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Seniorenheime entwickeln sich wieder zu Hotspots | BR24

© dpa/pa/Fleig / Eibner-Pressefoto

Symbolbild: Seniorin mit Maske.

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Seniorenheime entwickeln sich wieder zu Hotspots

Auch in der zweiten Corona-Welle entwickeln sich immer mehr Senioren- und Pflegeheime zu Hotspots. Größere Ausbrüche gibt es unter anderem in Niederbayern und in Oberfranken. Die Besuchsregeln werden wie in Passau noch einmal verschärft.

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  • BR24 Redaktion

Bereits in der ersten Corona-Welle hatten sich Senioren- und Pflegeheime zu Hotspots mit zahlreichen Infizierten und Toten entwickelt. Auch jetzt, während der zweiten Welle, steigen die Fallzahlen in bayerischen Heimen wieder.

Wie schon zu Beginn der Pandemie nähmen derzeit die Erkrankungen unter älteren Menschen weiter zu, hatte das LGL in der vergangenen Woche mitgeteilt. Da diese häufiger einen schweren Covid-19-Verlauf erleiden, könne ebenso die Zahl der schweren Fälle und Todesfälle steigen, hieß es.

Viele Infizierte in Seniorenheim in Bogen

So haben sich in einem Seniorenheim in der niederbayerischen Stadt Bogen mehr als zwei Drittel der Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt. Nach einer Reihentestung im Heim des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) wurden am Donnerstag 36 neue Fälle gemeldet, wie das Landratsamt mitteilte. Damit seien nun 66 der 96 Bewohner positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Auch 27 der 84 Mitarbeiter der Einrichtung haben sich infiziert.

Die Bewohner, die noch nicht infiziert seien, blieben in dem Heim, das vorwiegend über Einzelzimmer verfüge, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Es ergebe keinen Sinn, die positiv Getesteten anderweitig unterzubringen. Die Durchseuchung sei schon zu groß, hieß es. Bisher seien bei dem Ausbruch, der vor etwa zwei Wochen begonnen habe, drei Bewohner gestorben.

Hohe Mortalitätsrate in Augsburg

Auch aus schwäbischen Heimen werden immer mehr Corona-Fälle gemeldet. So stieg in Augsburg die Mortalitätsrate unter Seniorinnen und Senioren erheblich an. Die Städtische Altenhilfe verzeichnet 14 Covid-Sterbefälle in den zurückliegenden sechs Tagen.

Der Landkreis Dillingen meldete am Freitag 45 neue Corona Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit bei 197, gestern war sie noch bei 146. Etwa die Hälfte der Neuinfektionen sei auf einen Corona-Ausbruch im städtischen Seniorenheim in Wertingen zurückzuführen, so ein Sprecher des Landratsamts. Weitere Fälle werden aus Einrichtungen aus dem Landkreis Dillingen, Friedberg und Memmingen gemeldet.

90 Infizierte in Marktredwitz

In Oberfranken ist unter anderem das Seniorenheim Siebenstern in Marktredwitz im Landkreis Wunsiedel betroffen. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks bestätigte eine Landratsamtssprecherin, dass die Zahl der Corona-Fälle nach Reihentestungen Anfang der Woche weiter gestiegen sind. Insgesamt sind rund 90 Bewohner und Mitarbeiter seit vergangener Woche positiv auf Covid-19 getestet worden.

In Hof ist laut Landratsamt eine Einrichtung vergleichsweise stärker betroffen: Im Seniorenheim "Haus am Klosterhof" stieg die Zahl der infizierten Personen gestern um zwei auf 18. In der Region Bamberg gebe es einzelne Fälle in einzelnen Heimen, heißt es vom dortigen Landratsamt, aber: "Das Ausbruchsgeschehen ist beherrschbar."

Maßnahmen oft schwer umsetzbar

Auch in Mittelfranken gibt es gehäufte Infektionen. So meldete zum Beispiel das Landratsamt in Roth mehrere Corona-Ausbrüche in Pflege- und Seniorenheimen. Viele Heime hätten deshalb die Zugangsmöglichkeiten für Besucher eingeschränkt. Wie Pressesprecherin Andrea Raithel dem BR mitteilte, sei die Lage zwar angespannt, aber durch den enormen Einsatz der Mitarbeitenden im Gesundheitsamt zu bewältigen.

Im Nürnberger Land gab es eine Häufung von Corona-Fällen in einem Senioren- und Pflegeheim, wo sich knapp ein Dutzend Mitarbeiter und drei Dutzend Bewohner infiziert haben. Ein Problem sei, dass einige Personen aufgrund ihrer Demenzerkrankung kaum dazu gebracht werden konnten, die Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, also sich beispielsweise zu isolieren, Maske zu tragen oder Abstände einzuhalten. Zwei über 85-Jährige sind nach einem Krankenhausaufenthalt mit beziehungsweise an der Infektion gestorben.

Zahlen variieren bei Landratsamt und Seniorenheim

Auch ein Seniorenheim im unterfränkischen Ochsenfurt kämpft gegen Corona. Bisher infizierten sich dort 72 Bewohner, 17 starben. Auch 39 Mitarbeiter infizierten sich. Diese Zahlen nannte Dagmar Hofmann, Pressesprecherin des Würzburger Landratsamts, auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Die Zahl der Todesfälle im Haus Fuchsenmühle ist von gestern (26.11.20) 16 auf heute 17 angestiegen. Eine 86-jährige Bewohnerin ist verstorben. Laut Hofmann sind inzwischen 12 Bewohner und 22 Mitarbeiter genesen.

Die Zahlen der Einrichtung selbst unterscheiden sich von denen des Landratsamts. Anke Sostmann, die zuständige Pressesprecherin, nannte dem BR heute (27.11.20) 18 Todesfälle und bislang 81 infizierte Senioren. Aktuell seien 23 Bewohner positiv auf Corona getestet, 40 negativ. Die positiv Getesteten zeigen alle leichte Symptome und werden im Seniorenheim betreut. Kein Bewohner ist aktuell zur Behandlung im Krankenhaus. Nach wie vor sind alle Infizierten isoliert. Sie befinden sich in Bereichen, die von den gesunden Bewohnern getrennt sind.

Oberpfälzer Seniorenheim will Walkie-Talkies einsetzen

In der Oberpfalz scheinen einige Hygienemaßnahmen bei Seniorenheimen dagegen offenbar zu wirken, wie eine BR-Umfrage in diesen Einrichtungen ergab. Die Zahl der positiv Getesteten sei zurückgegangen, hieß es. Im Elisabethenheim in Schwandorf gibt es zudem die Überlegung, neben wöchentlichen Reihentestungen, Walkie-Talkies einzuführen um durch eine Fensterscheibe den Kontakt mit den Angehörigen zu ermöglichen.

Auch im Anfangs stark betroffenen Seniorenheim in Berching (Lkr. Neumarkt in der Oberpfalz) gibt es seit kurzer Zeit ein weiteres Mittel zum Infektionsschutz: Schnelltests für Besucher. Das hat die Abteilungsleiterin der Diözese Eichstätt Hedwig Kenkel auf BR-Anfrage mitgeteilt. Derzeit sind es noch fünf von anfänglich 80 positiv getesteten Bewohnern im Seniorenheim.

Verschärfte Besuchsregeln in Passau

In Passau - die Stadt ist nach dem Landkreis Hildburghausen in Thüringen derzeit Deutschlands Hotspot Nummer zwei - werden die Besuchsregeln für Altenheime noch einmal verschärft. Wer einen Angehörigen in einem Altenheim besuchen will, muss vorher einen Schnelltest machen und damit nachweisen, dass er nicht infiziert ist.

Zudem müssen Besucher FFP2-Masken tragen. Mitarbeiter müssen zudem verpflichtende, wöchentliche Schnelltests machen.

Suche nach Personal

Zugleich wird - auch in Krankenhäusern - ein Engpass beim Personal befürchtet. In der Frankenwaldklinik in Kronach arbeiten inzwischen auch Beschäftigte weiter, die Kontaktpersonen von Coronavirus-Infizierten sind. Die Mitarbeiter müssen sich vor und nach der Arbeit in häusliche Quarantäne begeben.

Weil immer mehr Pflegekräfte in Heimen infiziert sind oder in Quarantäne müssen, sucht zum Beispiel der Landkreis Landshut derzeit nach Personal. So sollen sich Menschen beim Landratsamt melden, die bereit sind "vorübergehend zum Beispiel im Rahmen einer kurzfristigen oder geringfügigen Beschäftigung auszuhelfen".

Mitarbeiter "fix und fertig"

Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Bernd Meurer, schlug unterdessen Alarm. Niemand könne erwarten, dass "wir mit Mitarbeitenden in Quarantäne gleichzeitig die pflegebedürftigen Menschen gut versorgen, reihenweise Schnelltests durchführen und auf Stand-by stehen, um zusätzliche Besucher jederzeit zu testen."

"Ein Pflegeheim mit 100 Plätzen müsse auch jetzt mit 600 Besuchen im Monat umgehen. Da wirkt die Diskussion um die Zahl der Teilnehmer privater Weihnachtsfeiern nur noch skurril." Bernd Meurer vom Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste

Die Mitarbeiter in den Heimen seien "fix und fertig".

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© BR

Antigen-Schnelltests lassen hoffen, dass Besuche in Alten- und Pflegeheimen sicherer werden. Aber die Tests sind unzuverlässiger als PCR-Tests und dürfen nur von Fachkräften abgenommen werden. Das ist im Pflege-Alltag nur schwer zu stemmen.