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Markus Bauer vor seinem Fahrschul-Auto

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    Corona und Lockdown: Viele Fahrschulen vor dem Aus

    Im Lockdown kommen auch viele Fahrschulen an ihre Grenzen. Denn anders als zum Beispiel in Hessen dürfen diese in Bayern nicht öffnen. Die Soforthilfen fließen scheinbar nur schleppend, berichtet Markus Bauer, der eine Fahrschule bei München hat.

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    Von
    • Oliver Römhild

    Es sind schwere Zeiten für Dienstleister. Gastronomen können ihre Betriebe nicht aufsperren, Taxifahrer haben kaum Fahrgäste, Reisebüros keine Kunden. Sind im ersten Lockdown im April vor einem Jahr noch manche Soforthilfen geflossen, beklagen derzeit Unternehmer und Selbständige immer öfter, dass die Hilfen nur schleppend kommen oder gar nicht abzurufen seien.

    Fahrschulen ohne Einnahmen

    Nun melden sich die Fahrschulen aus dem zweiten Lockdown. Seit Anfang Dezember haben sie keine Einnahmen mehr. Mancher Betrieb kommt inzwischen in finanzielle Schwierigkeiten. Dabei haben Fahrschulen auch einen öffentlichen Auftrag: Junge Menschen fit für den Straßenverkehr zu machen, damit sie sich selbst und auch andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden.

    Keine Fahrschüler seit Wochen

    Seit vielen Jahren betreibt Markus Bauer seine Fahrschule in Sauerlach südlich von München. Die Räume sehen wie stillgelegt aus: Der Schreibtisch gleich hinter der Eingangstür – blitzblank aufgeräumt. Weiter hinten in der Fahrschule stehen alle Stühle ordentlich in Reih und Glied am Tisch – kein Theorieunterricht, kein Schüler seit Wochen.

    Wenn das so weitergeht, sagt Markus Bauer, dann gehe sein Lebenswerk bald den Bach runter. Keine Einnahmen, keine Hilfen, hohe Kosten. Das Problem: Zum Jahreswechsel kommen alle Fahrzeugversicherungen für die Fahrschule. "Wir haben zig Motorräder, wir haben mehrere Autos, wir haben in Fahrschulen teilweise auch Lkw und Traktoren. Da zahlst du natürlich die Versicherungen. Ich zahle die halbjährlich - und das sind gleich mal mehrere tausend Euro, die zu den eigentlichen Fixkosten dazukommen", sagt Markus Bauer. Finanzhilfen? Die können laut Bauer in der achten Woche im Lockdown noch nicht mal beantragt werden.

    Protest, um aufmerksam zu machen

    Draußen vor der Schule haben sich 15 Fahrschüler versammelt. Eigentlich wollte Markus Bauer wieder Fahrstunden geben, aus Protest und um auf die Situation seiner Branche aufmerksam zu machen. Aber er hätte damit seine Lizenz aufs Spiel gesetzt - das war ihm dann doch zu riskant. Die Schüler würden mit der Ausbildung auch gern weitermachen.

    Missmut bei den Fahrschülern

    Sarah Ernst ist 18, sie stand kurz vor der Prüfung. "Ich warte seit zwei Monaten darauf, dass ich fertig machen kann. Es geht wirklich nur noch um Wochen. Es zieht sich halt hin und ich merke, die Routine fehlt, die Übung fehlt und ich weiß halt nicht, wie schnell man da wieder reinkommt."

    Kay Dafler hatte gerade mit Fahrtstunden angefangen. "Ich bin auch gleichzeitig im Studium. Dadurch dass ich jetzt praktisch wieder neu anfangen muss, verschiebt sich das in die Klausurenphase, ins Studium rein und das ist natürlich ein Problem", so der 18-Jährige.

    Die 17-jährige Anika Boppel muss einen Teil des Führerscheins selbst bezahlen. "Mich ärgert, dass ich jetzt, weil so viel Zeit vergangen ist, noch mehr Fahrstunden machen muss, um alles zu wiederholen. Und das kostet halt auch nochmal mehr Geld."

    Situation in anderen Bundesländern

    In Hessen kann der theoretische und praktische Unterricht trotz Corona weitergehen. In Baden-Württemberg können Fahrschüler die Prüfung ablegen, wenn ihre Ausbildung kurz vor dem Ende ist. In manchen Bundesländern ist die Ausbildung aus beruflichen Gründen zugelassen. Markus Bauer fordert solche Regelungen auch für Bayern. Er sitzt mit Maske und Plastikhandschuhen am Steuer des Fahrschulautos. "Ich denke, wenn der Fahrschüler und ich als Fahrlehrer eine FFP2-Maske und Handschuhe tragen, dann wäre es gut möglich, praktische Fahrstunden zu fahren." Außerdem desinfiziere er nach jeder Fahrstunde "das ganze Auto".

    Lösungen für Fahrschulen und Blick in die Zukunft

    Entweder die Fahrschulen dürften wieder öffnen oder sie brauchen sofort Finanzhilfen, sagt Bauer. Andere Möglichkeiten gebe es nicht mehr. Und wenn die Fahrschulen auch noch nach dem 14. Februar zu blieben müssen - das wäre, so schätzt Bauer, für viele Kollegen und ihre Betriebe das Ende.

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