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Corona-Patienten: Entspannung auf der Intensivstation | BR24

© BR / Kontrovrs 2020

Das Münchner Uniklinikum Rechts der Isar war eines der ersten, das Corona-Patienten behandelt hat und forscht seitdem an Medikamenten gegen das Virus. Das BR-Magazin Kontrovers hat die Ärzte dort über Wochen begleitet.

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Corona-Patienten: Entspannung auf der Intensivstation

Das Münchner Uniklinikum Rechts der Isar war eines der ersten, das Corona-Patienten behandelt hat und forscht seitdem an Medikamenten gegen das Virus. Das BR-Magazin Kontrovers hat die Ärzte dort über Wochen begleitet.

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Es ist der 12. März 2020, ein milder Frühlingstag. Gegen 15 Uhr verstirbt der erste Patient nach einer Infektion mit Covid-19 in Bayern. Man erwartet eine riesige Welle an Erkrankten mit dem Coronavirus, die den Alltag aller Kliniken über Wochen dominieren wird. So auch im Münchner Uniklinikum Rechts der Isar. Oberarzt Dr. Michael Dommasch aus der Notaufnahme und sein Kollege Dr. Christoph Spinnner von der Infektiologiestation ahnen zu diesem Zeitpunkt bereits, dass die Corona-Pandemie sich nicht mehr aufhalten lässt.

Erste Maßnahmen im Uniklinikum

Die Ambulanz im Uniklinikum Rechts der Isar ist bereist umstrukturiert. Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen für den Fall, dass Menschen mit einer Corona-Infektion ankommen. Auch die Infektiologiestation hat aufgerüstet. Die Schutzkleidung für Pflegekräfte und Ärzte erinnert eher an eine Taucherausrüstung als an medizinische Ausstattung. Selbst für ihn als Arzt sei es eine ungewohnte Situation, erzählt Infektiologe Dr. Christoph Spinner.

"Natürlich hatte ich zunächst auch mal Gedanken an die eigene Gesundheit. Denn obwohl wir regelmäßig üben, wie die Schutzkleidung an- und abgelegt wird, war das erste Gefühl mulmig." Dr. Christoph Spinner, Leiter Infektiologie, Klinikum Rechts der Isar, TU München

Immer mehr Covid-19-Erkrankte auf Intensivstation

Bei vielen Covid-19-Erkrankten verschlechtert sich ihr Zustand so, dass sie auf die Intensivstation verlegt werden müssen. Die erste von zwei Intensivstationen steht ausschließlich für sie zur Verfügung. Infektiologe Dr. Christoph Spinner muss eine Unterdruckschleuse passieren, bevor er zu den Schwererkrankten gelangt.

Noch gut Beatmungsgeräte vorhanden

Für die Ärzte ist die Behandlung von Covid-19 Neuland, denn niemand weiß genau, wie man die Krankheit am besten behandelt. Die Bilder aus Italien sorgen für Verunsicherung. Dennoch ist man hier von solchen Zuständen noch weit entfernt. Auch, weil in Deutschland ein Vielfaches an Beatmungsgeräten vorhanden ist.

Forschung an Remdesivr

Infektiologe Dr. Christoph und seine Kollegen setzen bei der Therapie Hoffnung auf ein bekanntes Medikament: Remdesivir. Es wurde ursprünglich gegen Ebola entwickelt. Das Uniklinikum ist an einer internationalen Studie beteiligt. Seit Kurzem ist Remdesivir nun in den USA bei der Behandlung von Covid-19-Erkrankten zugelassen worden. Die Studien zeigen, dass das Medikament die Krankheitsdauer bei schweren Verläufen um drei bis fünf Tage verkürzen kann.

Im April auch zweite Intensivstation gefüllt

Im Uniklinikum Rechts der Isar ist im April inzwischen auch die zweite Intensivstation mit Covid-19-Erkrankten belegt. Zeitweise liegen über 35 Menschen hier, die künstlich beatmet werden müssen. Täglich kommen neue dazu und immer wieder sterben Menschen auch an den Folgen der Covid-19-Infektion – trotz umfassender medizinischer Hilfe.

Abschied fast ausgeschlossen

Die Angehörigen von Verstorbenen dürfen auf Grund der Infektionsgefahr keinen Abschied nehmen. Das geht auch den Ärzten auf der Intensivstation nahe. In ihrem Beruf gehöre der Tod zwar zum Leben, das Abschiednehmen aber auch, erzählt Dr. Christoph Spinner

"Die Schwierigkeit, dass Angehörige und Freunde nicht in den letzten Stunden des Lebens dabei sein können oder nur in begründeten Ausnahmefällen, macht diesen Abschied anders und sicher auch schwerer als andere Abschiede." Dr. Christoph Spinner, Leiter Infektiologie, Klinikum Rechts der Isar, TU München

Kaum andere Patienten in Notaufnahme

Die Zahl der Notfall-Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall hat sich während der ersten Wochen der Pandemie drastisch verringert. Das besorgt Dr. Michael Dommasch. Denn er befürchtet, dass viele Menschen aus Angst nicht in die Notaufnahme kommen.

"Ich glaube, die Bevölkerung hat Angst, in die Notaufnahme oder in ein Krankenhaus zu kommen, in dem Covid-19-Fälle behandelt werden." Dr. Michael Dommasch, Notaufnahme, Klinikum Rechts der Isar, TU München

Die Zahlen gehen zurück

Anfang Mai atmet man im Uniklinikum Rechts der Isar auf. Der Höhepunkt der Corona-Pandemie scheint in Deutschland überstanden, die Zahl der Covid-19-Erkrankten in der Klinik sinkt. Die Intensivstationen können auch wieder Normalpatienten aufnehmen.

Die erste Zwischenbilanz des Uniklinikums nach 69 Tagen Pandemie: 200 schwer an Covid-19 erkrankte Menschen wurden behandelt. 160 davon mussten intensivmedizinisch versorgt werden. 20 Menschen starben.

Zweite Welle könnte kommen

Mit Anspannung blicken Dr. Christoph Spinner und sein Kollege Dr. Michael Dommasch auf die umfangreichen Lockerungen. Denn sie sind sicher, dass die Pandemie weitergeht. Dennoch sind die beiden auch stolz, dass man es im Vergleich zu anderen Ländern hier in Deutschland besser geschafft hat.

"Wir sind nicht an unser Limit gekommen, wir haben gezeigt, dass unser Gesundheitssystem Ressourcen freimachen kann - und zwar ordentlich." Dr. Michael Dommasch, Notaufnahme, Klinikum Rechts der Isar, TU München

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