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Würdevoll sterben trotz Corona-Pandemie | BR24

© picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Die steigenden Sterbefälle aufgrund der Corona-Pandemie bringen Bestatter bundesweit an ihre Belastungsgrenzen.

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    Würdevoll sterben trotz Corona-Pandemie

    Die steigenden Sterbefälle aufgrund der Corona-Pandemie bringen Bestatter bundesweit an ihre Belastungsgrenzen. Zuletzt sorgten Fotos von gestapelten Särgen in einem Krematorium im sächsischen Meißen für Entsetzen. Aber muss das so sein?

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    Von
    • Theresa Krinninger
    • Moritz M. Steinbacher
    • Annerose Zuber
    • Sylvia Schubart-Arand
    • Renate Roßberger

    "Bei uns werden Sie keine aufgestapelten Särge finden", sagt Thomas Engmann. Ein Blick in die Räume der Feuerbestattung Traunstein zeigt: Hier herrscht kein Chaos, kein unwürdiger Umgang mit Verstorbenen, nur ruhiger und dennoch reger Betrieb. Die Corona-Pandemie ist auch hier spürbar. Der Betrieb hat frühzeitig zu Beginn der zweiten Infektionswelle auf den Anstieg an Sterbefällen reagiert: Mit verlängerten Betriebszeiten und einer Streckung von zwei auf drei Schichten pro Tag.

    Wie bereits während der ersten Infektionswelle im Frühjahr 2020 sei seit Anfang November 2020 das Krematorium auch an Feiertagen und am Wochenende von 5 bis 23 Uhr in Betrieb, um Verstorbene würdevoll zu bestatten. An Werktagen finden 40 bis 50 Einäscherungen statt, etwa zehn Einäscherungen mehr pro Tag als im Vorjahreszeitraum.

    Engmann ist überzeugt, dass die Engpässe in Feuerbestattungsanlagen etwa in Sachsen oder in Nürnberg an der kommunalen Trägerschaft der Einrichtungen liegen. "Als Privatbetrieb können wir flexibler reagieren", sagt er. Dass dies Überstunden für seine zehn Mitarbeiter mit sich bringt, sei in Pandemiezeiten angebracht.

    Besonderer Infektionsschutz auch nach dem Tod

    Ist ein Mensch mit oder an Corona gestorben, darf der Verstorbene nach der Bestattungsverordnung nur noch in einem mit Desinfektionsmittel getränkten Tuch in einen Sarg gelegt werden und dieser nicht mehr geöffnet werden. Aus Infektionsschutzgründen ist der Zutritt zur Feuerbestattung in Traunstein für Angehörige momentan nicht möglich. "Wir teilen den Angehörigen aber mit, um welche Uhrzeit die Einäscherung stattfindet, sodass sie zu Hause gleichzeitig eine stille Andacht halten können", sagt Engmann. Nahezu alle Angehörigen reagierten verständnisvoll.

    München: Jeder dritte Trauerfall ein Covid-19-Todesfall

    Auch beim Bestattungsdienst der Stadt München ist derzeit jeder dritte Trauerfall ein Covid-19-Todesfall. Das gab das zuständige Münchner Gesundheitsreferat (GSR) auf BR-Anfrage bekannt. Die Städtischen Friedhöfe München hätten aber bereits während der ersten Pandemiewelle, also im März 2020, die Kühlkapazitäten auf mehr als 300 Sargkühlplätze erweitert, um weiterhin pietätvolle Bestattungen zu ermöglichen.

    Trotz der erhöhten Covid-19 Sterbezahlen arbeitet das Münchner Krematorium im regulären Zweischichtbetrieb. Da an den Feiertagen keine Feuerbestattungen stattfanden, besteht nach Behördenangaben zwar ein leichter Überhang, der aber im regulären Betrieb abgearbeitet werden kann, so das Münchner Gesundheitsreferat.

    Anders ist die Situation in Selb und Hof im Landkreis Wunsiedel. Dort leisten die Mitarbeiter der Feuerbestattungen jetzt Überstunden und Nachtschichten. Dort gibt es seit November zwischen 30 und 40 Prozent mehr Feuerbestattungen als noch Ende 2019. Grund sei vor allem die Zunahme von Todesfällen durch Corona, erklären die Verantwortlichen in Hof und Selb auf BR-Anfrage.

    Keine Engpässe im stark betroffenen Landkreis Regen

    Selbst im stark betroffenen Landkreis Regen gab es laut den Arberlandkliniken keine größeren Probleme bei der Bestattung. Lediglich für die Weihnachtsfeiertage haben Klinikmitarbeiter die Bestatter gebeten, die Verstorbenen zügiger als sonst abzuholen, um Engpässe bei den Kühlzellen im Krankenhaus zu vermeiden.

    Im Landkreis Main-Spessart stieg die Zahl der Bestattungen im Dezember 2020 um das Dreifache eines normalen Monats. Deshalb sei es aber nicht zu Engpässen gekommen. Das bestätigt der Innungsmeister Matthias Liebler aus Marktheidenfeld. Der Stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Bestatterverbands hat die Sterbefälle in ganz Unterfranken im Blick. Diese seien zwar erhöht, aber nicht extrem.

    Der Trend zur Feuerbestattung ist nach wie vor hoch. Etwa 75 Prozent der Personen in Deutschland entscheiden sich für diese Alternative zur Erdbestattung. In Bayern sind es 65 Prozent.

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