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Corona-Tests: Labore am Limit | BR24

© dpa-Bildfunk

Eine Labor-Mitarbeiterin schaut auf einen Corona-Test (Symbolbild)

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    Corona-Tests: Labore am Limit

    Meldungen über lange Wartezeiten bei Corona-Tests häufen sich zuletzt. Recherchen des Bayerischen Rundfunks zeigen: Derzeit sind die Labore mit den Mengen eingereichter Proben überlastet. Die Folge ist in manchen Laboren ein Test-Stau.

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    Laut aktuellen Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wurden zwischen dem 9. und 15. März in Deutschland ungefähr 100.000 Menschen im ambulanten Bereich getestet. In der Woche zuvor waren es circa 35.000. In der Zahl nicht enthalten sind Menschen, die in Kliniken getestet wurden Dazu liegen laut einem Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) derzeit keine Zahlen vor. Der Grund seien andere Abrechnungsmodalitäten.

    Die Übersichtskarte zu den aktuellen Coronavirusfällen in Bayern finden Sie hier.

    Über 100.000 Menschen in der vergangenen Woche getestet

    In Bayern können nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit (LGL) mittlerweile pro Tag mehrere tausend Proben ausgewertet werden. Deutschlandweit gibt es laut einem Sprecher des Bundesverbands der deutschen Laborärzte (BDL) ungefähr 350 ambulante Labore und circa 1.400 Labore in Kliniken. Davon könnten insgesamt 200 bis 300 Labore eine Testung auf SARS-CoV-2 durchführen. Mittlerweile könne man täglich zwischen 20.000 und 30.000 Tests durchführen.

    Da die Labore derzeit an der Leistungsgrenze arbeiten, gestalten sich einzelne Abfragen, zum Beispiel nach Kapazitäten und durchgeführten Tests, schwierig, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) und der BDL unabhängig voneinander mitteilen. Deshalb seien bislang auch keine exakten Zahlen bekannt, wie viele Tests die Labore aktuell durchführen. Laut BDL-Sprecher dürfe man nicht vergessen, dass auch der "normale" Betrieb in Laboren während der Corona-Krise weiterginge und besonders in Krankenhäusern Labor-Untersuchungen bei verschiedenen akuten Erkrankungen notwendig seien, zum Beispiel auch bei grippalen Infekten. In Sachen Meldepflicht von Corona-Tests haben die Behörden nun reagiert.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Bayern weitet Meldepflicht für Labore aus

    Um genauere Daten über durchgeführte Tests zu bekommen, hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege am Dienstag im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) die Meldepflicht für Labore ausgeweitet. Laborbetreiber in Bayern sind fortan verpflichtet, die Anzahl der untersuchten Abstriche und Proben sowie die Anzahl der positiven und negativen Befunde täglich an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zu melden. Bei der ersten Meldung muss zudem die Zahl der seit Jahresbeginn getesteten Menschen übermittelt werden. Da nur die reinen Zahlen - ohne Bezug zu personenbezogenen Daten - zu melden seien, bedürfe es für die Meldung keiner weitergehenden datenschutzrechtlichen Befugnisse. Die Verfügung tritt am heutigen Mittwoch in Kraft.

    Bislang keine deutschlandweite Meldepflicht

    Deutschlandweit gibt es eine solche Pflicht nicht: Eine zentrale Meldestelle, bei der Labore kontinuierlich ihre meist Corona-negativen Ergebnisse melden müssten, könne die Labore in der derzeitigen Lage überfordern, heißt es aus dem RKI. Natürlich seien positive Befunde an die Gesundheitsämter meldepflichtig, alle Tests weiterleiten zu müssen, sei eine bürokratische Hürde für die Labore, die man gut abwägen müsse.

    Probleme beim Ausbau der Test-Kapazitäten

    Der Ausbau der Laborkapazitäten gestaltet sich indes mancherorts schwierig. Dr. Bernhard Wiegel ist Facharzt für Mikrobiologie und Labormedizin und wertet in einem privaten Labor in Passau Corona-Proben aus. In seinem Labor gibt es derzeit einen großen Teststau. Der Grund: Zu viele Tests und zu geringe Kapazitäten. Zwar arbeite man an einem Ausbau, allerdings könnten die dafür notwendigen Instrumente und Geräte frühestens im Sommer geliefert werden. Wiegel warnt auch vor Materialengpässen: "In den nächsten Tagen werden uns Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und Atemschutzmasken ausgehen. Das gefährdet den Analyseprozess hochgradig", sagt Wiegel im Gespräch mit dem BR. Auch die Versorgung mit Testreagenzien sei mittelfristig nicht gesichert.

    Die neue Meldepflicht für durchgeführte Tests sieht er hingegen positiv. Damit werde mehr Transparenz geschaffen, und der Aufwand der Ermittlung einer reinen Anzahl von Tests halte sich für sein Labor in Grenzen.

    Zu viele unnötige Tests stellen die Labore vor Probleme

    Proben von kritischen Patienten aus der Intensivmedizin werden in Wiegels Labor priorisiert ausgewertet. Proben von Personen, bei denen die Datenlage unklar oder der Gesundheitszustand nicht kritisch sei, würden nachrangig behandelt. Den Teststau in seinem Labor gebe es auch, weil zu viele Proben von Patienten eintreffen würden, die unnötigerweise getestet worden seien oder bei denen die Voraussetzungen für einen Test auf Corona nicht erfüllt gewesen seien, oder weil der Patient noch nicht genug Viren im Rachen ausgebildet habe. Was die Notwendigkeit sich testen zu lassen angeht – wer sich also testen lassen sollte und wer nicht – wünscht sich Wiegel weitere Aufklärung durch öffentliche Behörden.

    Schwierige Datenlage bei der Übermittlung von Corona-Proben

    Auch die Datenlage der Proben sei oftmals problematisch. Manchmal seien, abgesehen von der Identifikation des Patienten, keine weiteren Informationen über dessen Krankheitssymptome aufgeführt. Manchmal würden handschriftliche Notizen eintreffen, die nur schwer zu entziffern seien – im ärztlichen Notdienst oder in Drive-In-Situationen ginge das oftmals aber nicht anders, sagt Wiegel. Keine guten Voraussetzungen für eine schnelle Abarbeitung der Tests: "Die Massendatenflut ist für uns Labore derzeit kaum zu bewältigen." Wiegel fordert einfachere Varianten der Datenübertragung, beispielsweise über Apps, bei denen nur noch QR-Codes eingelesen werden müssten. Solche Verbesserungen könnten auch während des Hochbetriebs in den Laboren implementiert werden.

    Der eigentliche Test dauert nur vier bis sechs Stunden

    Die derzeit in den Laboren angewendete Variante auf Corona zu testen, ist die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Ein Standardverfahren der Labordiagnostik, das auch für Erbkrankheiten oder Vaterschaftstest angewandt wird. Hierbei werden DNA-Stücke kopiert und vervielfacht, um nach speziellen DNA-Stücken, zum Beispiel des Coronavirus zu suchen. Das Verfahren zeigt auch an, wie viele Erreger im Körper sind. Im Labor dauert ein Test zwischen vier und sechs Stunden.

    Transportwege verlängern Wartezeit auf Test-Ergebnis

    Dass es trotzdem zu langen Wartezeiten auf Testergebnisse kommt, wundert Wiegel nicht. Liegt ein Wochenende dazwischen, dann könnten auch schon mal drei Tage vergehen, ehe eine Probe im Labor eintreffen würde, erklärt der Facharzt für Mikrobiologie und Labormedizin. Wird die Probe dann aufgrund der oben beschriebenen Umstände nicht priorisiert behandelt, dann liegt sie eben vielleicht auch mal länger, ehe der Test durchgeführt werde. Dann erfolge noch der Rücktransport und die Informationskette über Ärzte, die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) und Patienten. Auch das dauere manchmal länger, weil nicht jeder sofort erreicht werden könne. Laut Wiegel sei langes Warten in den meisten Fällen ein gutes Zeichen hinsichtlich des Testergebnisses: "No news is good news." Positive Corona-Befunde müssten schnell, innerhalb von 24 Stunden, bei den Gesundheitsämtern gemeldet werden.