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Jeder soll einen Corona-Test machen können - gratis, so das Versprechen der Politik. Testen dürfen nur niedergelassene Ärzte. Die machen das auch, zeigen sich aber von ungeklärten Verwaltungsfragen zunehmend gestresst.

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Corona-Tests: Ärzte-Frust wegen zu viel Bürokratie

Jeder soll einen Corona-Test machen können - gratis, so das Versprechen der Politik. Testen dürfen nur niedergelassene Ärzte. Die machen das auch, zeigen sich aber von ungeklärten Verwaltungsfragen zunehmend gestresst.

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Die Abrechnung der Corona-Tests ist für niedergelassene Ärzte zunehmend schwierig. Wenn das Testergebnis positiv ist, zahlt die Krankenkasse. Wenn der Test negativ ist, übernimmt der Staat die Kosten, allerdings nicht aus immer demselben Topf, sondern aus verschiedenen Quellen.

Wenn nun erst die vielen Reiserückkehrer noch dazu kommen, könnten viele Arztpraxen die Corona-Tests nicht mehr bewältigen, so die Befürchtung niedergelassener Ärzte.

Bis zu 120 Tests am Tag in der Praxis

Bis zu 120 Menschen kommen jeden Tag in die Bereitschaftspraxis im Münchner Süden, in der auch Facharzt Wolfgang Ritter arbeitet, und werden auf Corona getestet. Geöffnet ist die Praxis mit Sprechstunden täglich zwölf Stunden lang. Die Abrechnung der Tests ist alles andere als einfach: Je nachdem, ob die Patienten Symtome haben oder sich einfach nur so testen lassen wollen, einen Warnhinweis in der Corona-App haben oder in Risikoberufen arbeiten - die Tests werden jeweils von einer anderen Stelle bezahlt.

Viele verschiedene Abrechnungsvarianten

Wolfgang Ritter, Facharzt für Allgemeinmedizin, beklagt wie viele seiner Kollegen, dass es fünf unterschiedliche Abrechnungsvarianten gibt: "Wenn man am Tag 100 verschiedene Abstriche hat, dann laufen die in fünf verschiedene Kategorien, die müssen dann nach Labor getrennt werden auf verschiedene Abrechnungsscheine, mit verschiedenen Abrechnungsziffern, mit verschiedenen Kostenträgern, und das macht das wahnsinnig kompliziert."

Huml weist Zuständigkeit von sich

Die Tests zahlt mal der Bund, mal der Freistaat Bayern, mal die Krankenkasse. Die Abrechnungen laufen über die Kassenärztliche Vereinigung, die entsprechende Verträge für die Testkapazitäten mit dem Gesundheitsministerium geschlossen hat. Deshalb müsste sich der einzelne Arzt mit seiner Beschwerde an die KVB richten, weist die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml die Zuständigkeit in dieser Sache von sich: Die ganze Abrechnungsangelegenheit sei ein "Binnenverhältnis der Kassenärztlichen Vereinigung mit den Ärzten zusammen". Trotzdem wolle sie "nochmal schauen, ob wir etwas vereinfachen können."

Ärzte wünschen sich mehr Vorlauf

Derzeit kümmert sich eine Arzthelferin in der Bereitschaftspraxis den ganzen Tag nur um die Verwaltung und Abrechnung der Tests. Es fehlen bis jetzt noch die digitale Erfassung und auch ein QR-Code für jeden Test und jeden Patienten.

Unter diesen Umständen könnten die Niedergelassenen Ärzte die vielen Reiserückkehrer in den nächsten Wochen mit Tests in ihren Praxen nicht versorgen, fürchtet Dr. Wolfgang Ritter. Er wünscht sich auch mehr Vorlauf, wenn verwaltungstechnisch ein Vorgang geändert werde, und beklagt: "Immer Freitagnachmittag kriegen wir die Meldung, dass am Montag alles anders ist, das schafft sehr große Frustration bei den Ärzten."

Niedergelassene Ärzte hoffen auf digitale Testformulare

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob die Testzentren soweit aufgestellt sind, dass sie den Großteil der vielen vorgeschriebenen und freiwilligen Tests schaffen. Die Niedergelassenen Ärzte werden nur einen Teil davon bewältigen können. Sie hoffen vor allem, dass die digitalen Testformulare samt QR -Code endlich im Praxisalltag ankommen.

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