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Corona-Tests: Versorgungslage in Laboren noch immer angespannt | BR24

© Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Versorgungslage mit für Corona-Tests wichtigen Utensilien ist in niedergelassenen Laboren derzeit wenig gesichert.

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    Corona-Tests: Versorgungslage in Laboren noch immer angespannt

    Immer mehr Menschen werden auf Corona getestet – die Labore arbeiten unter Hochdruck. Die Versorgungslage mit für die Tests wichtigen Utensilien ist in niedergelassenen Laboren aber alles andere als gesichert.

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    Noch Anfang März waren in einem Passauer Labor nur bis zu 70 Covid-19-Tests je Tag mit der PCR-Methode durchzuführen. Drei Wochen später sind es um die 1.000 Tests – jeden Tag. Mittlerweile seien acht bis zehn Prozent der Tests positiv, sagt Bernhard Wiegel, Facharzt für Mikrobiologie und Labormedizin im MVZ-Labor Passau, einem nicht-staatlichen, niedergelassenen Labor.

    Das Passauer Labor arbeitet am Kapazitätslimit, auch personell. Wochentags im Zweischichtsystem, aber auch am Samstag und am Sonntag wird inzwischen gearbeitet: "Immer mehr stellt sich die Frage nach Erholungsphasen für unser Personal." Entspannung sei diesbezüglich aber noch lange nicht in Sicht. Auch ein Münchner Labormediziner berichtete am Dienstag von ähnlichen Problemen.

    Coronatest-Labore: Nachschub einfachster Utensilien ungesichert

    Der Nachschub mit für die PCR-Tests wichtigen Chemikalien und Utensilien ist weiterhin ungesichert, klagt Wiegel: "Wir arbeiten weiterhin auf Tagessicht, für nur wenige Tage haben wir noch alle Reagenzien, für die nächste Woche ist das noch nicht gesichert." Dabei handele es sich um so einfache Dinge wie Reaktionsröhrchen für die PCR, ein Artikel, der im Cent-Bereich liege oder Grundreagenzien für die PCR. Die Nachschub-Situation unterscheide sich je nach Logistik, jeder Zulieferer habe andere Baustellen.

    Im Worst-Case bleiben Proben liegen

    Bei den Produzenten müsse man als kleines Labor schon "intensiv nachhaken", um gehört zu werden, sagt Wiegel. Geht dem Labor auch nur eines der Schlüssel-Reagenzien aus, dann könne es passieren, dass Proben erstmal liegen bleiben würden. Bislang war dies allerdings nicht der Fall. Insgesamt könne nicht mehr die Bearbeitung aller Proben, insbesondere der Proben ohne valide klinische Angaben, gesichert werden, da die Probenmaterialien über die Zeit auch nur begrenzt haltbar seien. Immerhin, bei der Versorgung mit Schutzkleidung und Desinfektionsmittel gebe es eine leichte Entspannung für das Labor in Passau: "Die Fertigungsumstellungen in der Industrie machen sich bemerkbar."

    Pharma-Unternehmen Roche: Schwierige Versorgungslage

    Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise bei den Pharma-Produzenten? Nachgefragt bei der Roche Group, die Schweizer sind eines der größten Pharmaunternehmen der Welt und beliefern auch das Labor in Passau. "In der aktuellen Situation verzeichnen wir weltweit eine sehr hohe und steigende Nachfrage nach Tests, Reagenzien, Verbrauchsmaterialien und Instrumenten", heißt es aus der Zentrale in Basel. Vereinzelt könne es deshalb derzeit bei der Versorgungssituation zu Schwierigkeiten kommen. "Damit die Tests dort verfügbar sind, wo sie den größten Nutzen für die Patienten und die Gesellschaft liefern, konzentrieren wir uns bei der Zuteilung auf Labore, die über die entsprechende Infrastruktur (bereits vorhandene Systeme, geschultes Personal, Kapazitäten für ein hohes Probenvolumen, etc.) verfügen", heißt es weiter.

    Lieferengpässe in staatlichen Laboren "noch gut beherrschbar"

    Darüber hinaus stoße man in Deutschland aktiv die enge Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden auf Bundes- und Landesebene an, um die Versorgung entsprechend medizinischer und epidemiologischer Notwendigkeiten gemeinsam sicherzustellen.

    In der Tat scheint die Versorgungslage bei den dem Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) angedockten Laboren besser zu sein. Dort seien Lieferengpässe aktuell noch gut beherrschbar, auch weil man die Testmethoden verändert habe, wie das LGL auf BR-Nachfrage bestätigte.

    Debatte über Strategie bei Covid-19-Tests

    Was die Test-Strategie angeht, unterstützt Laborarzt Wiegel den Vorstoß des Bayerischen Hausärzteverbands. Der hatte am Montag in einem Offenen Brief gefordert, nur noch klinisch schwer Erkrankte und Risikopatienten, sowie medizinisches und Pflegepersonal auf Covid-19 zu testen. Auch, um die Ressourcen in den Laboren zu schonen. Beim Pharmaunternehmen Roche ist man ähnlicher Meinung: "Um die Versorgung sicherzustellen, empfiehlt Roche daher dringend, die COVID-19-Tests auf Patienten mit Anzeichen und Symptomen der Krankheit zu konzentrieren und nicht auf breit angelegte Tests an der gesunden Bevölkerung."

    Noch immer Teststau – aber die Situation ändert sich

    Noch immer gibt es in Laboren Teststaus. Allerdings hätten sich die Situation durch bessere Abstimmung mit Hausärzten und Fahrdiensten etwas entschärft, meint Wiegel. "Mittlerweile schiebt sich die Auftragslage vom ambulanten Bereich hin zum stationären Bereich, da immer mehr Patienten in Krankenhäusern getestet werden", sagt Wiegel. Das MVZ-Labor bekomme mittlerweile immer mehr Proben aus Kliniken, zum Beispiel aus Freyung-Grafenau oder Mühldorf. Ein Vorteil dabei sei eine verbesserte Identikationsstellung, weil die Tests hier zielgerichteter seien.