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Beatmungsgerät neben einem leeren Intensivbett (Symbolbild)

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    Corona-Pandemie: So ist die Lage auf Bayerns Intensivstationen

    Immer mehr Menschen müssen in Bayern wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt werden. Krankenhäuser in zahlreichen Landkreisen konnten bereits keine Patienten mehr aufnehmen. Eine Übersicht zur Lage in den einzelnen Regionen.

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    Von
    • Andreas Herz
    • Julia Demel
    • Jochen Wobser
    • Julia Binder
    • Lui Knoll

    In Bayern werden wegen der Corona-Krise die Intensivbetten knapp: 502 freie Betten gibt es Stand Montagnachmittag laut Intensivregister noch im Freistaat, mehr als 85 Prozent der Kapazitäten sind belegt.

    Landkreis Aichach-Friedberg: "Besorgniserregende Lage"

    So sind die Kapazitäten der Intensivstationen etwa in den Landkreisen Augsburg und Donau-Ries sowie in den Städten Memmingen, Kempten und Kaufbeuren völlig aufgebraucht oder bis auf wenige Betten erschöpft.

    Der Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, Hubert Mayer, spricht von einer "angespannten und besorgniserregenden Lage" im Landkreis Aichach-Friedberg. Dort fallen nach seinen Angaben zunehmend Pflegekräfte und ärztliches Personal aus, teils weil sie sich selbst mit dem Coronavirus infiziert haben, teils wegen anderer Erkrankungen. Auch sind die beiden Intensivstationen nahe am Limit. Die Ambulanzen in den Kliniken würden deswegen heruntergefahren, "in Aichach haben wir zudem eine bettenführende Station geschlossen", so Geschäftsführer Mayer weiter.

    Zumindest am Memminger Klinikum, wo alle zehn Betten belegt sind, will man aber noch nicht von einer Notfall-Situation sprechen. "Auch trotz der momentanen Auslastung sind wir in der Lage, die Intensivkapazitäten maschinell und bettentechnisch noch deutlich auszubauen", betonte Vorstand Maximilian Mai. In anderen Regionen Schwabens ist die Lage derzeit noch etwas entspannter.

    Angespannte Situation in Rosenheim und Miesbach

    "Die Lage ist angespannt", das beschreibe die Situation auf den Intensivstationen im Raum Rosenheim und Miesbach am besten, so Michael Städtler, der Ärztliche Leiter Krankenhauskoordination für Stadt und Landkreis Rosenheim und den Landkreis Miesbach.

    Derzeit liegen 25 Corona-Patientinnen und -Patienten auf einer Intensivstation. Das ist bisher das Maximum in der zweiten Corona-Welle im Herbst. Im Frühjahr waren jedoch noch mehr Intensivbetten belegt. In den vergangenen beiden Wochen habe sich die Lage zugespitzt, so Städtler auf BR-Anfrage: "Es ist eng." Wie viele Betten genau noch frei sind, könne er nicht sagen, da sich das auch immer nach dem Personal richte, das die Patientinnen in den Betten betreuen könne. Und das ändere sich von Schicht zu Schicht.

    In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau gibt es noch keine Engpässe bei der Betreuung von Corona-Patienten. Nach Informationen von RKI und DIVI sind in den Krankenhäusern dieser drei Landkreise maximal ein Drittel der vorhandenen Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Im Einzelnen melden Bad Tölz acht Patienten intensiv, davon vier beatmet (33 Prozent der Kapazitäten), Garmisch Partenkirchen elf Patienten intensiv, davon vier beatmet (17,46 Prozent der Kapazitäten), Weilheim-Schongau sechs Patienten intensiv, davon vier beatmet (26,9 Prozent der Kapazitäten).

    Mittelfranken: Intensivstationen teilweise voll

    Auch in Mittelfranken sind vielerorts bereits alle Intensivbetten belegt. So hat das Krankenhaus in Altdorf keine freien Betten mehr zur Verfügung, in Lauf war am Montagmittag noch genau ein Bett frei. Etwas besser sieht die Lage derzeit in Nürnberg aus. Wie eine Sprecherin des Klinikums Nürnberg gegenüber dem BR bestätigte, sind am Standort Nord derzeit noch fünf Intensivbetten frei, am Standort Süd sogar neun.

    Aus dem DIVI-Intensivregister geht hervor, dass auch die Kliniken in Fürth, Erlangen, Neuendettelsau und Schwarzenbruck so gut wie keine freien Intensivkapazitäten mehr haben. Wenige freie Intensivbetten melden die Kliniken in Bad Windsheim, Schwabach, Höchstadt a.d.Aisch., Dinkelsbühl und Rothenburg o.d.Tauber. Genügend Betten gibt es hingegen noch in den Kliniken in Weißenburg, Gunzenhausen und Roth. Bei den Intensivpatienten handelt es sich nicht nur um Covid-19 Fälle, sondern auch um Patienten mit Herzinfarkten oder anderen schweren Erkrankungen.

    Würzburg: Engpässe beim Intensiv-Personal

    Weiterhin freie Intensivbetten für Corona-Patienten haben derzeit das Würzburger Universitätsklinikum (UKW) und das Klinikum Würzburg Mitte (KWM). Die Lage sei aber insbesondere wegen der Dauerbelastung des Intensivpersonals zunehmend angespannt, teilten Sprecherinnen beider Kliniken am Montag auf BR-Anfrage mit. So sind laut Susanne Just vom Uniklinikum dort derzeit noch 15 Betten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit frei, davon seien fünf Intensivbetten speziell für Corona-Patienten vorgesehen.

    Stand heute werden 40 Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung am UKW behandelt, davon liegen zwölf auf der Intensivstation. Insgesamt sei aber die Gesamtzahl der benötigten Intensivbetten angestiegen, weil es jetzt mehr Patienten mit anderen schweren Erkrankungen gebe. Die Lage am UKW sei weiterhin "angespannt", besonders beim Intensiv-Personal gebe es Engpässe.

    Am Klinikum Würzburg Mitte wäre es laut Sprecherin Daniela Kalb zumindest "aus technischer bzw. räumlicher Sicht jederzeit möglich", die Intensivkapazitäten weiter hochzufahren. Allerdings sei bereits jetzt eine starke Belastung des Fachpersonals festzustellen. Ärzte und Pflegekräfte seien "täglich der hohen Dauerbelastung ausgesetzt" – auch weil es saisonbedingt auf der Inneren Medizin mehr Notfallpatienten abseits von Covid-19 gebe. Derzeit werden im KWM 26 Patienten mit einer Corona-Infektion versorgt, drei von ihnen auf der Intensivstation. Alle drei Patienten müssen künstlich beatmet werden.

    Regiomed-Klinikverbund: Hoher Krankenstand beim Personal

    In den Regiomed-Kliniken in Coburg und Lichtenfels sind nahezu alle Intensivbetten belegt. Von den insgesamt 48 Betten auf den Intensivstationen der beiden Häuser seien 83 Prozent belegt beziehungsweise für angemeldete Intensivpatienten vorgesehen, die zum Beispiel für Operationen angemeldet sind, teilte der Klinikverbund am Montag mit. Die bereits belegten Betten werden in Coburg zu 24 Prozent und in Lichtenfels zu 27 Prozent von Covid-Patienten beansprucht. In beiden Krankenhäusern sind noch sechs Betten für Covid-Patienten frei, drei in Coburg und drei in Lichtenfels.

    Große Sorge bereite der hohe Krankenstand des Personals im Verbund. Insgesamt seien 167 Pflegekräfte und 32 Ärzte krankgeschrieben. Allein im Coburger Klinikum seien etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenstand, sagte Chefarzt Prof. Dr. Stefan Piltz. Die Ausfälle seien aber nicht nur auf Corona-Infektionen oder Quarantänefälle zurückzuführen. Die anhaltende hohe Belastung und die Erschöpfung würden sich in den Ausfällen niederschlagen. Er sei generell stolz darauf, wie tapfer das Personal die Arbeit angehe, so Piltz weiter. Man komme aber an die Belastungsgrenze. Auch im Lichtenfelser Klinikum sind derzeit etwa 20 Angestellte krank.

    Engpässe auch in Niederbayern und der Oberpfalz

    Viele Kliniken in Niederbayern und der Oberpfalz meldeten bereits in der letzten Woche Engpässe bezüglich der Intensivkapazitäten. Stand Montagnachmittag sind hier in den Landkreisen Neumarkt in der Oberpfalz, Regen, Cham und Landshut alle Intensivbetten belegt. In den meisten anderen Landkreisen sind nur noch wenige Betten vorhanden (Kelheim und Schwandorf: jeweils drei, Kronach: zwei, Landkreis Amberg-Sulzbach: noch eins).

    Das heißt nicht, dass diese Betten alle mit Covid-19-Patienten belegt sind. Auch unabhängig von Corona seien die Intensivbetten in den Kliniken stark belegt – unter anderem durch Herzinfarkte, Unfallgeschehen oder Schlaganfälle, so Jürgen Königer, Krankenhaus-Koordinator im Rettungsdienstbereich Landshut.

    Krankenhaus-Koordinator: Lage ändert sich sehr rasch

    Diese Zahlen könnten sich jedoch sehr schnell ändern. Auch Königer bestätigte, dass die Lage unglaublich dynamisch sei. Ein großes Problem sei mangelndes Personal zur Betreuung der Intensivpatienten, hieß es weiter.

    Durch das Intensivregister könne man freie Kapazitäten erkennen. Dies ist für die entsprechende Verteilung von Patienten auf Krankenhäuser wichtig: Sollte eine Klinik vor Ort ausgelastet sein, kann schnell herausgefunden werden, wo noch Ressourcen frei sind. Die Daten werden mehrmals am Tag aktualisiert. Betrieben wird das Intensivregister von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, genannt DIVI, zusammen mit dem Robert Koch-Institut und der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

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