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Corona: Wie geht‘s weiter mit den Schwimmbädern? | BR24

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Traditionell startet Anfang Mai die Freibadsaison. Doch in diesem Jahr ist alles anders: niemand weiß, wann und ob die Freibäder überhaupt öffnen werden. Für die Kommunen und Betreiber ein Riesenproblem ...

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Corona: Wie geht‘s weiter mit den Schwimmbädern?

Eigentlich sollten morgen die ersten Freibäder in Bayern öffnen. Doch wegen der Corona-Pandemie bleiben alle öffentlichen Schwimmbäder geschlossen. Wann, wie und ob sie überhaupt aufmachen, weiß derzeit niemand.

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Von
  • Katharina Pfadenhauer

Traditionell startet Anfang Mai die Freibadsaison. Doch trotz Sonne und warmer Temperaturen wird daraus in Bayern wohl vorerst nichts: Wegen der Corona-Pandemie sind öffentliche Bäder derzeit geschlossen. Niemand weiß, wann und ob die Freibäder überhaupt öffnen werden. Ein Problem für die kommunalen Betreiber, denn schon in normalen Zeiten sind die Bäder meist defizitär.

"Wie weit sind wir jetzt mit den Becken?" Stefan Bratzdrum läuft an den Rand eines leeren Schwimmbeckens. Der Geschäftsführer der Trostberger Stadtwerke erkundigt sich bei seinen Mitarbeitern, wie die Vorbereitungen auf die anstehende Freibadsaison laufen. Die Beckenwände müssten noch abgespritzt werden und der Boden gesäubert, erzählen sie ihm. Nebenan reinigt eine Mitarbeiterin mit einem Dampfstrahler das Kopfsteinpflaster.

Trostberg bereitet Freibadsaison vor

Die Trostberger aber halten daran fest, gegen Hochsommer doch noch öffnen zu können – binnen einer Woche könnten sie aufsperren: Aktuell werden die Becken mit Wasser befüllt und leicht aufgeheizt, die Grünanlagen werden gepflegt und die Technik in Stand gehalten. "Wir haben uns ganz klar dafür entschieden, das Freibad trotz der unsicheren Situation vorzubereiten für den Fall, dass die politische Entscheidung zur Öffnung erfolgt", sagt Bratzdrum.

Erst im vergangenen Herbst hat die 17.000 Einwohnerstadt Freilassing ein neues Freizeitzentrum mit Eishalle und Hallenbad eröffnet – das alte ist dem Hochwasser 2013 zum Opfer gefallen. Vor zehn Jahren hat die Stadt ihr Freibad saniert – alles auf dem neuesten Stand, sagt Bürgermeister Josef Flatscher. Bademeister, Reinigungskräfte, Kassenwärter – sie alle musste Josef Flatscher schon jetzt in Kurzarbeit schicken.

Behörden: Ansteckungsgefahr im Freibad gegeben

Die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verbietet es den Kommunen, ihre Freibäder am 1. Mai aufzusperren. Die Gefahr, sich beim Planschen und Schwimmen mit dem Coronavirus anzustecken, hält das Umweltbundesamt zwar für nicht so hoch: Das Wasser in den Becken werde aufbereitet und desinfiziert, auch die Konzentration potenziell infektiöser Viruspartikel nehme durch die Verdünnung im Wasser ab.

Doch die Übertragung von SARS-CoV-2 erfolge laut Umweltbundesamt und nach derzeitigem Wissensstand über den direkten Kontakt zwischen Personen oder über kontaminierte Flächen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im Schwimmbad sei deshalb mit anderen Orten im öffentlichen Raum vergleichbar und somit auch im Freibad gegeben. Von Bädern mit biologischer Aufbereitung gehe, verglichen mit konventionell aufbereiteten Bädern, grundsätzlich ein höheres Infektionsrisiko aus.

Zusperren trotz finanzieller Verluste

Dem Freilassinger Bürgermeister Josef Flatscher fällt es schwer, bei so einem Wetter seine Anlage nicht öffnen zu können: "Aber wir tun das im Sinne der Sicherheit. Momentan geht wirklich die Gesundheit vor." Die finanziellen Verluste, so Flatscher, gibt es sicher auch, aber die sind ist für ihn zweitrangig. 100.000 Badegäste kommen pro Saison ins Freilassinger Freibad. Wenn Bürgermeister Josef Flatscher sein Freibad diese Saison gar nicht aufsperren wird können, bedeutet das für die Stadt einen Verlust von rund 170.000 Euro.

Von einem Alternativkonzept, beispielsweise, dass man nur eine reduzierte Anzahl von Menschen oder nur das Schwimmerbecken öffnet, davon hält der Freilassinger Bürgermeister Josef Flatscher nichts. "Wen lässt man rein und wen nicht? Wir haben uns natürlich viele Gedanken gemacht, aber wie soll das gehen? Entweder man ermöglicht wirklich jedem den Zugang oder alle müssen sich halt momentan mal etwas zurücknehmen", ist Flatscher überzeugt.

Uneinigkeit bei Alternativkonzepten

Etwas anders sieht das der Bürgermeister von Trostberg, Karl Schleid: Im Trostberger Freibad gäbe es durchaus die Möglichkeit, Abstand zu halten. "Wenn die Eröffnung erlaubt wird, dann müssen wir die Abstandsregeln entsprechend umsetzen. Das hat natürlich zur Folge, dass man aufgrund der begrenzten Platzkapazität auch eine begrenzte Besucherzahl reinlässt. Das müsste man dann am Eingang entsprechend regeln", so Schleid.

Beim besten Willen könne er sich so ein Konzept nicht vorstellen, hält der Freilassinger Bürgermeister, Josef Flatscher, dagegen. Erwachsenen traue er ja noch zu, dass sie sich an Hygienevorschriften halten, aber nicht bei den Kindern. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder mit Hygienevorschriften verantwortungsvoll umgehen, weil sie es einfach nicht verstehen. Ich stelle mir das ganz schwierig vor", erklärt Flatscher.

Handtuch an Handtuch auf der Liegewiese, Coronaviren, die am Beckenrand oder an Duschgriffen lauern – wer in diesem Sommer nach Erfrischung lechzt, dem bleibt vorerst wohl nur die sportliche Variante in der Natur: Schwimmen, abtrocknen und gleich wieder nach Hause.

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