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Long-Covid: Spezialambulanz in München soll Kindern helfen (Symbolbild)

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Long-Covid: In München entsteht Spezialambulanz für Kinder

Nach einer Corona-Infektion können auch Kinder und Jugendliche von Long-Covid-Folgen betroffen sein. Eine Spezialambulanz der Münchner Universitäten soll sie ab September noch gezielter behandeln.

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Von
  • Tobias Brunner

Erst kam der Schwindel, dann konnte sie sich manche Dinge nicht mehr merken und fühlte sich einfach nur noch schlapp. Sie fragte sich, ob das irgendwann auch mal wieder aufhören würde, erzählt die 14-jährige Nele Tammeus. Schließlich sind seit ihrer Corona-Infektion mehr als acht Wochen vergangen. Doch die Langzeitfolgen sind schlimmer als die Erkrankung selbst.

Mit Long-Covid im Krankenhaus

Nele fühlt sich inzwischen so kraftlos, dass sie einen Rollstuhl braucht. Sie war froh über dieses Hilfsmittel, um auch mal wieder die Welt draußen sehen zu können.

Inzwischen ist sie mit ihrer Mutter von Wenzenbach bei Regensburg nach München gekommen, und wurde stationär im Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) aufgenommen.

Schwierige Diagnose: Was ist Long-Covid?

Zuvor hatte sie mehrere Ärzte aufgesucht, bis der Verdacht irgendwann auf Long-Covid fiel. Viele ihrer Symptome könnten typisch dafür sein, sagt der LMU-Kinderarzt Johannes Hübner, beispielsweise der Schwindel und die Müdigkeit - Fachleute nennen das "Fatigue". Doch auch Expertinnen und Experten wissen längst noch nicht alles und lernen laufend mehr über die Erkrankung und ihre Langzeitfolgen. Das erschwert jede Diagnose.

Es sei sehr schwierig, diese Fatigue-Symptomatik von den allgemeinen Belastungen der Pandemie zu unterscheiden, sagt Hübner, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie ist. Bisher konnte er im Haunerschen Kinderspital etwa vier Fälle mit möglichen Post-Covid-Symptomen beobachten. Doch er rechnet damit, dass es in Zukunft mehr werden.

Ab September Spezialambulanz für Long-Covid

Deshalb hat sich die LMU gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) dazu entschlossen, eine Spezialambulanz für junge Patientinnen und Patienten mit Corona-Langzeitfolgen aufzubauen. Diese soll ab September voll einsatzfähig sein und Termine anbieten. Eltern und Kinderärzte können sich dann bei Verdachtsfällen dort melden.

Die Spezialambulanz soll Fachleute aus allen Abteilungen vernetzen, weil auch die Erkrankung oft viele Organe mit einschließt. Das Herz kann beteiligt sein, die Lunge, die Niere, Haut, Gefäße und natürlich die Neurologie, so Hübner. All diese Bereiche abzudecken, sei deshalb nur für große Kinderkliniken möglich.

Die Wissenschaftler erhoffen sich auch neue Erkenntnisse über die Erkrankung. Denn mit der Ambulanz wird ein breites Diagnostik-Angebot wie beispielsweise Gen-Diagnostik verknüpft sein, das über die herkömmlichen Möglichkeiten hinausgeht. Auf diesem Weg ließen sich möglicherweise auch neue Ansätze für die Behandlung finden.

Long-Covid: Viele Fachgebiete für die Behandlung

Im Fall von Nele sollen als nächstes ihr Rückenmark und ihre Wirbelsäule untersucht werden. Die Schülerin kämpft tapfer für ihre Genesung und hofft, dass es ihr bald wieder besser geht. Unterstützung bekomme sie vor allem von ihrer Familie und ihren Freuden. Am meisten vermisst sie im Moment ihren Sport, das Judo. Und auf noch etwas anderes freut sie sich, wenn es ihr wieder besser geht: "In die Schule gehen, obwohl ich das nie gedacht hätte."

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Etwa zehn Prozent der ehemals Corona-Infizierten spüren Langzeitfolgen: von Atemnot über mangelnde Belastbarkeit bis hin zu Herzbeschwerden. Experten schätzen, dass es in Deutschland derzeit etwa 350.000 Long Covid-Patienten gibt.

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