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Deutschland, ein Sommerurlaub-Flickenteppich | BR24

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Nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem Fleischbetrieb von Tönnies ist das öffentliche Leben in zwei Kreisen von Nordrhein-Westfalen wieder eingeschränkt. Die NRW-Landesregierung steht in der Kritik.

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Deutschland, ein Sommerurlaub-Flickenteppich

Die ersten Bundesländer starten in die Sommerferien. Doch angesichts neuer Corona-Hotspots wollen manche Urlaubsregionen besondere Vorsicht walten lassen - und verhängen beispielsweise Einreisestopps. Ein Überblick.

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Bundesweit eine der strengsten Regelungen hat Mecklenburg-Vorpommern. Laut der geltenden Landesverordnung dürfen Menschen aus anderen Bundesländern nicht einreisen, wenn sie aus einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt kommen, in denen in den letzten sieben Tagen vor Einreise die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner höher als 50 ist.

Urlauber aus Risiko-Regionen in Mecklenburg-Vorpommern unerwünscht

Gäste aus solchen "Risiko-Regionen" dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen in Mecklenburg-Vorpommern Urlaub machen: Wenn sie beim Gastgeber einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Und es gibt noch eine weitere Bedingung für die Einreise: Gäste müssen mindestens eine gebuchte Übernachtung vorweisen können. Tagesausflüge aus anderen Bundesländern und dem Ausland ohne Übernachtung sind also momentan nicht möglich. Bei Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen ist somit eine Vorab-Buchung notwendig, eine kontaktlose Bezahlung wird empfohlen.

Gäste aus Gütersloh müssen Usedom verlassen

Für Reisende etwa aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen heißt das derzeit: Aus der Traum vom Ostsee-Urlaub. Und das, wie es scheint, recht rigoros: In Heringsdorf auf Usedom sind am Montag erstmals 14 Urlauber zur Rückreise in ihre Heimat aufgefordert worden, darunter ein Ehepaar aus dem Landkreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen.

Ein Vermieter auf Usedom hatte die Herkunft des Ehepaares überprüft und ihnen die Aufnahme verweigert. Das zuständige Ordnungsamt und der Kreis Vorpommern-Greifswald wurden informiert. Nach Angaben von Kreissprecher Achim Froitzheim zeigte der Vorfall, dass Vermieter und Hoteliers aufmerksam seien und die Meldeketten funktionierten. Froitzheim betont, man wolle unbedingt erreichen, "dass sowohl unsere Bürgerinnen und Bürger gesund bleiben, als auch unsere Gäste die Region gesund wieder verlassen".

Die Region Usedom wolle Gästen aus Risikogebieten nun entgegenkommen und erlauben, erst vor Ort einen Corona-Test zu machen – bei negativem Ergebnis soll dann der Aufenthalt möglich sein.

Herausforderung für Bayerns Gastgeber

Der Süden hat diese Woche nachgezogen. In Bayern hat die Staatsregierung ein entsprechendes Beherbergungsverbot für Bürger aus deutschen Risiko-Regionen verhängt, das ab Donnerstag in Kraft tritt. Das geht aus der nunmehr fertiggestellten Verordnung des Gesundheitsministeriums hervor. Von dieser Regelung soll es nur Ausnahmen für Menschen geben, die einen aktuellen negativen Corona-Test und ein ärztliches Attest vorweisen können.

Von dem Verbot ausgenommen sind zudem Gäste, "die zwingend notwendig und unaufschiebbar beruflich oder medizinisch veranlasst anreisen" oder die "einen sonstigen triftigen Reisegrund" nachweisen können. Dazu zählt insbesondere ein Besuch bei Familienangehörigen, eines Lebenspartners oder Partners einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, die Wahrnehmung eines Sorge- oder Umgangsrechts oder Beistand oder Pflege schutzbedürftiger Personen.

Die Regelung mache es für die Besitzer von Hotels, Pensionen und Campingplätzen nicht gerade einfacher, beklagt Michael Braun vom Tourismusverband Ostbayern:

"Die Frage ist: Wie macht man das in der praktischen Umsetzung? Angeblich soll es in den nächsten ein, zwei Tagen nähere Anweisungen geben (…). Aber, wenn ich mich in die Rolle eines Gastgebers versetze, wird es schwierig: Der muss morgens aufstehen und schauen, wo gibt’s denn eine neue Hotspot-Region? Dann muss er natürlich wissen, welches Dorf gehört zu welchem Landkreis, also liegt dieser Ort des Gastes in einem Hotspot-Landkreis?“ Michael Braun, Tourismusverband Ostbayern

Kurz vor der Anreise der Urlauber müssen Gastgeber also die aktuellen Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts abfragen - und gegebenenfalls den Gast nach einem negativen Corona-Test fragen oder ihn abweisen.

"Wir werden die Maßnahmen umsetzen", betonte der Landesgeschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststätten-Verbands (Dehoga), Thomas Geppert, auf BR-Anfrage. "Aber unabhängig davon muss geklärt werden, wer die Kosten für Stornierungen und Verdienstausfall übernimmt."

Auch an der Nordsee ist man vorsichtig: Niedersachsen hat jetzt ebenso wie Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ein Beherbergungsverbot für Touristen aus der Region Gütersloh erlassen.

Für die betroffenen Urlauber bedauere er das, sagt Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD). Aber es bestehe die Gefahr, dass das Virus eingeschleppt und nach dem Urlaub überall in Deutschland verteilt werden könnte, so Ambrosy, der auch Vorsitzender des Tourismusverbands Niedersachsen ist.

Bundesweit einheitliche Regelung fehlt

Tatsache ist: In Sachen Beherbergungsverbot ist eine bundesweite Regelung derzeit nicht in Sicht. Die Gesundheitsminister der Bundesländer konnten sich bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch auf keine einheitliche Linie einigen.

Einige Länder dürften aber die nächsten Tage bei den Einreisestopps noch nachziehen: So hat auch das Land Schleswig-Holstein angekündigt, seine Regeln für Reisende innerhalb Deutschlands zu verschärfen.

Reisende, die aus einem Gebiet kommen, in dem es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen gegeben hat, sollen sich künftig in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Personen müssen unverzüglich nach der Einreise in ihre Wohnung oder in eine andere geeignete Unterkunft, um sich dort 14 Tage lang zu isolieren, wie die Landesregierung am Dienstag nach einer Sitzung in Lübeck mitteilte.

Für betroffene Urlauber, deren Reise innerhalb Deutschlands nun storniert wird, gilt laut Kay Rodegra, Anwalt für Reiserecht: Sie bekommen ihr Geld zurück, wenn der Einreisestopp behördlich angeordnet wurde.

Und: "Hoteliers oder Vermieter von Ferienwohnungen können nicht eigenmächtig Urlauber ablehnen", so Rodegra. Wenn keine behördliche Anordnung vorliege, die Reise vom Gastgeber aber dennoch storniert werde, würden in diesem Fall Schadensersatz-Ansprüche bestehen.

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