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Corona-Verordnung: Bayerns Medizinstudenten benachteiligt | BR24

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Bayern hat kurzfristig das zweite Staatsexamen für Medizinstudierende auf kommendes Jahr verschoben. Statt zu büffeln, sollen sie in den Kliniken aushelfen. Doch von mehreren Krankenhäusern heißt es: Wir haben derzeit keinen Bedarf.

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Corona-Verordnung: Bayerns Medizinstudenten benachteiligt

Bayern hat kurzfristig das zweite Staatsexamen für Medizinstudenten auf kommendes Jahr verschoben. Statt zu büffeln, sollen sie in den Kliniken aushelfen. Doch von mehreren Krankenhäusern heißt es: Wir haben derzeit keinen Bedarf.

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Ihr zweites Staatsexamen dürfen bayerische Medizinstudenten erst im nächsten Jahr ablegen. Diese Verschiebung geht auf einen Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an die Bundesländer zurück. Der Hintergedanke: Medizinstudenten sollen in den Kliniken im Kampf gegen das Coronavirus aushelfen. Allerdings haben nur Bayern und Baden-Württemberg den Vorschlag umgesetzt. Tausende Studenten dort stellt das nun vor große Probleme.

Sonderweg schafft Probleme

Die Medizinstudentinnen Johanna Schönau und Louisa Hofbeck aus Erlangen hatten ihren Platz für das praktische Jahr außerhalb Bayerns schon in der Tasche. Doch dafür wäre das zweite Examen Voraussetzung gewesen. Jetzt müssen sie in Bayern bleiben und sehr kurzfristig hier eine Stelle für das Praktische Jahr finden.

"Ich soll jetzt innerhalb von einer Woche meine Wohnung in der Schweiz kündigen und hier in Erlangen noch mal eine neue finden." Johanna Schönau, Medizinstudentin

Auch Louisa Hofbeck muss umplanen:

"Ich werde jetzt in Erlangen anfangen und nach einer Wohnung für meinen Freund und mich suchen, nachdem wir ja mit Kiel geplant hatten." Louisa Hofbeck, Medizinstudentin

Uneinheitliche Regelung der Bundesländer

Zwar hat der Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) den Medizinstudenten zugesichert, "dass sie dadurch keine Nachteile für ihren Studienfortschritt hinnehmen müssen". Die uneinheitliche Regelung der Bundesländer führt aber dennoch zu Unterschieden. Die Bundesärztekammer kritisiert deshalb, dass Bayern und Baden-Württemberg das Examen verschoben haben. Auch der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch sieht ernste Nachteile für die Medizinstudenten in Bayern.

"Die haben sich Monate vorbereitet auf ihr zweites medizinisches Staatsexamen und dann kriegen die sozusagen zehn Tage vor dem Termin von der bayerischen Gesundheitsministerin mitgeteilt: ‚Alles zurück, ihr schreibt euer zweites Staatsexamen nächstes Jahr im Frühjahr!‘ So geht das nicht." Wolfgang Heubisch, ehemaliger Bayerischer Wissenschaftsminister

Huml: Verschiebung gerechtfertigt

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) verteidigt die Verschiebung. Zum einen seien die Fallzahlen der Coronavirus-Infektionen in Bayern und Baden-Württemberg höher und die Belastung damit größer im Vergleich zu anderen Bundesländern. Zum anderen führt Huml die Ansteckungsgefahr während der Examensprüfung als Argument an.

"In einer Prüfungssituation, die drei Tage geht, wo man zwar weit auseinander sitzt, aber sich doch immer auch begegnet, denke ich, ist es aus epidemiologischer Sicht schwierig, diese Prüfung durchzuhalten." Melanie Huml, Bayerische Gesundheitsministerin

Ansteckungsgefahr bei Examensprüfung?

Das hohe Ansteckungsrisiko hält Wolfgang Heubisch, ehemaliger Wissenschaftsminister, für ein schwaches Argument. Man hätte genug Platz für ausreichend Abstand zwischen den Studierenden. Gleicher Meinung ist auch Ärztevertreterin Heidrun Gitter von der Bundesärztekammer.

"Im Moment sind ja alle Universitäten geschlossen. Es müssten also reichlich große Räume und auch Aufsichtspersonal da sein, um diese Examina so durchzuführen, dass die Studierenden dann einen ausreichenden Abstand einhalten können." Heidrun Gitter, Bundesärztekammer

Und auch die Studenten selbst halten dieses Argument für Augenwischerei. Immerhin sollen sie ja in den Kliniken aushelfen und sind dort dem Coronavirus ausgesetzt.

"Diese Begründung, dass wir zu unserem Schutz nicht schreiben sollen, ist hinfällig, wenn man bedenkt, dass wir drei Tage später im Krankenhaus stehen und allen möglichen Krankheiten und Viren ausgesetzt sind." Johanna Schönau, Medizinstudentin

Medizinstudenten werden bislang kaum gebraucht

Am Uniklinikum Erlangen haben sich bereits 950 freiwillige Medizinstudenten gemeldet, aber bislang wurden nur 160 gebraucht. Auch von den elf Lehrkrankenhäusern des Uniklinikums Erlangen geben die meisten auf Anfrage von Kontrovers an, noch keinen gesteigerten Personalbedarf zu haben.

"Das ist ja eigentlich das Problem, dass es eben derzeit nicht an Pflegepersonal mangelt, im Gegenteil." Johanna Schönau, Medizinstudentin

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