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Pflegerin auf einer Covid-Intensivstation

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    Wie Kliniken die Verteilung der Intensivpatienten organisieren

    Am Mittwoch wurde für Bayern wegen der hohen Corona-Zahlen der Katastrophenfall ausgerufen. Was sich zunächst dramatisch anhört, ist allerdings eine Standardmaßnahme, die vor allem die Zusammenarbeit der bayerischen Krankenhäuser verbessern soll.

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    Von
    • Mathias Flasskamp

    In Bayern sind die Kliniken voll - freie Intensivbetten werden weniger. In Nürnberg etwa mussten in den vergangenen Tagen Covid-19-Patienten in andere Regierungsbezirke verlegt werden. Auch dabei kann die Ausrufung des Katastrophenfalles helfen. Wie eine Sprecherin des Bayerischen Innenministeriums gegenüber dem BR erklärt, werde dafür eine Task-Force in allen 96 Bayerischen Landratsämtern, den sieben Regierungsbezirken und im Innenministerium eingerichtet.

    Zentrales Koordinationsgremium: Führungsgruppe Katastrophenschutz

    Sie heißt Führungsgruppe Katastrophenschutz, kurz FüGK. Das Gremium kann schnell über alle notwendigen Maßnahmen entscheiden. Zur FüGK gehört auch Dr. Dominik Hinzmann. Er ist einer der beiden ärztlichen Leiter Krankenhauskoordination für die Stadt und den Landkreis München. Die Ausrufung des Katastrophenfalls erleichtere seine Arbeit, sagt der Intensivmediziner:

    "Das hilft immens, weil die Kommunikationswege zwischen Regierung, Behörden und den Krankenhäusern deutlich verkürzt werden. Außerdem wird alles zentral koordiniert - das spart kostbare Zeit, weil Entscheidungsprozesse dann viel schneller ablaufen." Dominik Hinzmann

    So können etwa Patienten, die beatmet werden müssen, zielgenau auf freie Intensivbetten im gesamten Freistaat verteilt werden. Hinzmann teilt sich den Koordinationsjob mit seiner Kollegin Dr. Viktoria Bogner-Flatz. Als im Frühjahr zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie der Katastrophenfall für Bayern ausgerufen wurde, habe das zu einer Umstrukturierung in den Kliniken geführt, berichtet die leitende Ärztin:

    "Damals wurde zum Beispiel Personal aus anderen Abteilungen in die Intensivstationen verlegt. Deshalb mussten viele Operationen verschoben werden. Das könnte jetzt auch wieder passieren." Viktoria Bogner-Flatz

    Außerdem hofft sie, dass jetzt auch zusätzliche Gelder freigegeben werden. Das könnte Kliniken helfen, die wegen des zusätzlichen Personals und den Kosten für die aufwändige Behandlung von Covid-19-Patienten derzeit Verluste machen.

    Leitlinien zum aktuellen Katastrophenfall fehlen bisher noch

    Was genau die Kliniken jetzt unternehmen müssen, ob sie Operationen verschieben und weitere Intensivbetten zur Verfügung stellen sollen, das regelt eine Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums. Sie gibt die Leitlinien für jeden ausgerufenen Katastrophenfall vor. Am Mittwoch fehlte die neue Allgemeinverfügung allerdings noch. Im März hatte es rund eine Woche gedauert, bis die Vorgaben für die Kliniken zur Verfügung standen. Seit Donnerstagmorgen liegt sie nach Angaben des Gesundheitsministeriums vor.

    Der festgestellte Katastrophenfall für Bayern bedeutet keine chaotische Situation im Kampf gegen die Pandemie. Im Gegenteil: Durch die zentrale Koordination und die Verkürzung von Entscheidungsprozessen werden sämtliche Ressourcen noch effizienter genutzt.

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