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Corona-Winter: Bayern legt im Ski-Streit mit Österreich nach | BR24

© picture alliance / imageBROKER | Josef Beck

Österreich, Pitztaler Gletscher

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Corona-Winter: Bayern legt im Ski-Streit mit Österreich nach

Der bayerisch-österreichische Streit über die Schließung von Skigebieten schaukelt sich hoch. Nachdem Österreichs Tourismusministerin sich Ratschläge aus Deutschland verbeten hatte, kontert Bayerns Staatskanzleichef Herrmann - mit neuen Ratschlägen.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Maximilian Heim

Trotz der Verärgerung im Nachbarland Österreich hält die bayerische Staatsregierung an ihrer Forderung nach einem europaweiten Ski-Lockdown bis 10. Januar fest. Der Freistaat habe zwar traditionell exzellente Beziehungen zu Österreich und wolle auch, dass diese sich nicht verschlechtern, sagte der bayerische Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) heute in München. Aber es gelte nun, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Bayern unterstütze daher den Vorstoß für eine einheitliche europäische Regelung - und appelliere "an die österreichischen Freunde, sich das noch mal zu überlegen".

Herrmanns neuerlicher Rat an Österreich

Herrmann zeigte sich in diesem Zusammenhang auch unbeeindruckt von Äußerungen der österreichischen Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), die sich eine Einmischung aus Deutschland verbeten hatte. "Ich hab gehört, wir sollen keine Ratschläge geben, und es interessiert die nicht, was wir für Vorschläge haben", sagte der CSU-Politiker. Er könne nur raten, "es halt möglicherweise so zu machen, wie wir es tun" - nämlich den Betrieben 75 Prozent ihrer Umsätze des Vorjahres zu zahlen und gleichzeitig Hotels und Seilbahnen über Silvester geschlossen zu lassen.

Eine solche Regelung könne dazu beitragen, ein Déjà-vu zu verhindern: Es sei doch bekannt, was im vergangenen Winter durch Ischgl passiert sei, betonte Herrmann. Natürlich gehe von der Abfahrt auf der Skipiste keine Gefahr aus, sondern "von dem Gesamtvorgang", dass viele tausend Menschen in Skigebiete reisten und "dort natürlich beisammen sind". Das wolle die Staatsregierung nicht. "Unser Appell ist, im europäischen Geleitzug möglichst vernünftig zu handeln."

Ministerin: "Muss jedes Land für sich selbst entscheiden"

Köstinger hatte im Interview mit der Bayern 2-radioWelt betont, man lasse sich von keinem anderen Land vorschreiben, wann was zu öffnen sei. Jedes Land kämpfe aktuell für sich, die Infektionszahlen nach unten zu bringen. "Wir würden ja auch nie den Vorschlag liefern, dass man in Deutschland beispielsweise die Schulen schließen soll oder Friseurbetriebe. Das muss schon jedes Land für sich selbst entscheiden."

Österreich sei gerade in einem "wirklich starken Lockdown", plane aber natürlich auch, das Leben behutsam Schritt für Schritt wieder hochzufahren, sagte die Ministerin. "Dieses Jahr hat allen wirklich extrem viel abverlangt. (...) Viele wünschen sich einen Tapetenwechsel, wollen mal wieder rauskommen aus der Stadt, wollen sich erholen, wollen Sport machen - und Skipisten sind sicher." Österreich habe sich schon im Sommer ein Konzept überlegt, um sicheren Wintertourismus möglich zu machen.

Schulze kritisiert Söder: "spalterisch und unwahr"

Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze kann sich angesichts hoher Corona-Zahlen im gesamten Alpenraum Skifahren zwar "kaum vorstellen". Zugleich kritisierte sie im "Münchner Merkur" jedoch Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der in den vergangenen Tagen mehrfach beklagt hatte, viele Corona-Infektionen würden aus Nachbarländern eingeschleppt.

Das sei eine "platte und eindimensionale Erzählung", betonte Schulze. "Ich muss klar widersprechen." In Bayern gebe es auch abseits der Grenze hohe Inzidenzwerte. "Söder macht es sich zu einfach, wenn er immer wieder sagt: Das Böse kommt von außen. Das ist spalterisch und unwahr. Das Virus kennt keine Grenzen, es wandert aus Bayern ein, wie es auch wieder heraus wandert."

Auch Tagestouristen müssen in Quarantäne

In Bayern ist während des Teil-Lockdowns der Betrieb von Bergbahnen und Skiliften verboten. Das gilt vorerst bis 20. Dezember, Ministerpräsident Söder machte aber bereits deutlich, dass er mit einer Verlängerung bis in den Januar hinein rechnet.

Um zu verhindern, dass Menschen aus Bayern in den Weihnachtsferien zum Skifahren nach Österreich ausweichen, hat das Kabinett schon vergangene Woche eine neue Regelung beschlossen: Demnach gilt mittlerweile nicht nur nach längeren Reisen ins Ausland, sondern auch nach Tagesausflügen zu "sportlichen oder touristischen Zwecken" eine zehntägige Quarantäne-Pflicht. Herrmann verteidigte diese Entscheidung heute erneut. Es handle sich um eine "Annäherung an eine möglichst vernünftige, lebensnahe und von den Menschen gelebte und verstandene Regelung".

Zum Metzger ja, zum Wandern nur mit anschließender Quarantäne

Mit Blick auf die Menschen, die in einer bayerischen Grenzregion leben, betonte Herrmann, dass es bei den Corona-Beschränkungen um lebensnahe Vorschriften gehe. Natürlich stelle man keine Regeln auf, "weil wir die Leut‘ ärgern wollen", sagte er. In einer unmittelbaren Grenzregion gehöre es zum täglichen Leben, "dass ich auf der einen Seite zum Bäcker gehe, auf der anderen zum Metzger und Ähnliches", erläuterte der Staatskanzlei-Chef. "Da dann mit lebensfremden Regeln zu kommen, das hilft auch keinem."

Herrmann zeigte sich überzeugt, dass sich "Skifahrer relativ schnell herausfiltern" lassen, "weil die meistens erkennbar sind am Fahrzeug". Doch nicht alles sei "bis zum letzten Einzelfall administrierbar". Dass die Dinge oft kompliziert bleiben, zeigen Herrmanns anschließende Ausführungen. Zuletzt habe man "klipp und klar" gesagt: "Dieses reine Über-die-Grenze-fahren, um Ski zu fahren, um Vergnügungen zu betreiben, Sport, reines Wandern, Ausflüge - das wollen wir nicht." Zum Metzger ja, zum Wandern nur mit anschließender Quarantäne - aktuell gibt es also weiterhin Regeln, die Menschen in Grenzregionen vor besondere Herausforderungen stellen.

© Bayern 2

Skigebiete schließen wegen der Corona-Pandemie? Die österreichische Tourismusministerin Köstinger hat der Idee im Bayerischen Rundfunk eine klare Absage erteilt. Man würde Deutschland ja auch nicht vorschlagen, die Friseure zu schließen.

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