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Corona-Testpanne: Wenig Hoffnung auf vollständige Aufklärung | BR24

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Nach der Panne an den bayerischen Corona-Teststationen kennen die Behörden immer noch nicht alle Infizierten. 46 positive Tests können nach wie vor niemandem zugeordnet werden. Und auch die aktuelle Übermittlung läuft anscheinend schleppend.

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Corona-Testpanne: Wenig Hoffnung auf vollständige Aufklärung

Nach der Panne bei der Übermittlung von Corona-Test-Ergebnissen können nach wie vor 46 positive Tests nicht zugeordnet werden. Der bayerische Corona-Koordinator Florian Herrmann geht davon aus, dass nicht alle Fälle aufgeklärt werden können.

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Ursprünglich sollten bis Donnerstagmittag alle, die bis 11. August an bayerischen Teststationen positiv auf Corona getestet worden sind, von ihrem Testergebnis erfahren. Auch am Montagvormittag sind noch immer nicht alle Betroffenen informiert. Und so wird es wohl auch bleiben.

Corona-Beauftragter: Vollständige Aufklärung unwahrscheinlich

"Es wird sicher noch möglich sein, einige zu erreichen", erklärte Kanzleichef und Corona-Beauftragter Florian Herrmann (CSU) auf B5 aktuell. "Ich gehe aber nicht davon aus, dass alle ermittelt werden können." 46 Befunde konnten die bayerischen Behörden bisher nicht eindeutig zuordnen oder die Kontaktdaten zu den Getesteten ermitteln. 59 Personen konnten sie trotz vorhandener Daten nicht erreichen.

Trotzdem verteidigte Herrmann das Vorgehen der Staatsregierung: "Entscheidend ist, wir haben seit dem 25. Juli 127.000 Menschen an den Autobahnen, an den Flughäfen testen können. Bei solchen Massenverfahren kann eben auch mal ein Fehler passieren."

Mittlerweile sei das Verfahren vollständig digitalisiert. "Auch dort werden Fehler nicht vollständig ausgeschlossen und vermieden werden können", sagte Herrmann der Bayern 2-radioWelt. In Zukunft sollten Getestete aber innerhalb von 48 Stunden die Ergebnisse erhalten, verspricht der CSU-Politiker.

Kritik der Opposition: "Planloses Vorpreschen" von Söder

Für die Opposition ist die Sache damit aber noch nicht vom Tisch. SPD-Fraktionschef Horst Arnold etwa meint, erledigt sei mit dieser Meldung "gar nichts. Erst dann, wenn jeder weiß, was Sache ist, ist die Sache erledigt."

Die Grünen mahnen an, dass so etwas nicht mehr passieren dürfe. Und FDP-Fraktionschef Martin Hagen sagt: "Söders planloses Vorpreschen mag seinem Image als entschlossener Macher nützen, in der Sache hat es sich als schädlich erwiesen." Am Mittwoch tagt der Gesundheitsausschuss im Landtag außerplanmäßig. Die FDP fordert, Gesundheitsministerin Huml müsse dort Rede und Antwort stehen.

Sein Grünen-Kollege Ludwig Hartmann mahnte, dass sich das CSU-Testchaos mit deutschlandweiten Auswirkungen nicht wiederholen dürfe.

Rückblick: Chaostage bei Ministerin Huml

Es sind schwierige Tage für die Ministerin, der Druck ist ihr bei öffentlichen Auftritten anzusehen und anzumerken. Am Mittwoch vergangener Woche hatte Huml eingeräumt, dass 44.000 Menschen, die sich haben testen lassen, bislang zum Teil seit Wochen auf ihr Ergebnis warten, darunter über 900 positiv Getestete. Huml kündigte an, dass die Behörden nun schnell alles aufarbeiten wollen. Und sie nannte als Zielvorgabe, dass bis Donnerstagmittag alle positiv Getesteten informiert sein sollen.

Eine Vorgabe, die bekanntlich nicht erreicht wird. Immer wieder wird der Zeitpunkt, an dem alle ermittelt sind, nach hinten geschoben. Den ganzen Freitag und Samstag über, zum Teil stündlich. Dann am Sonntagmittag, mehr als drei Tage später, wird bekannt: Noch immer wissen nicht alle Bescheid.

Söder entschuldigt sich "ganz persönlich"

Am Donnerstag stand bereits ein Rücktritt der Ministerin im Raum. Dann trat Huml doch gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten vor die Kameras und Mikrofone. Der entschuldigte sich im Namen der Staatsregierung, der Ministerin und "ganz persönlich".

Die "Panne", manche sprechen von einem "Debakel", kratzt am Image des Krisenmanagers Markus Söder. Der ließ seine Ministerin allerdings im Amt. Am Donnerstag sagte er, Melanie Huml habe ihm zweimal ihren Rücktritt angeboten.

"Ich habe sie dann gefragt, ob sie sich weiter zutraut, diese Aufgabe zu erfüllen. Ob sie will und ob sie kann. Sie hat in beiden Fällen gesagt ja. Sie will diese Scharte auswetzen. Sie will das auch jetzt schaffen." Markus Söder (CSU), Bayerischer Ministerpräsident

Hotline für Getestete

Wie das Bayerische Gesundheitsministerium erklärte, sollten nun auch die negativ Getesteten informiert werden. Für weitere Fragen hat das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Hotline eingerichtet. Sie ist auch am Sonntag von 08.00 bis 18.00 Uhr zu erreichen unter der Telefonnummer 09131/6808-5101.

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