BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona: Söder und Kretschmer pochen auf neues Impfstoff-Konzept | BR24

© BR
Bildrechte: Peter Kneffel/dpa

Empfehlung statt Priorisierung, Astrazeneca "so schnell wie möglich" verwenden, neben Impfzentren auch auf Haus- und Betriebsärzte setzen: Bayern und Sachsen sind vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch für ein überarbeitetes Impfkonzept.

158
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona: Söder und Kretschmer pochen auf neues Impfstoff-Konzept

Empfehlung statt Priorisierung, Astrazeneca "so schnell wie möglich" verwenden, neben Impfzentren auch auf Haus- und Betriebsärzte setzen: Bayern und Sachsen drängen vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch auf ein überarbeitetes Impfkonzept.

158
Per Mail sharen
Von
  • Maximilian Heim
  • Petr Jerabek

Corona-Impfungen auch durch Haus- und Betriebsärzte, bei der Reihenfolge nur eine Empfehlung statt der rechtlich fixierten Priorisierung: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist dafür, das Corona-Impfkonzept in Deutschland "komplett zu überarbeiten". Das sagte er nach einer Videokonferenz mit seinem sächsischen Amtskollegen Michael Kretschmer (CDU).

"Spätestens April, also spätestens wenn der ganz große Anteil vom Impfstoff kommt, muss jede Dose Impfstoff verimpft werden, wo es nur geht", betonte Söder. Er erneuerte die Forderung, den Impfstoff von Astrazeneca schon jetzt "so schnell wie möglich zur Verfügung stellen". Auch Haus-, Betriebs- und Schulärzte sollten laut Söder bei den Corona-Impfungen mithelfen. Söder brachte zudem mobile Impfstationen ins Gespräch, etwa in Hochschulen. Das Ziel solcher Maßnahmen: "Nur so können wir den dramatischen Rückstand, den Deutschland beim Impfen hat, aufholen. Wir müssen aufholen und wir müssen besser werden."

Bald Empfehlung statt Priorisierung?

"Das Wichtigste ist jetzt, dass jeder ein Angebot bekommt, der sich impfen lassen will", sagte Bayerns Ministerpräsident. Mit einem "überbürokratisierten System" komme man nicht weiter. Die bayerisch-sächsischen Vorschläge würden laut Söder dazu führen, dass aus der bisher rechtlich fixierten Priorisierung eine Empfehlung werden könne. Derzeit wird in Deutschland nach einer vom Gesundheitsministerium vorgegebenen Reihenfolge geimpft, empfohlen von der Ständigen Impfkommission (StIKo) beim Robert Koch-Institut.

Der sächsische Ministerpräsident Kretschmer forderte besonders mit Blick auf die Hotspot-Regionen ein anderes "Impfregime", damit die Infektionszahlen dort zurückgehen und sich die Infektionen nicht weiter ins Land hinein verbreiten. Das müsse bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch ein Thema sein. Laut Kretschmer müssen zu den Kriterien der Impfkommission weitere Kriterien hinzukommen. Sein Wunsch wäre, in Hotspots allen Erwachsenen über 18 Jahren "sehr schnell Angebote machen" zu können. Das wäre eine Möglichkeit, eine Corona-Ausbreitung zu verhindern, sagte Kretschmer.

Söder: Impfausweis sinnvoll für Alltagsleben

Mit Blick auf Menschen, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, sagte Söder: "Wenn sich jemand nicht impfen lassen will und jemand anderes impft sich: Warum soll der, der sich impfen lässt, dann die entsprechenden Nachteile in Kauf nehmen?" Das könne auf Dauer nicht gerecht sein. Er halte Impfpässe daher für absolut sinnvoll, betonte Söder – "nicht nur auf europäischer Ebene beim Reisen, sondern dann auf Dauer auch natürlich für das Alltagsleben".

Söder begründete auch die Entscheidung der Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen, insgesamt 15.000 Impfstoff-Dosen nach Tschechien zu liefern. Es sei von der Menge her eine "symbolische Maßnahme der Solidarität in der Grenzregion", sagte der Ministerpräsident. Zugleich sei es aber auch eine hilfreiche Maßnahme, denn Bayern brauche die tschechischen Pendler im Gesundheitswesen und in Betrieben. "Wenn die tschechischen Pendler geimpft werden, dann nützt das auch uns sehr stark." Es gehe darum, diesseits und jenseits der Grenze mehr zu immunisieren.

Hohe Inzidenzwerte in Grenzlandkreisen

Dass Bayern und Sachsen bei der Corona-Bewältigung enger zusammenarbeiten wollen, hatte Söder zuletzt schon angekündigt. Das Ziel sei ein möglichst einheitliches Vorgehen. Beide Bundesländer sind durch ihre Grenzen zu Tschechien aktuell besonders gefordert, die Inzidenzwerte in vielen Grenzlandkreisen sind hoch. Söder betonte heute, mehr Impfstoff in die grenznahen Landkreise zu geben.

Auf sächsischer Seite werden ab heute Schulen und Kitas wegen der hohen Infektionszahlen wieder geschlossen. Tschechien ist neben Tirol und der Slowakei als Mutationsgebiet eingestuft. Deshalb gelten bei Einreisen aus diesen Ländern seit zwei Wochen strenge Einreiseauflagen. Aus diesem Grund gibt es derzeit auch verschärfte Grenzkontrollen.

Söder und Kretschmer warnen vor übereilter Lockerung

Am Mittwoch wollen alle Regierungschefs der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten und auch über Öffnungsstrategien sprechen. Söder und Kretschmer warnten vor übereilten Lockerungsschritten.

Der bayerische Ministerpräsident warb für einen "vorsichtigen Weg", um einen "Blindflug in die dritte Welle hinein" zu vermeiden. Kretschmer betonte, angesichts zuletzt steigender Infektionszahlen könnten jetzt keine großen Lockerungen erfolgen. Vielmehr könne es am Mittwoch "nur um kleine Schritte" gehen.

© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

BR24Live: Bayerns Ministerpräsident Söder und der sächsische Ministerpräsident Kretschmer informieren über eine "Covid-19-Allianz" zwischen Bayern und Sachsen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!