BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Tests in Bayern bald für jedermann | BR24

© BR

In Bayern soll sich künftig jeder kostenfrei und auch ohne Symptome auf das Coronavirus testen lassen können. Die Tests sollen nach Angaben von Gesundheitsministerin Huml massiv ausgeweitet werden. Die Kosten übernimmt der Freistaat.

59
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Corona-Tests in Bayern bald für jedermann

In Bayern soll sich künftig jeder kostenfrei und auch ohne Symptome auf das Coronavirus testen lassen können. Die Tests sollen nach Angaben von Gesundheitsministerin Huml massiv ausgeweitet werden. Die Kosten übernimmt der Freistaat.

59
Per Mail sharen

In Bayern sollen sich in Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger freiwillig und kostenlos auf das neuartige Coronavirus testen lassen können. Das kündigte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) an. "Ein Eckpunkt unseres bayerischen Testkonzepts ist, dass alle Personen, die auf eine Infektion auf SARS-CoV-2 getestet werden wollen, Gewissheit darüber erhalten sollen, ob sie sich infiziert haben", sagte Huml. Am Mittwoch will sie das Testkonzept für Bayern vorstellen.

Demnächst soll sich dann jeder, der möchte, einem Corona-Test unterziehen können: Auch wenn die betreffende Person keinerlei Symptome zeigt, nicht in einem kritischen Bereich arbeitet und keine Anordnung eines Arztes oder der Gesundheitsbehörden vorliegt. Dann springt erst einmal die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) bei den Kosten ein und rechnet dann vierteljährlich mit dem Freistaat ab. Darauf hatten sich die KVB und der Freistaat am vergangenen Dienstag geeinigt.

Freistaat übernimmt Kosten für Corona-Tests

Die Tests sollen laut Huml bei bestimmten Vertragsärzten durchgeführt werden. Die Kosten - sowohl für den Abstrich, als auch für die Laboruntersuchung - soll der Freistaat übernehmen. Außer es besteht ein Anspruch auf anderweitige Erstattung, etwa durch eine Krankenkasse.

Die Kosten werden aus dem "Sonderfonds Corona-Pandemie" getragen. Diesen hatte der Freistaat erst im April von zehn auf 20 Milliarden Euro verdoppelt - im Rahmen des 2. Nachtragshaushalts. Allein die Laborkosten liegen pro Test bei rund 50 Euro, dazu kommen der Abstrich beim Arzt und der Transport. Selbstzahler mussten bisher pro Test zwischen 150 und 300 Euro hinlegen, ganz so teuer dürfte der einzelne Test den Staat aber nicht kommen.

Besonderer Fokus auf fleischverarbeitende Betriebe

Nach den Vorfällen bei dem Fleischverarbeiter Tönnies soll auch in Bayern ein Schwerpunkt der Tests bei Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben liegen. Ziel sei es, "größeren Ausbruchsgeschehen wie in Gütersloh vorzubeugen".

Getestet würden in Kürze insgesamt 33 weitere ausgewählte Fleischbetriebe. Darunter neun Schlachthöfe, zwölf Zerlegebetriebe sowie zwölf Betriebe, die vor allem Fleischerzeugnisse und Wurstwaren herstellen. "Dabei wollen wir auch herausfinden, ob die hohe körperliche Belastung oder die Arbeit bei ungünstigen Klimabedingungen mögliche weitere Risikofaktoren für eine Corona-Infektion darstellen", so Huml.

Bei den ersten umfassenden Corona-Reihentestungen der Mitarbeiter an 51 Schlachthöfen in Bayern waren laut Staatsregierung insgesamt 110 infizierte Personen ermittelt worden. Insgesamt wurden 6.407 Menschen untersucht. Darunter waren 100 positiv getestete Mitarbeiter eines Schlachthofs aus dem niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen, in dem es im Mai einen Corona-Ausbruch gegeben hatte.

Huml betonte: "Die Ergebnisse zeigen, dass die Reihentestungen ein richtiger Schritt waren." So sei es möglich gewesen, unerkannte erkrankte Personen zu entdecken und die Entstehung von Infektionsketten zu verhindern. Huml: "Aufgrund der Testergebnisse bestand keine fachliche Notwendigkeit für einen erneuten 'Lockdown' für die Allgemeinbevölkerung in einer der betroffenen Regionen."

Spahn und Lauterbach reagieren zurückhaltend auf bayerischen Vorstoß

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angesichts der bayerischen Offensive vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Zwar ist auch Spahn für die Ausweitung von Corona-Tests in Deutschland. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gab er aber zu bedenken, ein Test sei "immer nur eine Momentaufnahme. Er darf nicht in falscher Sicherheit wiegen."

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert unterdessen eine zielgenaue Strategie bei der Ausweitung der Tests. Es sei grundsätzlich richtig, dass Bayern eine große Test-Offensive starte, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden." Im Herbst seien Massentests nötig. "Neue Studien deuten daraufhin, dass es stärker auf die Häufigkeit der Tests ankommt, in welchen Abständen ich Risikopersonen regelmäßig teste."

Bundesweite Test-Offensive in sensiblen Bereichen

Im Kampf gegen das Virus sind inzwischen in ganz Deutschland Tests auch ohne akute Krankheitsanzeichen auf breiter Front möglich - besonders in sensiblen Bereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor knapp drei Wochen eine Verordnung verkündet, die eine Reihe zusätzlicher Testmöglichkeiten auf Kassenkosten festlegt. Bis dahin gab es Tests auf Kassenkosten in der Regel nur bei Infektionsverdacht - also wenn man bereits an Symptomen wie Fieber, Husten, Halsschmerzen oder Geruchs- und Geschmacksstörungen litt.

Bayern ist das erste Bundesland, das künftig Tests für jedermann vorsieht. Ein besonderer Fokus soll laut Gesundheitsministerium auf stark gefährdete Personengruppen in Pflege- und Altenheimen, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in der ambulanten Eingliederungshilfe und in Krankenhäusern liegen. Gleiches gelte für Tests bei Lehrkräften, Erziehern und Betreuungsrichtern.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!