BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Jelena Khawari arbeitet mit Geflüchteten zusammen. Sie hilft ihnen, sich in Deutschland zurecht zu finden. Aufgrund der Pandemie ist der persönliche Kontakt jedoch oft nicht möglich.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona und Geflüchtete: Beratungsgespräche unter freiem Himmel

In Oberfranken haben wegen der Corona-Pandemie nur noch wenige Flüchtlings- und Integrationsberatungen geöffnet. Das stellt ein Problem für Flüchtlinge dar, denn der Beratungsbedarf ist groß. Stattdessen setzt man nun auf gemeinsame Spaziergänge.

Per Mail sharen
Von
  • Sandra Jozipovic

Jelena Khawari sitzt in ihrem Büro und spricht in einem Videoanruf mit einem geflüchteten Menschen. Die Pädagogin arbeitet bei der AWO-Beratungsstelle in Forchheim. Hier hilft sie Emigranten in persönlichen Gesprächen oder bei gemeinsamen Aktionen, damit sie in Deutschland besser zurechtkommen. Doch seit der Corona-Pandemie finden die meisten Treffen nur noch online statt. Wöchentliche Veranstaltungen gibt es momentan nicht mehr.

Teilnahme an Online-Terminen ist oft schwierig

Viele Flüchtlinge fühlen sich alleine gelassen, haben kaum noch Kontakte. Viele Beratungsstellen sind geschlossen. Manche Flüchtlinge haben ein schlechtes oder gar kein Internet und können an Online-Terminen nicht teilnehmen. Deshalb trifft sich Khawari noch regelmäßig mit Geflohenen. Inzwischen nicht mehr in ihrem Büro, sondern draußen bei Spaziergängen. Die meisten Geflüchteten kämen aus sogenannten "kollektivistischen Kulturen", also aus Ländern, in denen die Familie sehr präsent sei, sagt Khawari. Fällt dieser kollektive Rückhalt weg, herrsche oft große Orientierungslosigkeit.

Wegen Corona den Job verloren

Am Main-Donau-Kanal in Forchheim trifft die Pädagogin regelmäßig den 24 Jahre alten Mohammad Omar Ali Obeid. Die beiden machen einen Spaziergang durch die Natur und sprechen über die Lebenssituation des jungen Mannes. Er ist seit fünf Jahren in Deutschland.

Durch die Pandemie habe sich in seinem Leben vieles verändert, erzählt er. Vor einem Jahr habe er noch in einem Restaurant in der Fränkischen Schweiz gearbeitet. Wegen Corona habe er seinen Job verloren. Es fehle an Kontakten. Eine Studie hat gerade erst herausgefunden, dass auch der Kontakt zu Einheimischen für Flüchtlinge enorm wichtig ist.

Unterstützung bei Ausbildungssuche

Der junge Syrer zieht nun von Streitberg in der Fränkischen Schweiz nach Biberach in Baden-Württemberg. Dort habe er zumindest einen guten Freund und hofft bald einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Khawari unterstützt den jungen Mann bei den Vorbereitungen für seinen Umzug. Dazu gehört die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt oder auch das Ausfüllen von Formularen auf Deutsch. Die Pädagogin zeigt ihm auch Jobangebote, die sie bei Stellenbörsen aus dem Internet ausgedruckt hat.

Mohammad Omar Ali Obeid möchte eine Ausbildung zum Physiotherapeuten machen. Dabei konnte ihm die Pädagogin in Forchheim bisher aber noch nicht helfen. Beide hoffen nun, dass es damit am neuen Wohnort klappt.

Neben der AWO-Beratungsstelle finden junge Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von zwölf bis 27 Jahren auch Hilfe auf der Internetseite des Jugendmigrationsdienstes.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!