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Hätte eine Corona-Test-Panne wie in Bayern überall passieren können?

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    Corona-Test-Panne: "Das hätte überall passieren können"

    Nach der Panne mit den Corona-Tests in Bayern gab es viel Kritik am Krisenmanagement der Landesregierung. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes sieht das Problem vor allem in der Überlastung der Behörden.

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    Von
    • Vera Weidenbach

    Eine Corona-Test-Panne wie in Bayern hätte auch in jedem anderen Bundesland passieren können, davon ist die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, überzeugt. "Die Gesundheitsämter sind nicht ausreichend auf die Testpflicht vorbereitet worden", sagte sie BR24. Manche hätten erst aus den Medien davon erfahren.

    Problem "Aussteigekarten"

    Mit der Einführung der Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten Anfang August haben alle Bundesländer Testzentren an Flughäfen eingerichtet. Länder mit Grenzen zu anderen EU-Staaten haben das auch an den Autobahnen gemacht. Laut Bundesgesundheitsministerium bekommen Einreisende mit Flugzeug, Zug, Schiff oder Bus eine "Aussteigekarte". Dort werden Kontaktdaten und Symptome abgefragt. Und es wird abgefragt, ob bereits ein Testergebnis vorliegt. Die Karten bekommen die zuständigen Gesundheitsbehörden. Sie müssen die Daten mit den Ergebnissen aus den Laboren zusammenbringen.

    Hier passierten die meisten Fehler, sagt Ute Teichert. Vor allem, weil es an Personal mangele. Die neuen Aufgaben seien für die Behörden zusätzlich zur Ermittlung der Kontaktpersonen von Infizierten dazu gekommen. Und auch die Überwachung der Quarantäne ist Sache der Länderbehörden. Trotz der vielfältigen zusätzlichen Aufgaben habe sich die personelle Ausstattung nicht entsprechend verbessert, so Teichert.

    "Personalmangel und fehlende Digitalisierung gibt es bundesweit"

    Bereits Ende Mai hatte der Bundesverband vor einem Personalengpass bei den knapp 400 Gesundheitsämtern gewarnt. Damals noch mit Blick auf die anstehenden Lockerungen der Schutzmaßnahmen. Die Studierenden und die Mitarbeiter, die zu Anfang der Corona-Krise teilweise aus dem Ruhestand zurückgeholt wurden, um die Ämter zu unterstützen, waren da schon nicht mehr im Einsatz. "In Bayern ist das System auch zusammengebrochen, weil man dort sehr früh angefangen hat, die Test-Kapazitäten auszubauen", sagt Teichert. Die Probleme, die zu der Panne geführt haben - Personalmangel und fehlende Digitalisierung - gebe es aber bundesweit.

    Corona-Test-Panne

    In Bayern gibt es bereits seit Anfang Juli die Möglichkeit, sich als Reiserückkehrer kostenlos testen zu lassen. Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Ämter tausende Testergebnisse aus den Zentren nicht den richtigen Personen zuordnen konnten. Auch 900 positiv Getestete erhielten ihr Ergebnis erst Tage später – knapp 50 konnten bisher gar nicht gefunden werden. Der bayerische Staatskanzleichef und neue "Corona-Koordinator" Florian Herrmann (CSU) verteidigte deshalb die bayerische Teststrategie – es sei wichtig gewesen, dass man so früh wie möglich angefangen habe, sagte er. Außerdem kritisierte er andere Bundesländer mit Grenzen zu anderen EU-Ländern - wie Nordrhein-Westfalen und Brandenburg – sie hätten die gesamte Urlaubszeit hindurch nicht getestet.

    Wie sieht es in den anderen Bundesländern aus?

    Was Herrmann nicht sagt: In Nordrhein-Westfalen ist es seit dem 25. Juli an den Flughäfen möglich, sich testen zu lassen. Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf teilte auf Anfrage von BR24 mit, bis gestern seien insgesamt rund 71.000 Reiserückkehrer und Rückkehrerinnen getestet worden - 8.501 Testergebnisse stehen derzeit noch aus. Zum eingesetzten Personal in den Testzentren und Behörden liegen dem Ministerium demnach keine Informationen vor. Die Arbeitsbelastung sei sehr divers und immer abhängig vom Rückreisegeschehen vor Ort. Die Erfassung der persönlichen Informationen erfolge digital.

    Auch Brandenburg hat die Testkapazitäten zum Beginn der Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten deutlich ausgebaut und kostenlose Tests auch für Menschen ohne Symptome zur Verfügung gestellt. Das ist später als in Bayern – aber die Maßnahme erfolgte noch pünktlich zum Ende der Sommerferien, die in Brandenburg seit dem 8. August vorbei sind. In Brandenburg kommen deutlich weniger Reisende aus Risikogebieten an, als in Nordrhein-Westfalen. Am Flughafen Schönefeld waren es bis Mitte August rund 6.000.

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