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Leichte Sprache

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Corona-Regeln in Leichter Sprache aus Regensburg

Das Büro "Sag's einfach" in Regensburg übersetzt schwierige Sätze in Leichte Sprache. Zur Zielgruppe gehören vor allem Menschen, die aufgrund einer Behinderung kognitiv eingeschränkt sind. Auch Menschen mit mangelnden Deutschkenntnissen profitieren.

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Von
  • Meike Föckersperger

Um Texte leichter verständlich zu machen, übersetzt das Büro "Sag's einfach" in Regensburg schwierige Texte in Leichte Sprache. Träger des Büros ist die katholische Jugendfürsorge. Rund acht Millionen Menschen gehören zur Zielgruppe Leichter Sprache. Zur Zeit ein wichtiges Feld: die Coronaregeln einfach erklären.

Leichte Sprache hat bestimmte Regeln

Seit sieben Jahren übersetzt Büro-Leiter Sebastian Müller zusammen mit zwei Mitarbeitern Texte für Menschen mit Lernbehinderungen, Analphabeten oder Gehörlose. Er ist Sozialpädagoge, schloss seinen Master im Studiengang "Inklusion - Exklusion" ab und hat selbst eine Behinderung. Die sogenannte "Leichte Sprache" hat auch ein Regelwerk, das der Verein "Netzwerk Leichte Sprache" vor 15 Jahren entwickelt hat.

Was ist Leichte Sprache?

Das Grundprinzip von Leichter Sprache lautet: Es werden einfache Worte benutzt. Und die Sätze sind kurz. Leichte Sprache bedeutet auch: Bilder erklären den Text.

© Büro Sag's Einfach Regensburg
Bildrechte: Büro Sag's Einfach Regensburg

Beispiel: Corona-Regeln in Leichter Sprache auf der Seite des Sozialministeriums

Wie entsteht Leichte Sprache?

Die Sätze müssen kurz sein, maximal eine Information und etwa zehn Worte pro Satz. Fremdwörter und andere schwierige Wörter müssen erklärt oder vermieden werden. Jeder Satz muss in einer neuen Zeile stehen. Neben den Texten ist dann jeweils ein Bild zu sehen, auf dem Comic-Figuren die Situation darstellen.

Nachdem der Text "übersetzt" wurde, wird er einer Prüfgruppe vorgelegt. Sie besteht aus Menschen mit geistiger Behinderung, die beurteilen, wie verständlich ein Text ist. Erst wenn jeder in der Prüfgruppe alle Informationen verstanden hat, wird der Text veröffentlicht.

Wer verwendet Leichte Sprache?

Zur definierten Zielgruppe von Leichter Sprache gehören rund acht Millionen Menschen in Deutschland. Darunter sind auch Menschen mit mangelnden Deutschkenntnissen. Aber: Leichte Sprache richtet sich vor allem an Menschen, die aufgrund einer Behinderung kognitiv eingeschränkt sind. Das entspricht etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Wo gibt es weiteren Bedarf?

Gaby Eisenhut ist stellvertretende Leiterin der Stiftung für an Krebs erkrankte und behinderte Kinder (KreBeKi) aus Regensburg. Auch sie hat schon Texte von Sebastian Müller in Leichte Sprache übersetzen lassen. Ihrer Meinung nach ist Leichte Sprache essentiell für Betroffene: "Die Betroffenen wollen genauso wie alle anderen Menschen teilhaben. Auch an Veranstaltungen, Hörbeiträgen, Filmbeiträgen, überall wo eben auch schwierige Sprache benutzt wird. Die Leichte Sprache ist für mich ein Hilfsmittel, um schwierige Sprache zu verstehen."

Ganz wichtig sei laut Eisenhut Leichte Sprache in Schulen anzuwenden. "Homeschooling ist für Kinder mit Beeinträchtigungen ganz schwierig." Auch in Museen oder Universitäten bedarf es laut Experten Leichter Sprache. Eisenhut wünscht sich: "Überall wo schwierige Texte sind, sollte es künftig auch Texte in Leichter Sprache geben. Zum Beispiel auch in Tageszeitungen oder in sämtlichen Lerninhalten."

Leichte Sprache benötigt viel Hintergrundwissen

Leichte Sprache bedeutet nicht, dass der Text insgesamt kurz sein muss oder weniger Wörter verwendet werden. Für Texte in Leichter Sprache braucht man wesentlich mehr Hintergrundwissen, das man als Erklärungen einbaut.

"FFP2-Maske" in Leichte Sprache übersetzt bedeutet: Eine FFP2-Maske ist eine besonders sichere Maske. Damit kann man sich besser vor Corona schützen. FFP ist eine Abkürzung. Die Abkürzung heißt filtering face piece. Das spricht man filter-ing fäes pies. Das ist Englisch und bedeutet ungefähr: Teil im Gesicht, das vor Viren schützt. FFP2-Masken-Pflicht heißt: Jeder Mensch muss an bestimmten Orten eine FFP2-Maske tragen.

Im Text in Leichter Sprache werden deutlich mehr Buchstaben verwendet, um den Inhalt zu erklären. Neben Menschen mit Lernschwierigkeiten profitieren auch Menschen ohne Behinderungen von Leichter Sprache. Eisenhut hat immer wieder festgestellt, dass Flyer in Leichter Sprache viel schneller vergriffen waren als andere Flyer.

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