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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Hendrik Schmidt

Fast durchgeimpft, aber weiter eingeschränkt: Viele Alten- und Pflegeheime wünschen sich dank ihres Impfschutzes Lockerungen für Bewohner und Mitarbeiter. Die Politik zögert – und muss einen schwierigen Spagat meistern.

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Fast durchgeimpft: Wann kommen Lockerungen in Seniorenheimen?

Sehr viele Senioren in Altenheimen sind mittlerweile gegen Corona geimpft. Trotz des Impfschutzes bleibt ihr Leben aber weiter stark eingeschränkt. Die Politik zögert bei der Lockerung der Maßnahmen – und muss einen schwierigen Spagat meistern.

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Von
  • Tobias Brunner

Es sind beachtliche Zahlen zu den Impfungen in den bayerischen Seniorenheimen der Caritas: 91 Prozent der Bewohner hätten bereits die Erstimpfung bekommen, 65 Prozent die Zweitimpfung, so der Verband. Mehr als 100.000 Bewohner in rund 250 Einrichtungen seien somit bereits besser gegen das Coronavirus geschützt. Auch für Bayern insgesamt kommt die Staatsregierung auf ähnliche Werte: "81 Prozent der Bewohner sind schon mit der Erstimpfung versorgt", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek diese Woche.

Diese Prozentsätze liegen in einer Größenordnung, die Fachleute und Politiker als Basis für eine Herdenimmunität sehen. Die Idee dahinter: Ist eine ausreichend große Zahl an Menschen geimpft oder nach einer Erkrankung immun, kann sich das Virus kaum mehr ausbreiten. Die Meinungen zur genauen Durchseuchungs- oder Impfquote variieren und liegen zwischen 60 und 90 Prozent.

Besuche in Heimen nur mit FFP2-Maske und Coronatest

Es verwundert daher kaum, dass in vielen Alten- und Pflegeheimen der Wunsch nach Erleichterungen für Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige größer wird. "Man muss genau beobachten, wie sich die Pandemie und die Mutationen entwickeln", sagt Caritas-Sprecher Tobias Utters dem BR. "Aber wenn es das Infektionsgeschehens erlaubt, wären baldige Lockerungen sehr wichtig."

Denn nach wie vor gelten strenge Regeln für die Einrichtungen: Jeder Bewohner darf pro Tag nur einen Besucher empfangen, dieser muss zudem einen negativen Coronatest vorlegen. Mindestabstand und FFP2-Masken sind Pflicht. Auch für Beschäftigte gilt die Maskenpflicht, außerdem müssen sie sich ebenfalls regelmäßig testen lassen.

Gesundheitsministerium: Bund-Länder-Konferenz am 3. März abwarten

So groß der Wunsch sein mag, eine Perspektive für Lockerungen gibt es derzeit noch nicht. Auf BR-Anfrage verweist das bayerische Gesundheitsministerium auf die nächste Bund-Länder-Konferenz am 3. März. Dort werde vor dem Hintergrund "der weiteren Infektionsentwicklung, insbesondere unter Berücksichtigung der weiteren Verbreitung von Virusvarianten" über mögliche Schritte entschieden.

Eigenmächtig handeln können die Einrichtungen kaum, Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und Rahmenhygienepläne geben die Mindeststandards vor. "Den Heimen bleibt hier wenig Spielraum, selbst etwas zu ändern", sagt Caritas-Sprecher Utters.

OP-Maske statt FFP2-Maske für Pflegepersonal?

Dabei gäbe es durchaus sinnvolle Ansatzpunkte, findet Marion Tost. Sie ist Vorständin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) für Bayreuth-Stadt und leitet eine Einrichtung für Menschen mit Demenz. "Ich würde mir wünschen, individueller nach Inzidenzwert und Impfstatus entscheiden zu können", sagt sie. In ihrem Haus hätten bereits fast alle 48 Bewohner eine Impfung erhalten, ebenso 75 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Als Beispiel nennt sie den geimpften Bewohner, der von seiner ebenfalls geimpften Ehefrau besucht wird. Im Moment müssen beiden Abstand halten und eine Maske tragen. Auch geimpfte Mitarbeiter würden gerne von der FFP2-Maske auf einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz wechseln. Dieser würde ihre Mitmenschen immer noch ausreichend schützen, den Arbeitsalltag aber erleichtern, heißt es.

Können bereits geimpfte Bewohner andere anstecken?

Solchen Hoffnungen stehen viele Unwägbarkeiten gegenüber, dessen sind sich auch die Heimleiterinnen und -leiter bewusst: Statt geimpfter Bewohner könnten sich etwa bei Lockerungen ungeimpfte Angehörige untereinander anstecken, wenn wieder mehr Besucher kommen.

Und: Wie groß ist das Risiko, dass Geimpfte zwar nicht mehr selbst erkranken, aber das Virus zumindest weitergeben können? Dazu wünschen sich viele Trägerverbände noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse.

Austausch mit Gesundheitsministerium hat sich verbessert

Auch die Politik weiß um diesen Drahtseilakt. Für die Anliegen der Alten- und Pflegeheime scheint das bayerische Gesundheitsministerium inzwischen aber empfänglicher geworden zu sein. "Hier hat sich im Laufe der Zeit einiges verbessert", sagt Caritas-Sprecher Utters. "Einmal pro Woche können bei einer gemeinsamen Telefonkonferenz Fragen und Probleme angesprochen werden."

Hoffnung auf Lockerungen für Heime im März oder April?

Bis ihnen tatsächlich wieder mehr gestattet ist, können die Verantwortlichen nur improvisieren – soweit es die staatlichen Vorgaben zulassen. Marion Tost setzt in Bayreuth auch auf Gespräche per Skype oder am Fenster, weil alle Zimmer im Erdgeschoss liegen. Außerdem wurden erst im Dezember neue Wintergärten gebaut, wo sich Bewohner und Angehörige treffen können.

Kaum etwas wäre aber so wichtig wie eine Perspektive, sagt Tost, beispielsweise dass sich im Mai oder April etwas bessert. Denn: "Die Menschen brauchen eine Anerkennung dafür, dass sie alles so tapfer mitmachen."

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