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Eine blaue FFP2-Maske liegt auf einem Gehweg in der Münchner Innenstadt

Eine blaue FFP2-Maske liegt auf einem Gehweg in der Münchner Innenstadt

Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Balk
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    Corona-Sommerwelle: Fragen und Antworten zur Lage in Bayern

    Anders als in den vergangenen beiden Jahren baut sich heuer eine Corona-Sommerwelle auf - auch in Bayern. Wie steht es um die Neuinfektionen, wie ist die Lage in den Krankenhäusern, welche Maßnahmen gelten? Und wie geht es weiter? Ein Überblick.

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    Petr JerabekPetr JerabekMaximilian HeimMaximilian Heim
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    Der Sommer ist in vollem Gange - und die Corona-Pandemie für viele Menschen in Bayern in den Hintergrund gerückt. Auch politisch dominieren aktuell andere Themen wie der russische Krieg in der Ukraine und die (Energie-)Folgen für Deutschland. Das Coronavirus ist freilich nicht verschwunden: Zuletzt stieg der bayerische Inzidenzwert auf fast 570 - beim bisherigen Höhepunkt Ende März lag er bei rund 2.200.

    Was bedeutet die zuletzt gestiegene Zahl der Neuinfektionen für Bayern? Wie steht es um die Zahl der Covid-Intensivpatienten? Welche Regeln gelten aktuell und was ist für den Herbst geplant? Die Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

    Wie entwickelt sich das bayerische Infektionsgeschehen?

    Seit Monaten dominiert Omikron das Corona-Infektionsgeschehen in Bayern - das hat Einfluss auf die Zahlen. Die Ausbreitung der ansteckenderen Variante ließ die 7-Tage-Inzidenz in Bayern bis Ende März bis auf den bisherigen Höchstwert von fast 2.200 klettern.

    Anschließend ging der Inzidenzwert wochenlang runter und lag Ende Mai bei 190. Seit Anfang des Monats steigt die Kennzahl wieder - insbesondere wegen der neuen Omikron-Subvariante BA.5. Bayern liegt aktuell mit einer Inzidenz von 568 unter dem Bundesschnitt von fast 633 (Stand: 25.06.). Regional gibt es deutliche Unterschiede: Drei Städte und Landkreise haben laut Robert-Koch-Institut eine Inzidenz von mehr als 1.000: Der Kreis Cham (1157,7), der Kreis Erlangen-Höchststadt (1133,2) und die Stadt Erlangen (1050,0). In zwei Kreisen liegt der Wert deutlich unter 200: Berchtesgadener Land (180,6) und Rhön-Grabfeld (114,5).

    Wie aussagekräftig ist die Inzidenz noch?

    Experten gehen davon aus, dass die Inzidenz tatsächlich deutlich höher ist als der offizielle Wert - auch weil weniger getestet wird und viele Infektionen gar nicht bemerkt werden. Nach Meinung des Münchner Infektiologen Christoph Spinner ist die Inzidenz aber "immer weniger bedeutsam", wie er im in dieser Woche im BR24-Interview sagte.

    "Gerade zu Anfang der Pandemie gab es einen ganz klaren Zusammenhang zwischen Infektionsinzidenz und Erkrankungsschwere", erläuterte Spinner. Zu Beginn des Jahres 2021 habe die "Sterblichkeit einer Covid-19-Infektion bei 4,5 Prozent in der deutschen Allgemeinbevölkerung" gelegen. Aufgrund der Corona-Impfungen und der Ausbreitung der "doch weniger gefährlichen Omikron-Variante" sei diese Sterblichkeit auf weniger als 0,5 Prozent gefallen. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Menschen - vor allem Ältere und chronisch Kranke - weiter gefährdet blieben.

    Wie ist die Lage auf den bayerischen Intensivstationen?

    Während der Inzidenzwert zuletzt wieder gestiegen ist, herrscht in Bayerns Krankenhäusern auf den Intensivstationen weiter keine angespannte Corona-Lage. Aktuell befinden sich im Freistaat 124 Covid-Patienten auf der Intensivstation (Stand: 25.06., 12.05 Uhr). Davon werden 39 invasiv beatmet.

    Zum Vergleich: Anfang Dezember 2021 gab es im Freistaat knapp 1.100 Covid-Intensivpatienten, Mitte März waren es zeitweise rund 430. Die nicht mehr gültige Corona-Warnampel der Staatsregierung würde damit aktuell klar grün zeigen. Ab 450 Covid-Intensivpatienten wäre sie auf Gelb gesprungen, ab 600 auf Rot.

    Wie viele Menschen sind gegen Corona geimpft?

    Gut 75 Prozent der bayerischen Gesamtbevölkerung sind gegen Corona grundimmunisiert, bei den Volljährigen liegt der Anteil bei 84 Prozent. Eine erste Auffrischungsimpfung haben 58,4 Prozent der Bayern erhalten (Volljährige: 68,3 Prozent). Im Bundesdurchschnitt sind alle Werte etwas höher (Grundimmunisierung bundesweit: 76 Prozent).

    Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Vorn liegen nach EU-Angaben Portugal und Malta mit 86 Prozent Grundimmunisierung, gefolgt von Dänemark (82 Prozent). Mehrere Länder wie Italien, Irland und Island haben eine Quote von rund 80 Prozent. Auch Frankreich, Finnland, Belgien und Spanien liegen knapp vor Deutschland. Niedriger ist die Quote beispielsweise in den Niederlanden, Österreich, Norwegen, Schweden, Griechenland sowie in den osteuropäischen Ländern.

    Welche Corona-Regeln gelten aktuell in Bayern?

    In einigen anderen europäischen Ländern sind inzwischen alle Corona-Regeln aufgehoben. In Bayern gelten, genau wie bundesweit, einige niederschwellige Einschränkungen weiter. So gilt etwa für das Betreten sogenannter vulnerabler Einrichtungen: Alle Besucher brauchen einen tagesaktuellen negativen Schnelltest. Beschäftigte müssen sich zweimal wöchentlich testen. Die gleichen Vorgaben gelten auch in Bayerns Justizvollzugsanstalten für Besucher und Beschäftigte.

    Deutliche Lockerungen gab es im Frühjahr beim Thema Masken, damals wegen einer Vorgabe der Bundesregierung und gegen den erklärten Willen der CSU-geführten Staatsregierung. Seit Anfang April muss seitdem an vielen Orten im Freistaat kein Mund-Nasen-Schutz mehr getragen werden, zum Beispiel in Schulen und Supermärkten. Punktuell gilt die Maskenpflicht allerdings weiter, etwa im Fernverkehr, im öffentlichen Nahverkehr sowie in vulnerablen Einrichtungen und in bestimmten Bereichen von Unterkünften für Obdachlose oder Asylbewerber.

    Auch hier gibt es innereuropäisch große Unterschiede: Die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen wirbt in einer Kampagne derzeit mit breit grinsenden Menschen dafür, auf das Maskentragen zu verzichten.

    Zugangsbeschränkungen wie 2G oder 3G gibt es dagegen inzwischen bayernweit nicht mehr. Noch immer steht in der aktuellen bayerischen Corona-Verordnung aber dieser Hinweis: " Jeder wird angehalten, wo immer möglich zu anderen Personen einen Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten und auf ausreichende Handhygiene zu achten."

    Wie geht es im Herbst weiter?

    Infektiologe Spinner, der auch Pandemiebeauftragter des Münchner Klinikums rechts der Isar ist, erwartet wie andere Experten für den Herbst eine noch höhere Inzidenz: "Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit können wir von weiter steigenden infektionszahlen ausgehen." Das werde dann bedeuten, "dass auch wieder mehr Menschen mit Covid-19 in Kliniken behandelt werden müssen - nicht alle davon wegen Covid", erläuterte der Experte.

    Wichtig in diesem Zusammenhang: Die offiziellen Statistiken des Bundes und des Freistaats Bayern unterscheiden nach wie vor nicht, ob ein Patient wegen Corona ins Krankenhaus gekommen ist oder aus einem anderen Grund und die Infektion zufällig entdeckt wurde.

    Welche Corona-Regeln könnten kommen?

    Das aktuelle Bundes-Infektionsschutzgesetz gilt noch bis 23. September. Es sieht einen "Basisschutz" vor: Möglich bleiben Maskenpflichten in Pflegeheimen, Kliniken sowie im Nah- und Fernverkehr. Zudem können die Länder eine Testpflicht an Schulen, in Kliniken, Pflegeheimen und Justizvollzugsanstalten anordnen. Strengere Maßnahmen wie 2G und 3G sowie eine Maskenpflicht beim Einkaufen oder in Schulen sind nur noch in "Hotspots" möglich - in konkreten Regionen, für die das Landesparlament eine Gefahrenlage feststellt.

    Mehrere Länder, darunter Bayern, fordern vom Bund, schnell eine Rechtsgrundlage für weitergehende Schutzvorgaben bei einer neuen Corona-Welle im Herbst zu schaffen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will als Minimalausstattung für die Länder eine Maskenpflicht in Innenräumen, Kontaktbeschränkungen, Personenobergrenzen für Veranstaltungen und Testpflichten.

    Gesundheitsminister beraten am Freitag

    In der Ampel-Koalition lehnte die FDP schnelle neue Festlegungen ab. Zunächst soll ein bis zum 30. Juni erwarteter Bericht eines Sachverständigenausschusses abgewartet werden, der bisherige Pandemie-Maßnahmen bewerten soll. Für 1. Juli ist eine Sondergesundheitsministerkonferenz geplant. Dort wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über die Maßnahmen zur Corona-Pandemie für den kommenden Herbst beraten.

    Auch Spinner plädierte im BR24-Interview dafür, jede der bisherigen Corona-Maßnahmen noch mal auf den Prüfstand zu stellen: "Was hat sie gebracht? Was wird sie bringen? Und wie gut ist sie geeignet, vor allem Erkrankungen abzuwehren?" Masken in Innenräumen könnten laut ihm ein Mittel sein. Wichtig ist aus Spinners Sicht insbesondere, in Risikogruppen stärker für Auffrischungsimpfungen zu werben, um die "besonders Gefährdeten auch besonders gut schützen zu können".

    Mit Blick auf Rufe nach 2G und 3G-Regeln sagte der Experte aber: "Ich glaube, es hat sich ja sehr deutlich gezeigt, dass Zugangsbeschränkungen relativ wenig Einfluss auf die Virusvariantenübertragung hatten."

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