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Corona-"Spezialeinheit" soll Heime in Bayern sicherer machen | BR24

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Wie soll die neue Spezialeinheit aussehen, und was sind ihre Aufgaben? Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek gibt Antworten.

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Corona-"Spezialeinheit" soll Heime in Bayern sicherer machen

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte mit einer Spezialeinheit von 200 Mitarbeitenden die vulnerablen Gruppen in Alten-, Pflege- und Behindertenheimen von Montag an besser schützen. Patientenschützer und Opposition sehen die Pläne kritisch.

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Von
  • Nora Reinhardt
  • BR24 Redaktion

Seit dem Frühjahr zeigt sich immer wieder, dass sich das Coronavirus in Alters- und Pflegeheimen besonders schnell ausbreitet. Die Folge sind viele schwere Verläufe und viele Todesfälle. Das RKI meldet, dass jeder fünfte Pflegeheimbewohner in Deutschland, der mit Corona infiziert ist, stirbt. Daher plant Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jetzt eine Spezialeinheit zum Schutz dieser vulnerablen Gruppen. Patientenschützer sehen die Pläne allerdings kritisch.

Söder erneuerte in der "Bild am Sonntag" seine Vorstellungen, die er tags zuvor auch schon im "Main Echo" geäußert hatte: Das Ziel sei es, die "am stärksten Betroffenen besonders zu schützen". Zu diesem Zweck solle es eine Spezialeinheit geben, die die Kontrollen in den 1.500 Alten- und Pflegeheimen und den etwa 800 Behinderteneinrichtungen in Bayern verstärkt.

Was die Spezialeinheit leisten soll

Diese Spezialeinheit soll aus mehr als 200 Mitarbeitenden der Landesämter für Pflege und Gesundheit sowie der Heimaufsichten vor Ort bestehen und schon am Montag starten. Nach der Infektionsschutzverordnung gilt für Alten- und Pflegeheime derzeit, dass das Personal an mindestens zwei Tagen pro Woche getestet werden muss. Besucher müssen einen negativen Corona-Test vorlegen und FFP2-Masken tragen.

Sobald der Test einer Person im Heim positiv ist, laufen Reihentests an. Klaus Holetschek (CSU), bayerischer Staatssekretär für Gesundheit und Pflege, konkretisierte in der "Bild am Sonntag" die Aufgabe der neuen Spezialeinheit: "Diese schlagkräftige, flexible Einheit wird schon bei einem ersten positiven Corona-Fall aktiviert, um der jeweiligen Einrichtung beizustehen und ein größeres Ausbruchsgeschehen zu verhindern."

Patientenschützer sehen Söder-Pläne kritisch

Für Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, brauchen die Heimbewohner in der Pandemie keine Spezialeinheit. "Heimbewohner, die das Virus bedroht, brauchen jetzt keine knallharten Sheriffs", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München. Vielmehr seien helfende Hände notwendig, damit die Pflegebedürftigen durch die Krise kommen. Leider sei "weit und breit" keine Taskforce zu sehen, die bei Grund- und Behandlungspflege unterstütze. Auch fehle zusätzliches Personal für regelmäßige Corona-Schnelltests vor jeder Einrichtung.

Auch aus dem Bayerischen Landtag kam umgehend Kritik an den Plänen der Staatsregierung. "Wir brauchen keine Spezialeinheit, die unsere Heimbewohnerinnen und -bewohner abschirmt, sondern ein Konzept, dass insbesondere Kontakte für unsere vulnerablen Gruppen ermöglicht", sagte Andreas Krahl von den Grünen. Seine Fraktion forderte mobile Testteams vor Ort, die das Personal entlasten und Besuche tatsächlich ermöglichen könnten.

Personalmangel erschwert Corona-Tests

Aus der Opposition, von Verbänden und Trägern gab es immer wieder Kritik an der Zusammenarbeit zwischen Regierung und Heimen. So moniert die "Kommunale Altenpflege Bayern", die Staatsregierung habe nicht mit den Heimen kommuniziert und sie mit Vorgaben überrumpelt. Laut KAB-Vorstand Michael Pflügner fehlt es zudem an einer flächendeckenden Corona-Behandlungsstrategie.

Wegen Personalmangels sind viele Heime mit der Durchführung der Corona-Test überfordert. Gerade die Testpflicht für Besucher stellt sie vor große Herausforderungen. "Wenn wir niemanden haben, der die Tests durchführt, haben wir faktisch ein Besuchsverbot in unseren Einrichtungen", kritisierte etwa die Caritas Unterfranken bei BR24. Ohnehin ist nur ein Besucher pro Tag für maximal eine Stunde erlaubt. Das Heim kann zudem entscheiden, ob Besuche aufgrund der Gesamtlage möglich sind. Damit die alten Menschen an Weihnachten Besuch bekommen können, springen jetzt Hilfsorganisationen ein und bieten kostenlose Schnelltests an.

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