesem Schuljahr knapp 109.000 Viertklässlerinnen und Viertklässer.

SPD kritisiert geplantes Verfahren

Von der SPD kommt prompt Kritik am Vorhaben des Kultusministers. Die aktuelle Planung setze voraus, dass Schüler und Eltern viel gemeinsam lernen - was in der aktuellen Lage kaum möglich sei, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Fraktion Simone Strohmayr. Das bedeute, dass in einer ohnehin angespannten Lage bei vielen Kindern die Angst vor dem Übertritt hinzukomme.

"Ich würde daher ganz auf das Übertrittszeugnis verzichten - und nicht nur in diesem Jahr, sondern generell, wie wir das schon länger fordern." Simone Strohmayr, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Debatte über Regelungen fürs Abitur

Für Diskussionen sorgt derzeit auch das unterschiedliche Vorgehen bei den Abiturprüfungen in den einzelnen Bundesländern: In Bayern sind die Prüfungen um drei Wochen verschoben, dort sollen sie am 20. Mai beginnen. In Hessen werden die Prüfungen unterdessen gerade schon geschrieben, in Schleswig-Holstein sollen sie stattdessen in diesem Jahr ganz ausfallen - das hat Bildungsministerin Karin Prien vorgeschlagen.

Letzteres ist für Bayerns Kultusminister Piazolo nach jetzigem Stand keine Option. Er sagte dem BR, aus heutiger Sicht sei es ein sinnvoller Fahrplan, mit den Prüfungen im Mai zu beginnen.

Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, will an den Abiturprüfungen festhalten. Er erklärte, die Länder sollten alles tun, damit die Prüfungen stattfinden. Ein Ausfall würde neue Probleme schaffen, etwa bei der Vergleichbarkeit.

"Wenn jedes Bundesland eine eigene Lösung hat,, bekommen wir Wettbewerbs- und Nachteilsregelungen, die zu mehr Ungerechtigkeit führen. Das Abi entscheidet, ob ich einen bestimmten Studiengang antreten kann mit Numerus Clausus oder nicht. Wenn es da einen Flickenteppich gibt in Deutschland, werden wir auch große Klagewellen haben und sehen, dass einzelne Länder benachteiligt werden." Heinz-Peter Meidinger, Präsident Deutscher Lehrerverband

Möglichkeit der Durchschnittsnote stößt auf Skepsis

Die Möglichkeit, die Prüfungen ausfallen zu lassen und stattdessen eine Durchschnittsnote aus den bisherigen Leistungen für das Abitur zu errechen, wie es etwa zwei Hamburger Schüler fordern, wird von den meisten Lehrern kritisch gesehen. "Was macht man mit den Schülern, die bisher schlecht waren?", fragt etwa Lehrerverbands-Präsident Meidinger.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, hält dieses Verfahren ebenfalls für nicht fair - und auch Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, sieht in der Durchschnittsnote die letzte Option. Er sagte dem BR, in Bayern habe man noch viel Zeit, die Prüfungen nach hinten zu schieben, notfalls sogar bis zum Anfang des nächsten Schuljahres, um ein faires und ordnungsgemäßes Abitur zu ermöglichen.

© BR

Ob wegen der Schulschließung auch die Sommerferien ausfallen, das ist noch nicht klar. Aber das Kultusministerium will da nicht spekulieren. Die Bundesländer wollen einheitliche faire Bedingungen für alle Abiturienten.

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