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Was viele zu Beginn der Corona-Krise hofften, hat sich nicht bestätigt. Von sinkenden Mieten ist zumindest in Ballungsräumen nichts zu sehen. Für viele Mieter, die Einbußen bei ihren Einnahmen haben, ist das existenzgefährdend.

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Corona treibt viele Wohnungsmieter in Existenznot

Was viele zu Beginn der Corona-Krise hofften, hat sich nicht bestätigt. Von sinkenden Mieten ist zumindest in Ballungsräumen nichts zu sehen. Für viele Mieter, die Einbußen bei ihren Einnahmen haben, ist das existenzgefährdend.

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Von
  • Moritz M. Steinbacher

Tilman Schaich ist von Beruf Industriedesigner - eigentlich, denn mit Beginn der Corona-Krise wurde der Münchner arbeitslos.

"Also mir wurde quasi im März 2020 gleich mein Job gekündigt. Das heißt mit Anfang Mai war ich offiziell arbeitslos. Und ich wusste erstmal nicht, wie viel Arbeitslosengeld ich bekommen werde." Tilman Schaich

Er entschied sich, das Mietenmoratorium in Anspruch zu nehmen und zahlte für Mai und Juni keine Miete. Mit dem Mietenmoratorium waren Mieterinnen und Mieter in Deutschland vor einer Kündigung geschützt, wenn sie wegen der Corona-Pandemie ihre Miete vorübergehend nicht mehr zahlen konnten. Allerdings galt dieses Moratorium nur zwischen April und Juni 2020 und war bisher die einzige Rettungsmaßnahme für Mieter.

Viele Mieter schweigen aus Scham

Tilman Schaich, der sich mit seiner Initiative "ausspekuliert" für Mieterschutz engagiert, findet das problematisch. Laut Schaich gibt es viele Mieter, die derzeit finanzielle Probleme haben und bangen: "Die meisten Leute möchten eigentlich nicht drüber sprechen, weil das immer noch eine Scham-Geschichte ist. Oder überhaupt sich selbst einzugestehen, dass man es sich nicht mehr leisten kann. Ich habe das Gefühl, dass immer mehr Menschen merken, wie wichtig bezahlbarer Wohnraum ist. Weil es ganz schnell sein kann, dass du in eine Situation kommst, wo du dir eine teure Miete nicht mehr leisten kannst. Dann bist du eigentlich draußen aus unserem System."

Anträge auf Sozialwohnungen steigen

In München sind im vergangenen Jahr die Anträge auf eine Sozialwohnung coronabedingt um 13 Prozent gestiegen. Die Wartezeit kann bis zu zwei Jahre betragen. Auch beim Mieterbund bemerkt man, dass sich immer mehr Menschen schwer tun, ihre Miete zu zahlen und nach einer Stundungsmöglichkeit fragen, sagt Volker Rastätter vom Mieterverein München. "Denen mussten wir sagen, das funktioniert jetzt nicht mehr. Die Stundungsmöglichkeit gab es nur im Sommer 2020. Die Mieten sind bei uns extrem hoch, sodass viele am Limit sind, wenn das Einkommen ganz oder teilweise wegfällt."

Keine Mehrheit für Verlängerung des Mietmoratoriums

Auf BR-Anfrage erklärt das zuständige Bundesjustizministerium, dass man versucht habe, das Mietenmoratorium zu verlängern. Es hätte sich aber dafür keine Mehrheit in der Bundesregierung gefunden, heißt es aus dem Ministerium. Allerdings hatte das Mietenmoratorium aus dem ersten Lockdown auch einen Pferdefuß: Denn die gestundeten Mieten müssen bis Ende Juni 2022 zurückgezahlt werden, zuzüglich Zinsen.

Der Mieterbund hat die Forderung gestellt, dass ein Fonds eingerichtet wird, in den die Bundesregierung einzahlen solle. Mit den Einlagen sollten dann Mietschulden von Menschen, die selbst nicht in der Lage sind diese zu zahlen, beglichen werden.

"Dass die Mieter es erst zurückzahlen müssen, sobald sie es können. Wenn sie es innerhalb von fünf Jahren nicht zurückzahlen können, soll ihnen der Rest erlassen werden." Volker Rastätter, Mieterbund

Konkret fordert der Mieterbund von der Bundesregierung einen Rettungsfonds. Eine BR-Anfrage dazu blieb bislang unbeantwortet.

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