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Corona-Regeln gelten - auch bei Frühlingsgefühlen im Freien | BR24

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Zwei Menschen sitzen auf einer Parkbank

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    Corona-Regeln gelten - auch bei Frühlingsgefühlen im Freien

    Das schöne Wetter in Bayern lockt immer mehr Menschen ins Freie – verständlich nach Monaten des Lockdowns. Doch mit volleren Parks und Plätzen rollt auf die Polizei eine Herausforderung zu: denn noch gelten trotz Frühlingsgefühlen die Corona-Regeln.

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    Von
    • Johannes Reichart
    • Stefanie Wagner

    17 Grad und Frühling – der Englische Garten in München lädt zum Picknicken und zum ersten Volleyball- oder Fußballspiel ein. Wären da nicht die Corona-Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Diese gelten auch bei schönem Wetter, betont Sprecher Andreas Franken von der Münchner Polizei: "Der Winter war lang, die Sonne scheint und der Drang nach Draußen ist da, was wir nachvollziehen können. Aber wofür wir kein Verständnis aufbringen, ist, wenn man sich in der aktuellen Pandemie-Lage, in der wir uns immer noch befinden, nicht an die geltenden Corona-Bestimmungen hält", so Franken.

    Wie im Englischen Garten fahren in ganz München Polizisten Streife durch öffentliche Parks und Plätze, weisen auf die Regeln hin, lösen Ansammlungen von Gruppen auf und verteilen Platzverbote. Für die Beamten keine schöne Arbeit, erklärt der Polizeisprecher:

    "Es wird manchmal unterstellt in der aktuellen Diskussion, dass die Polizei eine Wahl hätte, ob sie jetzt diese Verordnungen überwacht oder nicht. Dem ist mitnichten so. Was wir machen ist, dass wir verhältnismäßig vorgehen: wir mahnen an, wir appellieren. Aber wenn wir merken, dass dieser Appell nicht fruchtet, dann schreiten wir auch entsprechend konsequent ein." Andreas Franken, Polizei München

    470 Verstöße am Wochenende allein in München

    Rund 4.000 Kontrollen zählte die Polizei am Wochenende allein in der Landeshauptstadt und stellte dabei mehr als 470 Verstöße fest, die mit Bußgeldern geahndet wurden. Unter anderem ein Skateboard-Treff von 180 Jugendlichen in Neuperlach oder ein Junggesellinnen-Abschied mit 40 Personen, viele ohne Masken.

    Voll war es am Wochenende auch in anderen bayerischen Städten. An der Würzburger Mainpromenade herrschte ebenso großer Andrang wie am Regensburger Donauufer. Die Walhalla in Donaustauf musste sogar vorübergehend für Besucher gesperrt werden. In Passau bevölkerten hunderte Spaziergänger und Sonnenhungrige die Innpromenade - und hielten es nicht ganz so genau mit der hier geltenden Maskenpflicht und Abstandhalten. Die Polizei spricht von einer "grenzwertigen Situation" und kündigt verstärkte Kontrollen an.

    Für die Beamten ist es immer ein schmaler Grat zwischen Sorge um Einhaltung der geltenden Verordnungen und kleinlichem Zurechtweisen. Jürgen Ascherl vom Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft wirbt um Verständnis:

    "Die Polizei setzt die Maßnahmen um, die die Politik getroffen hat. Und aber auch zum Schutz der Bevölkerung. So sollte man es auch mal sehen." Jürgen Ascherl, Deutsche Polizeigewerkschaft Landesverband Bayern

    Nicht jeder einzelne Spielplatz wird kontrolliert

    Was man derzeit ebenso sieht: Wo die Polizei nicht vor Ort ist, da wird oft leichtfertig über die Regeln hinweg gesehen, zum Beispiel beim Fußballspiel. Auch auf Spielplätzen stehen manche Eltern enger beieinander, als eigentlich erlaubt. Die Polizei könne ihre Augen eben nicht überall gleichzeitig haben, sagt der Polizei-Gewerkschafter:

    "Es gibt verstärkt natürlich Örtlichkeiten wie eben der Englische Garten, aber auch Fußgängerzone und Gärtnerplatz, wo wir wissen, das sind Hotspots, da wird aktiv vorgegangen. Aber wir kontrollieren nicht jeden Spielplatz", erklärt Ascherl.

    Zollstock sorgt für Aufregung in sozialen Netzwerken

    Am Wochenende sorgte ein Foto einer Polizeistreife in München für viele böse Kommentare in den sozialen Netzwerken: Mit einem Zollstock in der Hand kontrollierten Beamte im Englischen Garten die Abstände zwischen einzelnen Besuchern. "Schildbürgertum" und "Schikanierung" – so einige der Kommentare. Der Münchner Polizeisprecher stellt klar: Der Meterstab sei nicht zur Disziplinierung genutzt worden, sondern als "kreatives Mittel": "Da sind die Kolleginnen und Kollegen auch kreativ und zeigen auch gerne mal anhand von einem Maßstab, wie viel denn tatsächlich eineinhalb Meter sind", so Polizeisprecher Franken. Das diene nur zur kommunikativen Unterstützung

    Fragt man die Parkbesucher, so findet eine Mehrheit Polizei-Kontrollen grundsätzlich gut: "Wir brauchen vermutlich die Unterstützung der Polizei, um täglich dran erinnert zu werden", sagt ein junger Mann im Englischer Garten. Und seine Freundin ergänzt: "An sich finde ich es schon gut, weil die Zahlen steigen ja schon wieder und irgendwie muss man es ja eindämmen." Ein Student dagegen ist genervt von den Kontrollen: "Leute, die wirklich gegen Gesetze verstoßen, die könnten die auch verfolgen, statt Studenten, die nach der Klausurenphase eine gute Zeit haben wollen."

    Die Aufgabe wird für die Polizei wohl auch nicht leichter: Mit den warmen Temperaturen und der allgemeinen Lockdown-Müdigkeit geraten die Corona-Regeln wohl zunehmend in den Hintergrund.

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