BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Tests: Labore in Bayern vor dem Kollaps | BR24

© BR

Die großzügige "Teststrategie der bayerischen Staatsregierung" wird zum Problem für Labore. Sie stehen offenbar kurz vor dem Kollaps. Die Mitarbeiter sind überlastet, die Geräte am Anschlag. Ist die Corona-Testung so noch leistbar?

159
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Corona-Tests: Labore in Bayern vor dem Kollaps

Die großzügige "Teststrategie der bayerischen Staatsregierung" wird zum Problem für Labore. Sie stehen offenbar kurz vor dem Kollaps. Die Mitarbeiter sind überlastet, die Geräte am Anschlag. Ist die Corona-Testung so noch leistbar?

159
Per Mail sharen
Von
  • Katrin Bohlmann

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vieler Corona-Testlabore in Bayern können nicht mehr. Sie sind erschöpft, gefrustet, am Ende. Seit Monaten macht das medizinische Personal Überstunden. Das haben mehrere Labore dem BR bestätigt. Sie arbeiten Tag und Nacht, jeden Samstag, jeden Sonntag. Die Mitarbeiter werden krank. Aber auch die Maschinen fallen immer öfter wegen Überlastung aus, sie müssen repariert werden. Dazu kommt, dass die Materialien und Instrumente für die Testungen knapp werden. Zu brutal ist der weltweite Wettbewerb, teilt der bundesweite Verband der akkreditierten Labore in der Medizin – kurz ALM – mit.

"Großzügige bayerische Teststrategie nicht mehr leistbar"

Die Lage ist ernst und dramatisch in den deutschen, aber auch bayerischen Testlaboren. Rund 1,5 Millionen Tests werden wöchentlich in Deutschland durchgeführt. "So darf es nicht weitergehen", kritisiert der Laborverband ALM mit Sitz in Berlin. In der Interessensvertretung sind mehr als 200 medizinische Labore aus ganz Deutschland. Mit Blick auf die bayerische liberale Teststrategie warnt Evangelos Kotsopoulos vom Verbandsvorstand: "Die bayerische großzügige und liberale Teststrategie haben wir uns über viele Wochen und Monate leisten können, als Testkapazitäten noch vorhanden waren, jetzt nicht mehr".

Testungen drohen zusammenzubrechen

Auch der Passauer Laborarzt und Virologe Bernhard Wiegel sagt: "Wir haben in Bayern seit ungefähr vier bis sechs Wochen eine dramatische Situation. Es führt dazu, dass wir uns außerbayerische Labore in hoher Anzahl haben erschließen müssen, an die wir die Proben weiterleiten mussten, weil wir in Bayern schon seit längerem keine ausreichenden Kapazitäten mehr haben."

Ähnlich praktizieren andere bayerische Labore. So leitet das Limbach-Labor in Schweinfurt Tests nach Karlsruhe weiter. Es hat dafür extra einen Wochenend-Fahrdienst eingeführt. Die Labore kommen einfach nicht mehr hinterher. "Söder macht die Analytik platt mit unspezifischer Testung", kritisiert ein Schweinfurter Laborarzt.

Staatssekretär verteidigt Söders Massenteststrategie

Wenn die Massentestungen so weitergehen, droht ein Zusammenbruch der Versorgung, warnen Laborchefs. Das bayerische Gesundheitsministerium bleibt aber dabei: Alle, die verunsichert sind, sollen sich auf Corona testen lassen können. Staatssekretär Klaus Holetschek ist in einem regelmäßigen Austausch mit den Laboren im Freistaat. "Wir haben in Bayern ein gutes Testangebot", sagt Holetschek. "Wir werden die Teststrategie anpassen, weil sich die Verhältnisse auch immer wieder ändern. Aber es ist nicht notwendig, einen Paradigmenwechsel einzuleiten. Man muss die Dinge beobachten, muss sie fortentwickeln. Letztendlich geht es um die Gesundheit der Menschen in unserem Land."

Der Labor-Verband ALM und bayerische Labore fordern, die Teststrategie zu schärfen, damit vor allem die getestet werden, die es aus medizinischen Gründen auch wirklich brauchen. Staatssekretär Klaus Holetschek kündigte an, dass die lang erwarteten Schnelltests bald eingeführt werden. Sie werden zur Zeit an die Kreisverwaltungsbehörden ausgeliefert. Dann sollen sie in die bayerische Teststrategie eingebaut werden und die Labore entlasten.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!