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Das Coronavirus hat auch den Glauben an die Lieferketten und somit an jederzeit verfügbare Lebensmittel aus aller Welt erschüttert. Deshalb vertrauen jetzt immer mehr Kunden auf Hofläden und Abokisten.

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Coronakrise: Boom bei Hofläden und Abokisten

Das Coronavirus hat den Glauben an die Lieferketten und somit an jederzeit verfügbare Lebensmittel aus aller Welt erschüttert. Deshalb vertrauen jetzt immer mehr Kunden auf Hofläden und Abokisten. Teilweise verdoppeln sich deren Umsätze.

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Von
  • Julia Seidl
  • BR24 Redaktion

In den letzten Wochen boomt die Nachfrage bei Hofläden. Denn wer direkt beim Erzeuger kauft, ist unabhängig von den teilweise langen Lieferketten in der Lebensmittelindustrie. Viel zu tun hat zum Beispiel Jungbauer Ludwig Huber aus Gelting bei Markt Schwaben im oberbayerischen Landkreis Ebersberg. Mit seinen täglich fast 12.000 Eiern beliefert er normalerweise auch Hotels und Wirtshäuser. Dass die geschlossen sind, macht nichts, weil die Privatkunden der Familie die Tür einrennen, sagt er: "Für uns ist gerade High Life." Statt täglich 3.500 Eiern verkauft er jetzt bis zu 10.000 an private Abnehmer.

Doppelter Umsatz im Hofladen

Wenn früher 400 Kunden am Tag kamen, können es jetzt bis zu 1.000 werden. Der Umsatz ist auf das Doppelte gestiegen. Doch die Kunden dürfen sich das Gemüse nicht selber nehmen, Zeit für einen Ratsch ist auch nicht und Chefin Andrea Huber muss ständig aufpassen, dass die Kunden den nötigen Abstand einhalten: "Du bist in einer Tour am Lauern. Abends bist du fix und fertig."

Besonders begehrt sind das Mehl von der benachbarten Mühle und die hofeigenen Kartoffeln. Auch die eigenen Eier werden dreimal soviel nachgefragt wie sonst. Andrea Huber glaubt, die Kunden wollen - jetzt wo sie ohnehin zuhause bleiben müssen - gute Qualität und kochen gerne selbst.

Biokiste: Bei uns ist die Hölle los

Im niederbayerischen Velden an der Vils hat sich der Alltag auch verändert. Normalerweise werden von der Höhenberger Biokiste pro Woche 2.800 Kunden im Umkreis von 50 Kilometern beliefert. Telefonisch oder über das Internet kann man regionale Lebensmittel bis hin zum kompletten Bioladen-Sortiment bestellen.

Auch fast 300 Schulen und Kindergärten haben die Höhenberger als Kunden – aber die sind geschlossen. Trotzdem steht seit vier Wochen das Telefon bei Ingrid Gerbl nicht mehr still. "Bei uns ist die Hölle los", sagt sie. In der ersten Woche nach der Ausgangsbeschränkung hatte der Betrieb 100 neue Kunden und die Stammkunden bestellen deutlich mehr als sonst. Auch hier hat sich der Umsatz verdoppelt.

Viel Anerkennung für den Biobetrieb

Der Biobetrieb kann gar nicht alle Anfragen annehmen und muss entscheiden, wen man beliefert: Schwer kranke und alte Menschen nimmt man weiterhin als neue Kunden auf. Geschäftsführer Jochen Saake hat zwei neue Lieferwägen angeschafft und neue Packer und Fahrer eingestellt - in der Hoffnung, dass auch die Kunden nach Corona loyal bleiben.

Saake freut sich über die außergewöhnliche Anerkennung: "Leute, die uns Geld spenden wollen, die helfen wollen, die uns Bilder malen, die Kinder, die sich bedanken und in den Social Media uns loben und so froh sind, dass es uns gibt."

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