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Corona überstehen: Das lassen sich Hotels in München einfallen | BR24

© Livinghotels

Marcel M. in seinem Studi-Hotel-Appartement.

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Corona überstehen: Das lassen sich Hotels in München einfallen

Hotelübernachtungen von Touristen und Touristinnen sind gerade wegen Corona verboten. Trotzdem sind nicht alle Zimmer in Münchens Hotels leer. Wie das geht und wie die Hotelbranche sich so über den Teil-Lockdown retten könnte? BR24 erklärt.

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Doppelbett, Regendusche, Zimmerservice: Diesen Luxus hat Student Marcel M. gerade jeden Tag. Mitten in München am Viktualienmarkt wohnt der 24-Jährige in einem Hotelzimmer. In seiner Wohnung hatte er einen Wasserschaden und musste sich deshalb kurzfristig ein neues Zuhause suchen. Wegen Corona kam es aber nicht infrage, in einer WG von Freunden unterzukommen. Zu hoch die Ansteckungsgefahr.

Was Corona aber möglich macht: Wohnen im Hotel zu Preisen, die sonst auf dem Münchner Mietmarkt üblich sind. Marcel M. zahlt für sein Appartement mit Küchenzeile im Living Hotel am Viktualienmarkt 990 Euro für 34 Quadratmeter. Und da ist alles inklusive - sogar die Reinigung des Appartements alle 14 Tage. "Ich hatte zwei Sporttaschen dabei, als ich hier eingezogen bin. Man muss sich um nichts kümmern. Das ist schon angenehm", sagt Marcel.

© BR

Viele Hotels vermieten ihre Zimmer wegen Corona als Wohnungs-Alternative an Studenten. Marcel M. ist 24 Jahre und hat sich eines der Zimmer gemietet.

Hotelzimmer statt WG-Zimmer

Wegen Corona dürfen im November keine Touristen und Touristinnen in Hotels übernachten. Auch nicht in den fünf Appartement-Hotels, die die Derag Livinghotels AG in München betreibt. Eigentlich vermietet die Hotelgruppe ihre Appartements meist an Geschäftsreisende oder Projektgruppen. Die fallen wegen Corona weg.

Damit die Hotels nicht leer stehen, habe man die Angebote an die Nachfrage angepasst. Das seien in München vermehrt junge Menschen auf Wohnungssuche, erklärt Tim Düysen, Marketing-Chef der Hotelgruppe. Man habe die Preise für 30 Tage Miete an das Mietverhältnis in München angepasst.

Wohnen in der Jugendherberge

Möglichst kein Minus machen: Das versuchen auch die Jugendherbergen in Bayern. Denn dort fehlen jetzt schon zum zweiten Mal Schulklassen und Reisende. Die erste Corona-Hochzeit habe man nur aufgrund der Corona-Hilfen überstanden, erklärt Marko Junghänel. Er ist Pressesprecher beim Landesverband der Jugendherbergen in Bayern.

Im neuen Teil-Lockdown setzt der Verband ebenfalls auf Studierende auf Wohnungssuche. Ganz so glamourös wie im Appartement Hotel ist das nicht. Aber deutlich preiswerter. Vier Wochen im Einzelzimmer kosten in München zum Beispiel 579 Euro. Mit Frühstück sind es dann 649 Euro. Auch die Jugendherbergen in Bayreuth, Passau, Regenburg, Würzburg und Eichstätt bieten Zimmer für eine kurzfristige Miete an.

"Das soll keine dauerhafte Lösung sein, sondern den Start ins erste Semester erleichtern", sagt Pressesprecher Marko Junghänel. Das neue Semester hat am Montag gerade erst begonnen. Die Nachfrage ist hoch. Rund ein Dutzend Anfragen bekomme die Jugendherberge in München täglich wegen der Studi-Zimmer. Bisher seien aber nur zwei Verträge unterschrieben. In der Jugendherberge in München ist also noch Platz.

Home Office im Hotel

Wer nicht gleich in ein Hotel ziehen möchte, kann dort auch erstmal nur arbeiten. Was im Frühjahr bereits angeboten wurde, wird auch im aktuellen Teil-Lockdown weiter fortgeführt: Home Office im Hotelzimmer. Auf dem Portal "homeoffice-im-hotel.de" können sich Hotels registrieren und ihre freien Zimmer als Arbeitsplatz anbieten. In München und Umgebung werden auf der Website über 50 Hotels zur Auswahl angezeigt.

Hotel schließen

Aber nicht für jedes Hotel kommt eine dieser kreativen Lösungen infrage. "Viele Hotels machen zu, weil es sich nicht mehr lohnt", sagt Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Hotelbranche allgemein sei im Moment "komplett am Boden", so der Pressesprecher. Der Verband gehe von einer großen Pleitenwelle im ersten oder zweiten Quartal 2021 aus. Denn gestundete Beiträge und Kredite müssten irgendwann abbezahlt werden.

Betrachtet man die aktuellen Zahlen zum Tourismus in Bayern, wird das Ausmaß der Verluste in diesem Corona-Jahr deutlich. Im Zeitraum von Januar bis August 2020 gab es in Bayern knapp 40 Prozent weniger Übernachtungen als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. In München ist die Anzahl der Übernachtungen noch stärker zurückgegangen: Um mehr als 55 Prozent. Der aktuelle Teil-Lockdown ist da noch nicht mit einberechnet. Die Zahlen gehen aus einer Erhebung des Bayerischen Landesamt für Statistik hervor. Die Anzahl der Übernachtungen bezieht sich auf Beherbergungsbetriebe und Campingplätze mit mindestens zehn Betten oder Stellplätzen.

Dass die Übernachtungen in München stärker zurückgegangen sind als im bayernweiten Durchschnitt liege vor allem daran, dass viele Events und Kongresse ausgefallen seien, erklärt Frank-Ulrich John, Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Außerdem hätten viele Menschen lieber Urlaub in der Natur als in der Großstadt gemacht, so John.

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