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Corona: Ministerin Huml wusste wohl schon früher von Test-Pannen | BR24

© pa/dpa/Peter Kneffel

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) auf einer Pressekonferenz am 13.08.20 in München

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    Corona: Ministerin Huml wusste wohl schon früher von Test-Pannen

    Bayerns Gesundheitsministerin Huml wusste offenbar früher als bisher angegeben von den Pannen bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen an Reiserückkehrer. Ein Sprecher des Ministeriums weist den Vorwurf, sie habe zu spät reagiert, aber zurück.

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    Von
    • Maximilian Heim
    • Eva Lell
    • Jannik Pentz

    Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml wusste womöglich schon deutlich früher von den Corona-Testpannen im Freistaat als bislang bekannt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine interne E-Mail des Landesamts für Gesundheit (LGL). Inzwischen bestätigte das Gesundheitsministerium dem BR, die Mail erhalten zu haben.

    Demnach wurde das Gesundheitsministerium mit dieser Mail bereits am vergangenen Montag (10. August) über die Probleme an den Testzentren für Urlaubsrückkehrer informiert. Darin berichtete das Laborunternehmen Eurofins von über 40.000 Proben, deren Ergebnisse noch nicht übermittelt werden konnten - darunter 338 positive Tests. Um 12:30 Uhr ging die Mail laut "Süddeutscher Zeitung" an Humls Ministerbüro, ihren Amtschef und eine weitere Person im Gesundheitsministerium.

    Die Öffentlichkeit erfuhr erst zwei Tage später auf einer Pressekonferenz von der Panne. Dort versicherte Huml, sie habe erst am gleichen Morgen von deren Ausmaß erfahren. Huml berichtete dabei, dass bis Mitte vergangener Woche 44.000 Menschen ihr Testergebnis noch nicht erhalten hatten, darunter gut 900 positiv Getestete.

    Sprecher bestätigt: Info kam am Montag

    Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums erklärte auf BR-Anfrage zunächst, Humls Äußerung am vergangenen Mittwoch sei zutreffend gewesen. Die Ministerin habe "erst an diesem Tag von dem konkreten Ausmaß der Schwierigkeiten und den fehlenden Lösungsansätzen erfahren".

    Der Sprecher wies auch den Vorwurf zurück, Huml habe bereits am Montagmittag Zahlen zum Ausmaß der Übermittlungsprobleme gehabt. Die Ministerin habe an diesem Tag "öffentlich darauf hingewiesen, dass es Verzögerungen bei der Übermittlung von Testergebnissen gab". Aber: "Konkrete Zahlen lagen der Ministerin zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor."

    Auf BR-Nachfrage räumte der Sprecher aber ein, dass die Zahlen später am Montag im Ministerium bekannt wurden. Allerdings sei erst zwei Tage später klar geworden, dass das Problem nicht wie gehofft schnell lösbar war. Erst dann informierte das Ministerium die Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der positiven Tests, die sich nicht zuordnen ließen, bereits von 338 auf rund 900 angestiegen.

    Schulze wirft Huml Verschleierung vor

    Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze sprach in einer ersten Reaktion von einer "Verschleierungsmaschinerie". Dem BR sagte Schulze, sie sei fassungslos. "Was jetzt nach und nach ans Tageslicht kommt, zerstört das Vertrauen in das Krisenmanagement dieser Regierung noch weiter."

    Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn erklärte auf Twitter: "Jetzt wird es eng für Frau Huml." Sie habe die Öffentlichkeit viel zu spät informiert und müsse nun "schlechtes Krisenmanagement" verantworten, "weil das Problem bis vergangenen Sonntag nicht behoben werden konnte".

    Hagen: Skandal weitet sich aus

    Bayerns FDP-Fraktionschef Martin Hagen sagte: "Der Skandal um die Testpannen weitet sich immer weiter aus. Wenn die Ministerin die Öffentlichkeit belogen hat, ist sie nicht länger tragbar." Die AfD-Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner erklärte: "Der ganze Corona-Wahnsinn, bei dem ganz Deutschland und insbesondere Bayern in dramatische Mitleidenschaft gezogen wurde, fliegt nun selbst den Hauptakteuren um die Ohren."

    Auf BR-Anfrage teilte ein Sprecher der Staatskanzlei mit, man sei im Laufe des Mittwoch informiert wurden. Der Deutschen Presse-Agentur bestätigte Huml, dass sie Ministerpräsident Söder erst am Mittwoch über die massiven Verzögerungen bei der Ergebnis-Übermittlung informiert habe.

    Schon früher Infos über Verzögerungen

    Bereits am 7. August hatte der BR berichtet, dass getestete Reisende damals manchmal bis zu einer Woche auf ihr Ergebnis warten mussten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich an den bayerischen Testzentren für Urlaubsrückkehrer rund 50.000 Menschen testen lassen.

    Gesundheitsministerin Huml sagte damals, zuletzt sei "doch einiges aufgelaufen". Bis zum Wochenende solle aber "möglichst alles abgearbeitet" sein - also bis spätestens 9. August. Am 12. August unterrichtete sie schließlich die Öffentlichkeit über die massiven Verzögerungen und Komplikationen bei der Ergebnis-Übermittlung. Kurz davor bot sie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) laut dessen Aussage zweimal ihren Rücktritt an - Söder lehnte ab.

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