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Corona-Krise: 10.000 Liter Bier für den Abfluss | BR24

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Viele Brauereien beklagen enorme Umsatzrückgänge. Durch die große Zahl an abgesagten Großveranstaltungen ist Fassbier weniger gefragt. In einigen Härtefällen landet das Bier sogar im Ausguss.

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Corona-Krise: 10.000 Liter Bier für den Abfluss

Die Absage von Kirchweihen, Dorf- und Bierfesten ist nicht nur für Schausteller ein herber Schlag: Auch kleinen Brauereien geht damit eine wichtige Einnahmequelle verloren. Einem fränkischen Brauer blieb somit nur eine drastische Maßnahme.

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Ein klein wenig wehmütig läuft Braumeister Friedrich Vogel durch seine kleine Brauerei im Herzen von Lauf an der Pegnitz bei Nürnberg. Heute steht die Produktion still, Bier abgefüllt wird keines. Die Corona-Pandemie trifft auch die Brauerei Dreykorn hart.

Gutes Bier muss vernichtet werden

Noch bevor klar war, dass Feuerwehrfeste, Kirchweihen und dergleichen in diesem Jahr nicht stattfinden werden, hat Friedrich Vogel frisch gebraut. Auch einige Hektoliter Fassbier waren auf Lager. Die wurden aber im Frühjahr nicht mehr abgenommen. "Nach sechs bis acht Wochen ist das Bier an sich noch gut, aber es ist nicht mehr verkehrsfähig von der Haltbarkeit. Und so mussten wir das Fassbier vernichten", sagt der Braumeister.

Tausende Liter Bier landen im Abfluss

Rund 10.000 Liter Bier muss Friedrich Vogel in den Abfluss seiner Brauerei kippen. Etwa 15.000 Euro fließen durch die Rinnsale des hell gefliesten Bodens.

"Es tut einem natürlich das Herz weh, wenn man das Bier vernichten muss, das ist einfach schade drum. Aber es ist einem nichts anderes übriggeblieben." Friedrich Vogel, Braumeister Brauerei Dreykorn

Auch anderen Brauereien in Franken geht es so. Die Brauerei Göller in Zeil am Main wollte ihr Bier bereits Ende April wegschütten. Sie haben sich aber dazu entschlossen, es zu spenden. Dass zumindest der Flaschenverkauf von Bier verhältnismäßig größer war als sonst, hilft Friedrich Vogel nur wenig.

"Bei uns in der Brauerei ist es so, dass wir einen relativ hohen Fassbier-Anteil haben, also wir haben relativ viel Gastronomie zu beliefern und dadurch ist das Verhältnis deutlich schlechter geworden." Friedrich Vogel, Braumeister Brauerei Dreykorn

"Fast jeder muss Bier wegschütten"

Andreas Dorn, Braumeister bei Brauerei Wiethaler in Neunhof bei Lauf teilt die Probleme seines Kollegen. Zurzeit müsse aufgrund der Coronakrise fast jeder Bier wegschütten, so Dorn. Das treffe vor allem kleine Brauereien hart und die Brauerei Wiethaler ist nach eigener Aussage die kleinste hauptgewerbliche Brauerei im Nürnberger Land.

Bier wegschütten ist nicht größtes Problem

Das Bier wegzuschütten sei aber gar nicht das Schlimmste. "Es ist zwar traurig, aber das größte Problem ist nach wie vor der Pfandsatz", meint Andreas Dorn und erinnert an die großen Schäden, die den kleinen Privatbrauereien durch zu niedriges Pfand entstehen. Gerade in Krisenzeiten macht sich das besonders bemerkbar. Den Pfandsatz zu erhöhen sei laut Andreas Dorn die einzige Möglichkeit, die Mehrausgaben der Brauereien durch zerbrochene und nicht zurückgegebene Flaschen und Kästen zu kompensieren.

Optimistisch trotz Umsatzverlust

Für die Brauerei Dreykorn bedeutet die Pandemie einen Umsatzverlust von 30 Prozent. Auch wenn er das nie mehr einholen kann, Friedrich Vogel lässt sich nicht unterkriegen: "Die ganze Branche ist stark betroffen von dieser Epidemie und wir sehen aber für nächstes Jahr eine gute Zeit, wenn sich diese Epidemie wieder reduziert und alles wieder normal läuft."

Wann alles wieder normal ist, kann er natürlich nicht sagen. Bier wegschütten, will der Braumeister aber keines mehr.

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Die Absage von Kirchweihen und Bierfesten ist nicht nur für Schausteller ein herber Schlag: Auch kleinen Brauereien geht damit eine große Einnahmequelle verloren. Einem fränkischen Brauer blieb somit nur eine drastische Maßnahme.

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