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"Maximal testen": Bayerns Pläne für die kommenden Wochen | BR24

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Die Staatsregierung will die Infektionszahlen niedrig halten. Deshalb empfiehlt sie nicht nur Saisonarbeitern, sondern auch Urlaubs-Heimkehrern Tests und will dafür Stationen einrichten, an Flughäfen, Autobahnen und Bahnhöfen.

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"Maximal testen": Bayerns Pläne für die kommenden Wochen

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus im Freistaat während der Sommerferien zu vermeiden, hat das bayerische Kabinett die Details der Test-Möglichkeiten beschlossen. Im Fokus stehen Urlauber, Erntehelfer und Asylbewerber - aber nicht nur.

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Möglichst viele Corona-Tests und rasche Ergebnisse: Damit will die bayerische Staatsregierung während der kommenden Ferienwochen verhindern, dass sich wieder deutlich mehr Menschen mit dem neuartigen Corona-Virus anstecken. Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) betonte nach der heutigen Sitzung des Kabinetts, dass die Gefahr nicht vorbei sei. Oberstes Ziel sei es, möglichst früh zu erkennen, "wo es losgeht". Deshalb sei die Grundbotschaft: "Maximal testen!".

Die Test-Strategie für Rückkehrer aus dem Urlaub

Wer mit dem Auto im Urlaub war, soll sich nach der Rückkehr schon bald in unmittelbarer Grenznähe testen lassen können. Die drei angekündigten Corona-Testzentren an den großen Grenzübergängen nach Österreich sollen laut der Staatskanzlei an den nächstgelegenen Rastanlagen Hochfelln-Nord (A8), Heuberg (A93) und Donautal-Ost (A3) eingerichtet werden. An den Raststätten Hochfelln-Nord und Heuberg sollen sie dauerhaft ab 7. August in Betrieb sein, im Fall Heuberg soll davor übergangsweise an der Raststätte Inntal-Ost getestet werden.

An den Flughäfen in München und Nürnberg gibt es schon seit vergangenem Samstag freiwillige, kostenlose Corona-Tests für Reisende. Bis 30. Juli soll auch am Flughafen Memmingen im Allgäu ein Testzentrum die Arbeit aufnehmen.

Ebenfalls ab 7. August sollen die Corona-Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg einsatzbereit sein. Auch dort können sich zurückkehrende Urlauber dann testen lassen. Zudem will sich die Staatsregierung beim Bund und der Deutschen Bahn dafür einsetzen, dass in den Zügen stärker kontrolliert wird, ob alle Reisenden die vorgeschriebene Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Zuletzt hatte es vermehrt Beschwerden gegeben, wonach sich nicht alle Passagiere konsequent an diese Vorgabe halten.

Risikogebiete: Tests bald Pflicht

Wohl in der kommenden Woche will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wie angekündigt verpflichtende Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten anordnen. Während die entsprechenden Personen an den Flughäfen vergleichsweise einfach zu ermitteln sein dürften, sind die Behörden bei Reisenden mit dem Auto auch auf die Ehrlichkeit der Menschen angewiesen.

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) geht allerdings davon aus, dass nicht alle Urlaubsrückkehrer angeben werden, wenn sie aus einem Risikogebiet kommen. Sie wies daher erneut darauf hin, dass die freiwilligen Tests für Reiserückkehrer in Bayern kostenlos seien. Zudem erinnerten Herrmann und Huml daran, dass Rückkehrer aus Riskogebieten bereits jetzt in Quarantäne müssen.

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Bayern will die Corona-Test-Strategie ausbauen. Gesundheitsministerin Huml kündigt Testzentren an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen an.

Die Test-Strategie für Erntehelfer

Wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon am Montag nach dem jüngsten Corona-Ausbruch in Mamming angekündigt hatte, soll in bayerischen Erntebetrieben verstärkt getestet werden. Diese verpflichtenden Tests sollen eine schnelle Corona-Ausbreitung unter Saisonarbeitern verhindern. Der Deutsche Bauernverband ist gegen flächendeckende Corona-Tests in landwirtschaftlichen Betrieben.

Darüber hinaus hat das bayerische Kabinett den Bußgeldrahmen für mögliche Verstöße von Betrieben gegen das Hygienekonzept von 5.000 Euro auf 25.000 Euro verfünffacht. Zudem soll es ab sofort häufiger Überprüfungen in den Betrieben geben. Am Montag hatte Söder erklärt, "Tag und Nacht" könne kontrolliert werden, ob es Verstöße gegen das Hygienekonzept gebe - wie zuletzt wohl auch in Mamming.

Die Test-Strategie für Asylunterkünfte

Asylbewerber im Freistaat werden nach Angaben der Staatskanzlei künftig bei jedem Arztbesuch in einem sogenannten Ankerzentrum verdachtsunabhängig auf Corona getestet - unabhängig vom konkreten Anlass des Arztbesuchs. Seit Ende Februar galt das nur für neu ankommende Asylbewerber. Auch bei jeder Verlegung eines Asylbewerbers wird demnach künftig verdachtsunabhängig getestet. So solle "dem Verschleppen von unerkannten Infektionen" vorgebeugt werden.

Wird ein Mensch in einer Asylunterkunft positiv getestet, wird die gesamte Einrichtung laut Staatskanzlei für mindestens 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Aufgehoben wird sie demnach nur, wenn weitere Tests bei allen Bewohnern und Beschäftigten nach Ablauf dieser beiden Wochen negativ ausfallen.

Die Test-Strategie für Schulen und Kitas

Die Details zu den Corona-Tests an Schulen nach Beginn des Schuljahres werden laut Herrmann bei der ersten Kabinettssitzung nach der Sommerpause besprochen. Laut der Staatskanzlei sollen neben Reihentests künftig auch mobile Teststrecken zum Einsatz kommen können.

Die Test-Strategie für alle anderen

Weiterhin gibt es für alle Menschen in Bayern die Möglichkeit, sich kostenlos beim Hausarzt auf das neuartige Corona-Virus testen zu lassen, auch ohne Symptome. Dieses Angebot gilt seit 1. Juli. Wer Symptome hat, soll innerhalb von 24 Stunden getestet werden - und innerhalb weiterer 24 Stunden das Ergebnis erhalten. Laut der Staatskanzlei wurden bisher insgesamt rund 1,5 Millionen Corona-Tests in Bayern durchgeführt.

So bewertet die Opposition die Pläne

Die bayerische AfD-Fraktion kritisiert die Ausweitung des Bußgeldrahmens für Betriebe auf 25.000 Euro. "Markus Söder verfünffacht wegen eines lokalen Corona-Ausbruchs mal eben so die Bußgelder für bayerische Unternehmen", erklärte der AfD-Abgeordnete Gerd Mannes. "Das neue Bußgeld ist "selbst bei kleinsten Unachtsamkeiten fällig und treibt Kleinbetriebe in den Ruin. Ministerpräsident Söder verbreite Angst statt Mut.

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Bayerns Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) am 28.07.20

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