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Corona-Quarantäne fördert Online-Spielsucht | BR24

© BR/Rudolf Heinz

Bis zu sechs Stunden täglich saß Manfred Böhm aus Auerbach vor Spielautomaten und hat dabei nicht nur Geld, sondern auch seine Familie verloren.

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Corona-Quarantäne fördert Online-Spielsucht

Die Quarantäne zwingt Menschen, zuhause zu bleiben. Das wissen auch die Anbieter von Online-Casinos. Sie werben gerade intensiv damit, online zu zocken. Manfred Böhm aus Auerbach (Lkr Amberg) warnt davor: Er weiß, wie es ist, spielsüchtig zu sein.

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Der Corona-Alltag ist für viele in Bayern mittlerweile zu einer Herausforderung geworden. Wenn dann auch noch Kurzarbeit hinzu kommt, bedeutet das für viele pure Langeweile. Um sich die Zeit zu vertreiben, probieren viele derzeit Online-Casinos aus. Doch Vorsicht, dieser Zeitvertreib kann schnell in eine Sucht führen und ist vor allem illegal.

Ehemaliger Spielsüchtiger erzählt: "Du blendest alles aus."

Manfred Böhm aus Auerbach in der Oberpfalz hat es hinter sich. Er weiß, wie es sich anfühlt, spielsüchtig zu sein. Bis zu sechs Stunden täglich saß der 55-Jährige vor Spielautomaten und hat dabei nicht nur Geld, sondern auch seine Familie verloren. Mit 16 hat alles angefangen. Damals zockte er nur gelegentlich. Im Laufe der Zeit ist es immer mehr geworden, erzählt Böhm: "Du blendest alles aus. Du siehst nur noch den Automaten. Du siehst die Rollen, die Walzen - man schaltet alles andere weg."

Online-Casinos sind illegal

Was viele nicht wissen, Online-Casinos sind in Deutschland illegal. Das bestätigt auch Konrad Landgraf von der Glücksspielsucht Bayern: "Ausgenommen von Schleswig-Holstein sind Online-Casinos im Rest von Deutschland ein komplett illegales Angebot. Das ist auch richterlich bestätigt. Schleswig-Holstein ist 2012 aus dem laufenden Glücksspielstaatsvertrag ausgeschert und hatte eine eigene Regelung geschaffen. Die Casinos werden dort seitdem mit einer Ausnahmegenehmigung weiterbetrieben."

Das heißt, wer Online-Casinos nutzt, macht sich strafbar. Landgraf fordert die Behörden auf, endlich die Anbieter zur Rechenschaft zu ziehen und nicht die Spieler. Das Problem: Viele Anbieter haben ihren Sitz im Ausland und sind für die Behörden schlichtweg nicht greifbar.

Online-Casinos werben in der Corona-Krise mehr denn je

Ablenkung ist für viele im Corona-Alltag ein Segen, denn die Quarantäne zwingt die Menschen, zu Hause zu bleiben. Das wissen auch die Anbieter von Online Casinos. Sie werben momentan intensiv damit, online zu spielen. Online-Zocken, an jedem Ort, zu jeder Zeit, solange du willst. Spielerschutz - Fehlanzeige!

Bei den bayerischen Spielbanken sieht es da anders aus, hier fordert der Gesetzgeber nämlich gleich mehrere Schutzmechanismen, bestätigt Friederike Sturm, Präsidentin von Lotto Bayern: "Es ist ein Ausweis vorzuzeigen. Sie müssen mindestens 21 Jahre alt sein. Sie werden gegen eine bundesweite Sperrdatei abgeglichen. Da wird nachgesehen, ob sie spielen dürfen. Wenn sie dann bei uns im Spielsaal sind, haben wir natürlich viele gute geschulte Mitarbeiter, die darauf achten, wie sie sich verhalten."

Online-Casinos ab 2021 legal

Im Juli nächsten Jahres soll es einen neuen Glücksspielstaatsvertrag geben. Dann sollen Online-Casinos legalisiert werden. Der Ex-Spielsüchtige Manfred Böhm kann da nur den Kopf schütteln. Er glaubt, dass dadurch vor allem Jüngere in den Glücksspielsumpf geraten und - so wie er - viel Geld verzocken.

Mit Hilfe einer Therapie hat es Manfred Böhm geschafft, seine Spielsucht zu besiegen. Seit zehn Jahren ist Manfred jetzt trockener Spieler mit einem neuen Leben, wie er sagt.

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