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Pilotprojekt Neubiberg: Können Luftfilter Klassenteilung verhindern?

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Corona: Raumlüfter sollen den Schülern das Frieren ersparen

Raumluftreiniger statt ständig Lüften, darauf setzt die Grundschule in Neubiberg bei München. In einem Pilotprojekt wird nun in alle Klassenzimmer ein Luftreiniger eingebaut. So soll das Ansteckungsrisiko mit Covid19 deutlich reduziert werden.

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Er sieht aus wie ein großer Kühlschrank, der neue Luftreiniger für die erste Klasse. Noch diese Woche ist er einsatzbereit. Nach den Forschungsergebnissen von Prof. Dr. Christian Kähler werden die Aerosolpartikel und Viren durch diesen Luftreiniger sehr effizient abgeschieden. Der Wissenschaftler für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München hat mit seiner Studie den Gemeinderat Neubiberg überzeugt. Rund 150.000 Euro investiert die Gemeinde in die neuen Geräte.

Ein Hauch von Normalität

Schulleiterin Susanne Sieben ist begeistert, denn jetzt kann sie an der Tafel die Maske abnehmen, der Luftreiniger steht genau neben ihr. So fühlten sich die Kolleginnen und Kollegen sicherer und ein bisschen Normalität kehre ein. Und gerade beim Buchstabenlernen für die Erstklässler oder im Englischunterricht nehme die Maske soviel Deutlichkeit, dass es schwer sei zu lehren und zu lernen. Gelüftet werde in Neubiberg aber trotzdem noch, schmunzelt sie, schon allein wegen der Frischluft.

Bald ohne Maske im Klassenzimmer?

Mit dem Konzept von Luftreiniger plus Trennwänden könnten die Kinder am Platz auch die Maske abnehmen, davon ist Christian Köhler überzeugt, solange die Kinder den Platz nicht verlassen. Wer im Klassenzimmer herumläuft, sollte aber einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Rettungsanker für die Gastronomie

Diese Kombination sei auch für die Gastronomie denkbar. Die Bundeswehruniversität hat in einem Restaurant in München Testversuche unternommen. Kählers Fazit: Selbst in unlüftbaren Kellergewölben oder in verwinkelten Lokalen würde sich die Virenlast deutlich reduzieren. In einem 80 Quadratmeter Raum halbiere sich die Aerosolkonzentration innerhalb von 6-15 Minuten.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ließ sich in der Schule in Neubiberg die Funktion heute zeigen. Mobile Luftreiniger seien eine pragmatische Ergänzung zum Hygienekonzept, so der Minister. Die Investition, rund 5.000 Euro pro Gerät, werde im Rahmen der aktuellen Überbrückungshilfe II gefördert.

Drei Kriterien für effektive Reiniger

Laut der Empfehlung von Christian Kähler ist es wichtig, dass die Geräte groß genug sind, um das sechsfache des Raumvolumens zu filtern. Zudem müssen sie mit einem hochwertigen Filter betrieben werden und sollen leise sein. Denn sonst nervt das Geräusch und das Gerät wird abgeschaltet. Denn ständig laufen muss es schon, damit die Luft kontinuierlich gesäubert wird.

Stoßlüften contra Luftreiniger

Kritiker der Raumlüfter führen an, dass Stoßlüften genauso für den richtigen Austausch von Luft sorge und die Virenlast deutlich senke. Dem widerspricht Physiker Kähler. Denn selbst wenn alle 20 Minuten drei bis fünf Minuten lang die Fenster geöffnet würden, sinke die Virenlast im Mittel nur um etwas mehr als die Hälfte. Außerdem müsse man den Temperaturunterschied von drinnen und draußen ermitteln. Wirklich wirksam gelüftet sei, so der Wissenschaftler, erst wenn es drinnen nach dem Lüften so kalt sei wie draußen.

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