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Seit einer Woche müssen Schülerinnen und Schüler in Bayern einen Corona-Selbststest machen.

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    Corona-Tests an Schulen bleiben weiterhin schwierig

    Seit einer Woche testen sich Bayerns Schüler auf Corona: mit großem Aufwand und nicht immer ohne Probleme. Die Herausforderungen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Verwaltung bleiben groß.

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    Von
    • Michael Reiner
    • Jeanne Rubner

    Rund 53.000 Selbsttests hätten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte in der vergangenen Woche an den Schulen in Nürnberg durchgeführt, rechnet Schulreferentin Cornelia Trinkl (CSU) vor. 500.000 Tests hat sie vor Ostern bestellt, weitere sollen kommen. Ihre Bilanz: "Es läuft ganz gut." Allerdings steckt der Teufel, wie so häufig, im Detail.

    Medizinisches Hilfspersonal im Einsatz

    Ohne die Hilfe und Unterstützung von externem Personal von Hilfsorganisationen und Apotheken wäre es nicht möglich, wären die Nürnberger Schulen überfordert, die Tests zu organisieren, sagt Sandra Schäfer, Vorsitzende des Nürnberger Lehrerinnen und Lehrervereins. Auch in dieser Woche stelle die Stadt Nürnberg den Einsatz dieser medizinischen Helfer sicher, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

    Kritik von der Gewerkschaft

    Allerdings seien diese Helfer zwar versprochen, doch noch lange nicht an allen Schulen im Einsatz, berichtet Martina Borgendale, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die an einer Realschule in Nürnberg arbeitet. "Aber wir müssen das alles immer noch alleine und ohne zusätzliche Hilfe über die Bühne bringen."

    Hoher Zeitaufwand für die Tests

    Zudem sei der Zeitaufwand für die Selbsttests hoch. "Es dauert schon mal 45 Minuten, bis alle Schülerinnen und Schüler einer vierten Klasse den Test gemacht haben", sagt die Gewerkschafterin. Derzeit seien ja wenige Klassen im Präenzunterricht. "Da stellt sich schon die Frage, wie das alles gut und hygienisch einwandfrei organisiert werden soll, wenn wieder mehr Klassen in der Schule sind."

    Abläufe werden sukzessive geprobt

    Diese Herausforderung sieht auch Schulreferentin Trinkl. Jedoch sei es immer noch besser, Zeit in Tests zu investieren, als die Kinder zuhause zu lassen. Jetzt könnten die Abläufe für die nächsten Wochen geprobt werden, wenn wieder mehr Kinder zum Präsenzunterricht gehen können. Zudem habe sie am Freitag alle Schulen abfragen lassen. Dabei sei festgestellt worden, dass nur bei wenigen medizinische Helfer fehlten.

    Schlechte Stimmung im Lehrerzimmern

    Sandra Schäfer vom Nürnberger Lehrerinnen und Lehrervereins weiß, dass die Stimmung in den Lehrerzimmern nicht immer gut ist: "Da sind dann Kolleginnen und Kollegen, die nicht geimpft sind, in einem Raum mit Lehrkräften, die die Selbsttests der Kinder überwachen. Da ist die Unsicherheit groß." Wie reibungslos die Tests ablaufen, hänge auch davon ab, in welchem Stadtviertel sich die Schule befinde, sagt Schäfer.

    Zehntklässlern macht das Testen Spaß

    Für Sef Ashref beginnen in den nächsten Tagen Prüfungen. Er ist der Schülersprecher der Nürnberger Realschulen und geht in der Adam-Kraft-Realschule in die zehnte Klasse. Das ist die Abschlussklasse, deshalb heißt es für ihn Präsenzunterricht. "Bei uns in der Klasse klappen die Selbsttests ganz gut. Da gibt es immer was zu lachen!" Im ersten Lockdown hätten viele Schülerinnen und Schüler Unterrichtsstoff verpasst, sagt Sef Ashref. Deshalb sei es gut, dass jetzt mit den Selbsttests der Unterricht wieder etwas normaler laufe.

    Minister: Chance für Schulfamilie

    Nach einer Woche mit Testpflicht sei es für eine vollumfängliche Bilanz noch zu früh, teilt das Bayerische Kultusministerium auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks mit. Jedoch habe das Testkonzept an den Schulen bislang gut funktioniert, so ein Sprecher des Ministeriums. Viele positive Rückmeldung habe es zum Beispiel auf die Erklärvideos, unter anderem mit der Augsburger Puppenkiste, gegeben. Minister Michael Piazolo (Freie Wähler): "Selbsttests sind eine große Chance für die gesamte Schulfamilie: Sie sorgen für mehr Sicherheit und eröffnen die Perspektive für mehr Präsenzunterricht."

    Was passiert mit Testergebnissen?

    Allerdings: Bei wie vielen Kindern und Jugendlichen der Selbsttest angeschlagen hat, ist unklar. Was passiert mit den Ergebnissen? Sollte ein Kind ein positives Ergebnis bekommen, werden die Eltern informiert, sagt Referentin Trinkl. Das Kind muss dann einen vom Gesundheitsamt angeordneten PCR-Test machen. Sollte dieser positiv sein, informiere das Gesundheitsamt auch die Schule, so Trinkl. "Derzeit haben wir an den Schulen in Nürnberg jedoch keinen Ausbruchsherd", versichert sie.

    Fehlende Auswertung stößt auf Unverständnis

    Eine Erhebung der Zahlen werde es weiterhin nicht geben, teilte die oberste Schulbehörde dem BR am Montagnachmittag auf Anfrage mit. Eine Haltung, die viele Nutzerinnen und Nutzer auf BR24 nicht nachvollziehen können.

    Wenn nur des Testens wegen getestet werde, aber keine Auswertungen gemacht würden, dann sollte man sich das Ganze wirklich sparen, heißt es in einem Kommentar. Schon mit einer einfachen Strichliste könnte festgehalten werden, wie viele Tests negativ und wie viele positiv gewesen seien, der Aufwand halte sich also in Grenzen, schreibt ein anderer Nutzer. Und: Die Serien-Testungen an den Schulen nicht wissenschaftlich zu begleiten, wäre nachlässig und eine vergebene Chance im Kampf gegen die Pandemie, heißt es in einem weiteren Kommentar.

    Positive PCR-Tests werden durchaus von den Schulen gemeldet

    Ganz ahnungslos ist das Kultusministerium allerdings nicht, was positive Corona-Fälle unter Schülern und Lehrern betrifft. Am Münchner Salvatorplatz weiß man zumindest teilweise, wie viele sich infiziert haben. Wer einen positiven PCR-Test hat, darf nämlich nicht ins Klassenzimmer und wird vom Präsenzunterricht befreit. Und diese Zahl wird von den Schulen gemeldet.

    Laut Kultusministerium betraf das zuletzt etwa 0,2 Prozent der Schüler und ebenfalls 0,2 Prozent der Lehrkräfte. Erfasst werden allerdings nur die öffentlichen Schulen, von den privaten Einrichtungen gibt es keine Zahlen. Bekannt werden naturgemäß auch nur die positiven Testergebnisse von Schülerinnen und Schülern im Präsenzunterricht – das sind derzeit insgesamt nur etwa 30 Prozent.

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