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Bildrechte: dpa -Report

Symbolbild: Intensivstation der Uniklinik Würzburg

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    Corona: Unterfränkische Kliniken reduzieren planbare OPs

    Die Kliniken in Unterfranken reagieren auf die angespannte Corona-Situation. Fast überall im Bezirk werden nicht dringende OPs verschoben, um freie Betten vorzuhalten. Auch die personelle Situation ist vielerorts angespannt.

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    Von
    • Jochen Wobser
    • Katja Ortlauf
    • Carol Lupu
    • Sylvia Schubart-Arand
    • Ralph Wege

    Die Kliniken im Landkreis Würzburg schränken planbare Operationen auf ein Mindestmaß ein, um angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen freie Kapazitäten vorzuhalten.

    Uniklinik Würzburg: Planbare OPs zurückgestellt

    So werden am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) nicht dringliche Operationen und Eingriffe bis auf weiteres zurückgestellt, heißt es auf BR-Anfrage. Dennoch weist die Klinikleitung ausdrücklich darauf hin, dass sich Patienten mit akuten dringlichen Erkrankungen weiterhin in das Uniklinikum einweisen lassen sollen. Patienten, deren aufschiebbare Operationen vorerst nicht stattfinden, würden rechtzeitig darüber informiert. Derzeit werden 35 Patienten mit Covid-19 im Uniklinikum behandelt, davon liegen 13 auf der Intensivstation. Die Lage in der Intensivmedizin der Würzburger Uniklinik bezeichnet der Ärztliche Direktor Prof. Georg Ertl als "angespannt". Vor allem die Personalsituation sei "sehr eng" und eine ständige Herausforderung. Das UKW könnte bei einer absoluten Notlage seine Kapazität an Intensivbetten auf maximal 160 aufstocken. Dann müsste allerdings Betrieb in allen anderen Abteilungen auf ein Minimum heruntergefahren werden.

    Klinikum Würzburg Mitte: Anzahl der Eingriffe reduziert

    Nur noch ein reduzierter OP-Betrieb läuft auch am Klinikum Würzburg Mitte (KWM), das die Klinik der Stiftung Juliusspital und die Missioklinik vereinigt. "Die Lage hier ist zunehmend angespannt", beschreibt die Kliniksprecherin Daniela Kalb die Situation am KWM. Zwar seien planbare Operationen noch nicht komplett gestoppt worden. Seit Ende letzter Woche sei aber die Anzahl der Eingriffe deutlich zurückgefahren worden, um mehr Betten für die Versorgung von Covid-19-Patienten zur Verfügung zu haben. Mitarbeiter der chirurgischen Fachabteilungen hätten alle betroffene Patienten telefonisch über die Verschiebung Ihres Eingriffs informiert und das weitere Vorgehen besprochen. Die Notfallversorgung und nicht aufschiebbare Eingriffe seien weiterhin ohne Einschränkung möglich. Aktuell werden 22 Patienten mit einer bestätigten Corona-Infektion stationär im KWM behandelt, vier von ihnen auf der Intensivstation. Die derzeitige Situation sei für alle Kliniken in der Region "eine enorme Herausforderung", so Daniela Kalb. In den vergangenen Tagen habe das KWM andere Krankenhäuser angrenzender Landkreise unterstützt und Covid-19-Patienten zur weiteren Behandlung ins KWM übernommen.

    Main-Klinik Ochsenfurt: OPs stark zurückgefahren

    An der Main-Klinik Ochsenfurt sind die planbaren Eingriffe bereits seit Anfang November stark zurückgefahren. Der Grund war laut Klinik-Geschäftsführer Christian Schell der massive Corona-Ausbruch im Ochsenfurter Seniorenheim Fuchsenmühle. Inzwischen habe sich dieser Hot-Spot wieder etwas entschärft, so Schell. Dennoch halte man das verschiebbare OP-Programm weiter auf einem niedrigen Level, von vier OP-Sälen seien nur drei in Betrieb. Derzeit liegen in der Main-Klinik Ochsenfurt zwei Patienten mit positiven Corona-Tests sowie fünf Verdachtsfälle. Intensivmedizinisch müsse von ihnen derzeit kein Patient betreut werden, so der Geschäftsführer. Für Notfälle habe die Main-Klinik noch Intensivbetten frei.

    Klinikum Aschaffenburg-Alzenau operiert nur Notfälle

    Im Klinikum Alzenau-Aschaffenburg werden ab heute alle planbaren Operationen verschoben und nur noch Notfälle oder onkologische Eingriffe durchgeführt. Das teilte das Klinikum mit und begründet die Entscheidung damit, dass freie Kapazitäten aufrechterhalten werden müssen, sowohl bei den Betten als auch im ärztlichen und pflegerischen Dienst. Damit reagiert das Klinikum auf die anhaltend hohe Zahl der Corona-Infektionen in der Region. Patienten, die von der Absage betroffen sind, werden von der Klinik informiert. Derzeit werden im Klinikum Aschaffenburg-Alzenau 43 Patienten mit einer bestätigten Cororna-Infektion behandelt. 15 Patienten benötigen eine intensivmedizinische Behandlung. Am Klinikum in Erlenbach im Landkreis Miltenberg werden OPs teils verschoben, die nicht zwingend notwendig sind.

    Klinikum Main-Spessart: Personallage angespannt

    Das Klinikum Main-Spessart reagiert auf die aktuell hohen Infektionszahlen im Landkreis Main-Spessart. Bereits seit zwei Wochen wurde die Zahl der geplanten Eingriffe und Untersuchungen heruntergefahren. Ab heute bis voraussichtlich 11. Januar verschärft das Klinikum Main-Spessart diese Regelung nochmals und stellt geplante Eingriffe und Untersuchungen nun komplett ein, teilt die Unternehmenssprecherin mit. Dies machen wir, um die Notfallversorgung und den Krankenhausbetrieb weiterhin zu sichern. Derzeit werden im Krankenhaus in Lohr 17 Covid-Patienten behandelt, einer davon auf der Intensivstation. Die Personalsituation sei angespannt. Durch die Einstellung der geplanten Behandlungen werde die Personalsituation entlastet. Das Klinikum Lohr wird zudem durch das Personal der derzeit geschlossenen geriatrischen Rehabilitation in Marktheidenfeld unterstützt.

    Klinik Kitzinger Land entscheidet über OPs täglich neu

    In der Klinik Kitzinger Land ist die aktuelle Situation derzeit noch beherrschbar. Ob Operationen aufgrund von Corona wie geplant stattfinden können oder gegebenenfalls verschoben werden, müsste allerdings täglich neu entschieden werden. Drei Mal in der Woche treffe sich hierzu ein Team, um die aktuelle Belegungssituation zu besprechen, so Thilo Penzhorn, Vorstand des Klinikums Kitzinger Land, gegenüber dem BR. "Grundsätzlich fahren wir das OP-Programm schon das ganze Jahr über in reduzierter Form", so Penzhorn weiter. Das sei natürlich auch mit finanziellen Einbußen für die Klinik verbunden. Große Ausgleichzahlungen gebe es vom Gesetzgeber dafür nicht. Wenn Corona-Patienten in der Klinik aufgenommen werden, müsse er außerdem für alle auch eine Beatmungsmöglichkeit vorhalten, auch wenn sie am Ende vielleicht doch nicht gebraucht werde. In der Klinik Kitzinger Land werden derzeit sechs Corona-Patienten betreut. Vier Menschen nehmen intensivmedizinische Leistungen in Anspruch, zwei Patienten liegen auf der Normalstation, so Penzberg. Insgesamt hat die Klinik neuen Intensivbetten zur Verfügung.

    Leopoldina in Schweinfurt: permanente Anpassung

    Im Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt sind die Intensivbereiche sehr gut ausgelastet, es bestehen aber noch Kapazitäten. Die aktuelle Situation erfordert jedoch eine ständige Prüfung der Kapazitäten und entsprechende Anpassung der Planung, so Veit Oertel, Leiter der Klinik. Im Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt stünden alle Disziplinen im ständigen Austausch, insbesondere mit der Zentralen Notaufnahme und der Intensivmedizin, um den Routineanforderungen als auch den Covid-19 Anforderungen bestmöglich gerecht zu werden, so Oertel weiter. Die entscheidende Ressource sei in vielen Fällen die Anzahl zur Verfügung stehender Intensivbetten. Die Belegung von Intensivbetten sei ständig schwankend, da diese nicht nur für elektive Patienten und Coronapatienten zur Verfügung stehen, sondern auch von akuten Notfällen wie beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfälle beansprucht werden, erklärt er. Im Leopoldina Krankenhaus Schweinfurt werden derzeit fünf Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut. Außerhalb der Intensivstation werden 31 Patienten behandelt. Personell sind im Leopoldina derzeit keine coronabedingten Engpässe, meint Oertel. Mit Hilfe regelhafter Mitarbeitertestungen, vor allem in den Hochrisikobereichen, sei es bisher gelungen, die Zahl infizierter Mitarbeiter gering zu halten.

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