BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Die Auswertung der Sterbefallzahlen in Bayern lässt laut Bayerns Innenminister Herrmann keinen Zweifel an der Gefährlichkeit von Corona: Für bestimmte Zeiträume und einzelne Regionen ließen sich "signifikant höhere Sterbezahlen nachweisen".

69
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona: Zeitweise deutlich erhöhte Sterbefallzahlen in Bayern

Die Auswertung der Sterbefallzahlen in Bayern lässt laut Bayerns Innenminister Herrmann keinen Zweifel an der Gefährlichkeit von Corona: Für bestimmte Zeiträume und einzelne Regionen ließen sich "signifikant höhere Sterbezahlen nachweisen".

69
Per Mail sharen
Von
  • Petr Jerabek
  • Tina Wenzel

Das Bayerische Landesamt für Statistik hat für den Freistaat in der ersten und zweiten Corona-Welle der Corona-Pandemie zeitweise deutlich erhöhte Sterbefallzahlen registriert. Wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der Daten in Fürth sagte, lag die Zahl der Sterbefälle in Bayern beispielsweise im April 2020 mehr als 21 Prozent über dem Durchschnittwert der 2016 bis 2019.

Nachdem sich die Lage über den Sommer einigermaßen normalisiert habe, sei es im Herbst wieder zu einem massiven Anstieg gekommen: Im November habe es knapp 12 Prozent mehr Sterbefälle als in den Vorjahren gegeben, im Dezember sogar gut 35 Prozent. Für Januar 2021 gebe es bisher nur Auswertungen von Rohdaten vor, doch trotz "der noch ausstehenden Nachmeldungen" liege die Zahl der Toten bereits gut 20 Prozent über dem Durschnitt. "Das ist eine signifikante Zunahme."

Regional sehr starker Anstieg im Frühjahr 2020

Für Corona-Hotspots lassen sich laut Herrmann für bestimmte Kalenderwochen teilweise besonders hohe Sterbefallzahlen nachweisen - von mehr als 50 Prozent. Nach Angaben des Landesamts für Statistik lag im April 2020 die Sterbefallzahl im Landkreis Tirschenreuth 135 Prozent über dem Durchschnittswert der Vorjahre, in Rosenheim 86 Prozent, in Wunsiedel und Neustadt an der Waldnaab jeweils 61 Prozent.

Im Januar gab es dem Landesamt zufolge sogar fünf kreisfreie Städte und Landkreise mit einer Sterbefallzahl, die mehr als 75 Prozent höher ausfiel als in den Vorjahren: der Landkreis Bayreuth (83 Prozent), die Stadt Weiden (83 Prozent), der Landkreis Regen, Stadt Coburg (jeweils 82 Prozent) sowie der Landkreis Roth (76 Prozent).

Ältere besonders betroffen

Eindeutig belegen die Statistiken nach Angaben Herrmanns, dass für alte Menschen deutlich höheres Risiko als für jüngere bestehe, an Corona zu sterben. Bei den unter 60-Jährigen sei für das Jahr 2020 kein Anstieg bei den Sterbefällen zu sehen. Bei den 60 bis 79-Jährigen sei die Zahl im April dagegen fast 14 Prozent höher als im Schnitt der Vorjahre, im Dezember gut 20 Prozent höher.

"Noch größer war der Anstieg der Todesfälle in der Gruppe der über 80-Jährigen", sagte Herrmann. Im April seien 30 Prozent mehr Menschen in dieser Altersgruppe gestorben als in den Vorjahren, im November fast 20 Prozent mehr und im Dezember "fast die Hälfte" mehr (48 Prozent).

Herrmann: Zahlen belegen Gefährlichkeit von Corona

Für die ersten zehn Monate des Jahres 2020 insgesamt zeigt die Statistik laut Herrmann für ganz Bayern keine deutlich erhöhte Sterblichkeit, die Auswertung nach Monaten, Regionen und Altersgruppen lasse aber keinen Zweifel an der Gefährlichkeit des Coronavirus. Diesen Fakten könne die Verharmlosung der Pandemie durch Corona-Leugner "in keiner Weise standhalten".

Die genannten Sterbefallzahlen müssten dabei vor dem Hintergrund der Corona-Schutzmaßnahmen gesehen werden, betonte der Innenminister: Ohne die Lockdown-Maßnahmen "wären noch viel höhere Sterbezahlen zu beklagen".

Rückgang im Februar

Für Februar lassen die Rohdaten der Statistik zufolge auf einen Rückgang der Sterbefallzahlen hoffen. Der bisher ermittelte Werte liegt 4,5 Prozent unter dem Durchschnitt der Vorjahre. Das ist laut Herrmann einerseits auf Lockdown-Maßnahmen, aber auch auf Erfolge durch Impfungen zurückzuführen. Derzeit sehe es so aus, dass die Zahlen "aktuell auch bis Ende März auf einem niedrigen Niveau geblieben sind", sagte der CSU-Politiker. Auch bei den über 80-Jährigen habe sich die Lage im Februar stabilisiert: Einschließlich der zu erwartenden Nachmeldungen könnte die Sterbefallzahl auf dem Niveau der Vorjahre liegen.

Beim Blick in die Zukunft gebe es aber eine große Ungewissheit, betonte Herrmann: die Folgen der Ausbreitung der Virus-Mutationen. Es sei noch unklar, wie sich dies auf jüngere Altersgruppen auswirken werde. Auf jeden Fall aber seien die Impfungen der Schlüssel zur Normalisierung des Alltags. Er sei sich sicher, dass sich eine wachsende Zahl an geimpften Menschen positiv auf die Sterbefallzahlen auswirken werde. Noch sei allerdings ein Großteil der Bürger nicht geimpft. "Das dauert noch etliche Wochen. Und deshalb müssen wir jetzt im Moment weiter vorsichtig bleiben und die entsprechend getroffenen Regelungen auch konsequent umsetzen."

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!