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Corona-Reihentests: Ergebnisse wären schneller möglich | BR24

© dpa-Bildfunk / Karl-Josef Hildenbrand

Corona-Abstrich

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    Corona-Reihentests: Ergebnisse wären schneller möglich

    Um das Coronavirus einzudämmen, hat die bayerische Regierung die Reihentestungen ausgeweitet. Hausärzte und teils auch Gesundheitsämter stoßen an Grenzen. Die Folge: Langes Warten auf Ergebnisse. Gleichzeitig liegen an Unikliniken Kapazitäten brach.

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    In Bayern arbeiten Gesundheitsbehörden und Mediziner weiter mit Hochdruck daran, die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen. Die bayerische Staatsregierung setzt dabei vor allem auch auf Reihentestungen. Sie zu stemmen bringt die Gesundheitsämter und niedergelassene Ärzte an ihre Grenzen - auch im Raum Würzburg. Gleichzeitig liegen an der Uniklinik Testkapazitäten brach. Schuld an dem Widerspruch ist das Abrechnungssystem.

    Corona-Reihentestungen werden sowohl präventiv durchgeführt – etwa bei Erntehelfern – als auch bei Personen, die Kontakt mit Infizierten hatten. Getestet werden die sogenannten Kontaktpersonen ersten Grades.

    Ärzte und Mitarbeiter kommen an ihre Grenzen

    Doch die steigende Anzahl der Tests bringe Ärzte und Mitarbeiter der Gesundheitsämter immer mehr an ihre Grenzen, sagt Andreas Kaunzner, Arzt im Gesundheitsamt Aschaffenburg und Beisitzer im Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

    Aktuell hätten die Ärzte im Gesundheitsamt es geschafft, in einem fleischverarbeitenden Betrieb über 300 Personen zu testen. "Wenn man alle Kräfte aufbietet, schafft man schon noch erstaunlich viel. Aber es ist auf Dauer nicht so einfach mehr zu leisten", berichtet Kaunzner. Er habe Kollegen, die mehr als 400 Überstunden hätten.

    "Wir sind schon im Grenzbereich dessen, was möglich ist." Andreas Kaunzner, Arzt im Gesundheitsamt Aschaffenburg

    Uniklinik Würzburg darf Reihentest-Abstriche nicht abrechnen

    Gleichzeitig liegt die Teststrecke auf dem Gelände der Würzburger Uniklinik fast brach. In der Corona-Hochphase wurde sie jeden Tag bis zu sieben Stunden genutzt, momentan ist sie an drei Tagen jeweils zweieinhalb Stunden geöffnet, es werden leidlich einzelne Verdachtsfälle und Mitarbeiter getestet, erklärt Prof. Oliver Kurzai vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg.

    Das Problem: Die aktuelle bayerische Teststrategie habe eine klare Festlegung: "Nahezu alle Tests dürfen nur von Vertragsärzten gemacht und abgerechnet werden", erläutert Kurzai. Er finde das sehr bedauerlich, denn die Infrastruktur würde es erlauben, sehr viele Patienten in kurzer Zeit abzustreichen.

    Uni packt trotzdem mit an

    Derzeit werde die Teststrecke mit Hilfe einer Kulanzlösung betrieben: Wenn an der Uniklinik von Kontaktpersonen im Auftrag des Gesundheitsamts Abstiche genommen würden, schicke das Gesundheitsamt Personal, das bei den Abstrichen hilft. Dafür stelle die Uniklinik Infrastruktur, Räumlichkeiten und Dokumentationssoftware zur Verfügung. Das sei aber nicht gegenfinanziert, sondern von beiden Seiten "eine Good-Will-Aktion angesichts fehlender Alternativen", so der Professor.

    Professor: Uni-Labore können viel schneller testen

    Ein weiterer Vorteil der Teststrecke: Die Labore der Universität befinden sich in unmittelbarer Nähe, die Ergebnisse seien laut Kurzai spätestens am nächsten Tag da – während Hausärzte auf die Ergebnisse kleiner Labore teils bis zu zwei Tage warten müssten.

    "Selbst, wenn die Teststrecke auf Volllast läuft, könnten wir alle Abstriche problemlos untersuchen." Und: Je zentraler die Testungen durchgeführt werden, desto schneller habe man einen Überblick, was die Dynamik der positiven Tests angeht, desto schneller könne man reagieren, so Kurzai: "Dann kann man sehr schnell mit dem Gesundheitsamt Rücksprache halten und überlegen: Was ist der Grund? Gibt es eine zufällige Häufung oder einen Ausbruch?"

    Ärzte fürchten Reiserückkehrer und Grippesaison

    Auch Dr. Christian Pfeiffer, Allgemeinmediziner und Bezirksvorsitzender Unterfranken im Bayerischen Hausärzteverband, hält eine Unterstützung der Hausärzte durch die Uni Würzburg für "hilfreich und sinnvoll". Derzeit seien die Reihentestungen, sofern sie planbar sind, noch zu stemmen. Allerdings richtet sich sein banger Blick in Richtung Herbst: "Dann kommen die Reiserückkehrer, und auch Erkältungen und Virusgrippe werden nicht ausbleiben. Und wenn dann auch noch Reihentests gemacht werden, wird es eine Herausforderung für alle."

    Gesundheitsamt Würzburg sieht keinen Anlass zur Sorge

    Das Gesundheitsamt Würzburg hingegen sieht sich aktuell gut aufgestellt. Wie eine Sprecherin dem BR auf Anfrage mitteilte, könne man derzeit die erforderlichen Reihentestungen in Zusammenarbeit mit Vertragsärzten sowie mit der punktuellen Unterstützung des Bayerischen Roten Kreuzes durchführen.

    Bei der aktuellen epidemiologischen Lage in Stadt und Landkreis Würzburg seien die Laborkapazitäten ausreichend. Und weiter: "Sicher sind die Labors in der Lage, ihre Kapazitäten signifikant auszuweiten."

    Neue Teststrecke in Würzburg

    Zudem haben Stadt und Landkreis Würzburg auf dem Gelände der Talavera eine gemeinsame Teststrecke vorbereitet. Sie könne bei Bedarf innerhalb von 24 Stunden in Betrieb genommen werden und sei in der Lage, drei Teststraßen parallel zu bedienen – eine davon für Fußgänger und Radfahrer. In den letzten Wochen sei diese einmal für eine Reihentestung aktiviert worden, heißt es aus dem Amt.

    Keine Stellungnahme aus Gesundheitsministerium

    Vom bayerischen Gesundheitsministerium war bis Samstagmorgen keine Stellungnahme zu bekommen.

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