BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Bis 19. April: Verbot für große Events - auch kleinere gefährdet | BR24

© BR

Wegen der Ausbreitungen des neuartigen Coronavirus sind Großveranstaltungen in Bayern untersagt. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder.

112
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bis 19. April: Verbot für große Events - auch kleinere gefährdet

Wegen des Coronavirus sind in Bayern bis zum Ende der Osterferien Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen untersagt. Betroffen sind auch Fußballspiele. Über kleinere Events soll im Einzelfall entschieden werden, staatliche Theater schließen.

112
Per Mail sharen
Teilen

Als eines der ersten Bundesländer hat Bayern beschlossen, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern zu untersagen, um eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Am Montag hatte sich schon der schwarz-orange Koalitionsausschuss auf ein Verbot bis Karfreitag verständigt. Nun hat das bayerische Kabinett entschieden, per Allgemeinverfügung entsprechende Veranstaltungen sogar bis zum Ende der Osterferien am 19. April nicht zuzulassen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in München sagte. Die Staatsregierung lege großen Wert darauf, dass es dabei "keine Tricksereien" geben werde.

Söder betonte, es gebe keinen Anlass zur Panik, "aber doch zu sehr ernsthafter Sorge". Die Staatsregierung hoffe auf das Beste, stelle sich aber auf Schlimmeres ein. Die Sicherheit stehe an oberster Stelle. Bayern habe sich daher bewusst entschieden, den Maßnahmen und Empfehlungen des Bundes zu folgen und diese "eins zu eins umzusetzen". Es gelte einen "Kompetenzwirrwarr" zwischen Bund und Ländern zu vermeiden, sagte der Ministerpräsident. Er forderte die Bundesländer zu einem einheitlichen Vorgehen auf.

Fußballspiele ohne Zuschauer möglich

Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) betrifft das Verbot auch Sportveranstaltungen wie Fußball-, Basketball- und Handballspiele. Dabei bestehe neben der Absage "auch die Möglichkeit, es ohne Zuschauer durchzuführen".

Die Entscheidung des Freistaats betrifft mindestens drei Heimspiele des FC Bayern München. Das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am 18. März gegen den FC Chelsea fällt ebenso in den Zeitraum wie die Bundesliga-Partien gegen Eintracht Frankfurt (22. März) und Fortuna Düsseldorf (11. bis 13. April). Sollte der deutsche Fußball-Rekordmeister in einem wahrscheinlichen Königsklassen-Viertelfinale am 7./8. April Heimrecht haben, wäre auch dieses Spiel betroffen. Zudem stehen unter anderem die Eishockey-Playoffs an.

Söder: "Im Zweifel lieber absagen"

Für Veranstaltungen mit 500 bis 1.000 Personen empfiehlt die Staatsregierung die Absage, jeweils nach Rücksprache mit den Behörden. Laut Staatskanzlei werden die Kreisverwaltungsbehörden eine genaue Risikobewertung vornehmen. Das Gesundheitsministerium werde dazu am Mittwoch eine Hotline für Bürgermeister und Gemeinden einrichten.

"Generell gilt größte Zurückhaltung, im Zweifel lieber absagen", betonte Söder. Das betreffe beispielsweise Starkbierfeste. Diese gehörten zu einer Kategorie, "die aus unserer Sicht nicht mehr vertretbar ist". Bei Veranstaltungen mit weniger als 500 Besuchern solle jeder für sich persönlich entscheiden, ob diese notwendig sei.

Staatliche Theater und Konzertsäle schließen

Der Ministerpräsident kündigte an, dass sämtliche Opern- und Theateraufführungen sowie Konzerte in staatlichen Häusern abgesagt werden. Er selbst werde vor den bayerischen Kommunalwahlen am Sonntag "keine größeren Wahlkampfveranstaltungen mehr machen". Söder appellierte aber an die Bevölkerung am Sonntag wählen zu gehen - oder Briefwahl zu machen, falls man besorgt sei.

Der Beginn der Vorlesungszeiten an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sowie Kunst- und Musikhochschulen wird auf den 20. April verschoben. Eigentlich sollte das Sommersemester dort schon am Montag beginnen.

Schulen bleiben zunächst geöffnet

Eine generelle Schließung der Schulen und Kindergärten im Freistaat hält die Staatsregierung laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bisher nicht für notwendig. Eine zweiwöchige Schließung sei intensiv diskutiert worden, wäre nach Einschätzung der Experten gegenwärtig aber unverhältnismäßig.

Gegenwärtig sind laut Huml wegen Coronavirus-Verdachtsfällen bayernweit 52 Schulen geschlossen, davon 23 in Oberbayern. Nachdem mittlerweile ganz Italien als Krisengebiet gelte, müssten vorübergehend alle Kinder zu Hause bleiben, die irgendwo in Italien gewesen seien.

© BR

Gesundheitsministerin Huml hat betont, dass angesichts der Ausbreitung des Coronavirus das öffentliche Leben nicht lahmgelegt werden soll. Verbote von Großveranstaltungen sollen aber bewirken, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet.

Hilfe für die Wirtschaft

Das Kabinett beschloss zudem, dass das Bürgschaftsvolumen des Freistaats für Unternehmen um 100 Millionen erhöht wird, um der bayerischen Wirtschaft zu helfen. Über den weiteren Umgang mit den Folgen des Coronavirus will die Staatsregierung am Freitag bei einem Wirtschaftsgipfel mit den Verbänden in München beraten.

Söder zeigte sich mit Blick auf die bayerische Wirtschaft besorgt. So seien wegen des Stillstands in China die Automobilindustrie und der Maschinenbau hierzulande in Schwierigkeiten. "Wir befürchten, dass aus den Börsenentwicklungen eine neue, eine absolute Finanzkrise entstehen kann, eine neue Bankenkrise entstehen kann, ganz zu schweigen von Tourismus, von Messen, von Verkehrswesen, wo im Moment von einem Schlag auf den anderen fast 80, 90 Prozent wegbrechen." Laut Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist davon auszugehen, dass bis Mitte Mai "keine Messe in Bayern stattfinden wird".

© BR

Ministerpräsident Söder befürchtet, dass die Ausbreitung des Coronavirus zu einer "absoluten Finanzkrise" führen kann. Es gehe nun darum, die Liquidität der Firmen zu erhalten.

Söder weist SPD-Forderung nach Investitionen zurück

Der Staat müsse angesichts der sehr ernsten Lage der Wirtschaft handeln, "allerdings klug", betonte Söder. Im Moment gehe es nicht um Investitionen. "Die bringen keinem was." Es gehe derzeit ausschließlich darum, die Liquidität der Firmen zu erhalten.

Die SPD-Landtagsfraktion hatte zuvor von der Staatsregierung ein zwei Milliarden Euro scheres Konjunkturprogramm verlangt. Dieses solle unter anderem finanzielle Hilfen für den Mittelstand und zusätzliche Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr enthalten, forderte SPD-Fraktionschef Horst Arnold. Zudem sollten staatlichen Investitionen und Maßnahmen beispielsweise für Krankenhäuser, Hochschulen und Universitäten vorgezogen und ausgeweitet werden.

© BR

Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger äußert sich zu den auswirkungen des Coronavirus für die Wirtschaft im Freistaat.

Verbote auch in Schleswig-Holstein und Thüringen

Nach dem Freistaat hat mittlerweile auch Schleswig-Holsteins Kabinett ein Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen beschlossen. Der Erlass sollte noch heute auf den Weg gebracht werden, sagte ein Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Auch in Thüringen sollen vorerst keine Großveranstaltungen mehr stattfinden. Eine entsprechende Weisung sei am Dienstag an alle Kommunen gegeben worden, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) in Erfurt. Ähnlich geht Nordrhein-Westfalen vor.

Weitere Bundesländer wollen der entsprechenden Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ebenfalls folgen.

(Mit Material von dpa)

Video: Die komplette Pressekonferenz

© BR

Das Coronavirus breitet sich weiter in Bayern aus. Die Staatsregierung zieht nun drastische Konsequenzen: Bis Ostern will sie Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen untersagen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!