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Corona-Rekordanstieg in Nachbarland Tschechien | BR24

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Furth im Wald: Autos fahren an der deutsch-tschechischen Grenze Richtung Tschechien.

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    Corona-Rekordanstieg in Nachbarland Tschechien

    Im Nachbarland Tschechien - das an Niederbayern, die Oberpfalz und Oberfranken grenzt - breitet sich das Coronavirus rasant aus. Die Bundesregierung hat eine Reisewarnung für die Hauptstadt Prag ausgesprochen und erklärte sie zum Risikogebiet.

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    In Tschechien breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus. Das geht aus den Zahlen des tschechischen Gesundheitsministeriums hervor. Die Bundesregierung sprach am Mittwochabend eine Reisewarnung für die am stärksten betroffene Hauptstadt Prag aus und erklärte sie zum Risikogebiet. Wer aus Prag etwa nach Niederbayern, Oberfranken und die Oberpfalz zurückkehrt, muss sich in Quarantäne begeben und auf Corona testen lassen. Wie viele tschechische Berufspendler, die bei uns arbeiten, von der Quarantäne-Pflicht betroffen sind, ist noch unklar.

    WHO: Anstieg ist "besorgniserregend"

    Bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen wurde in Tschechien ein neuer Rekordwert erreicht. Am Dienstag kamen 1.164 Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium in Prag am Mittwoch bekanntgab. Der bisherige Höchstwert innerhalb von 24 Stunden hatte bei knapp 800 gelegen. Die Gesamtzahl der aktiv Infizierten stieg damit auf rund 9.300. Es wurden bisher insgesamt 441 Todesfälle mit einer Covid-19-Erkrankung in Verbindung gebracht. Tschechien hat nur knapp 10,7 Millionen Einwohner.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte den jüngsten Anstieg bereits am Vortag als "besorgniserregend" bezeichnet. Der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtech gab nun bekannt, dass vom Donnerstag an landesweit eine Maskenpflicht in allen Innenräumen außerhalb der eigenen Wohnung gelte. Betroffen davon sind auch Büros, nicht aber Klassenzimmer. Ausgenommen sind unter anderem Kinder unter zwei Jahren. Bereits zuvor musste in öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mundschutz getragen werden.

    "Wir rufen alle Bürger zu maximaler Verantwortung und der Einhaltung grundlegender Hygieneregeln auf", teilte der 33 Jahre alte Minister der populistischen Partei ANO mit. In den sozialen Netzwerken stieß die Ankündigung Vojtechs überwiegend auf Kritik. Dem tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis wurde vorgehalten, dass er erst im Juni erklärt habe, es werde künftig keine flächendeckenden Maßnahmen mehr geben. Eine Corona-Ampel sollte regional begrenzte Verschärfungen ermöglichen.

    "Schwerer Herbst" steht bevor

    Die Regierung in Prag hatte Mitte März als eine der ersten eine Maskenpflicht eingeführt und die Grenzen geschlossen, die Maßnahmen aber später wieder zurückgefahren. Nun sagte Regierungschef Babis, der sein Land zu Beginn der Pandemie als einen Musterschüler präsentiert hatte, man stehe vor einem "schweren Herbst".

    Beobachter gehen davon aus, dass der jüngste Anstieg auch mit dem Ende der Sommerferien und der Rückkehr zahlreicher Urlauber zusammenhängen dürfte. Zu den beliebtesten Reiseländern der Tschechen zählt traditionell Kroatien, wo die Corona-Zahlen zuletzt ebenfalls gestiegen waren.

    Staatliche Hilfen für Tourismusbranche gefordert

    Mit der Einstufung Prags als Risikogebiet muss die Tourismusbranche der Moldau-Metropole einen neuerlichen Schlag verkraften. Vor dem Rathaus der Stadt demonstrierten am Mittwochnachmittag mehrere hundert Fremdenführer, die über existenzbedrohende Verdienstausfälle klagten. Sie hielten Schilder mit dem Notsignal "SOS" hoch. "Wir brauchen einen Rettungsring", forderte eine Sprecherin ihrer Berufsvertretung und forderte staatliche Hilfen.

    IHK besorgt wegen Corona-Entwicklung in Tschechien

    Die IHK Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim beobachtet die aktuelle Corona-Entwicklung in Tschechien mit steigenden Infektionszahlen mit Sorge. Der Chamer IHK-Geschäftsführer Richard Brunner teilte dem Bayerischen Rundfunk auf Anfrage mit, dass die Wirtschaft in Bayern und insbesondere die Unternehmen in der Region Ostbayern über Lieferketten und den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt stark vernetzt seien. Abgesehen von den Einschränkungen bei Geschäftsreisen sollte die Einstufung von Prag zum Corona-Risikogebiet durch die Bundesregeirung und die damit verbundene Reisewarnung zwar erst einmal keine unmittelbaren Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft haben. Allerdings:

    "Durch die hohe Zahl von Pendlern aus der tschechischen Nachbarregion erhöhe sich das Risiko für die Wirtschaft in den bayerischen Grenzregionen." IHK Geschäftsführer Richard Brunner

    Derzeit sind in der Oberpfalz und Kelheim über 13.000 Fachkräfte aus Tschechien beschäftigt - davon überwiegend Berufspendler mit Wohnsitz in Tschechien. In den Landkreisen Tirschenreuth und Cham seien die Anteile der regionalen Beschäftigung mit rund zehn Prozent am höchsten.

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