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Corona-Pandemie: Risikofaktor Hochhaus | BR24

© BR-Studio Franken / Tina Wenzel

Hochhaus in Nürnberg-Neuselsbrunn

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    Corona-Pandemie: Risikofaktor Hochhaus

    In Göttingen wurde ein ganzes Hochhaus unter Quarantäne gestellt. Hunderte Menschen waren betroffen. Kommen viele Menschen auf engem Raum zusammen, steigt die Gefahr eines Corona-Ausbruchs. Auch in einem Nürnberger Hochhaus sind Anwohner besorgt.

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    Von
    • Tina Wenzel

    Wenn sich die Türen des Fahrstuhls im Hochhaus in Nürnberg-Neuselsbrunn schließen, wird es eng. Der Aufzug, der bis in den 20. Stock fährt, ist schmal. Den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern, der wegen des Coronavirus empfohlen wird, können zwei Personen gerade so einhalten, betont Günter Goller, der im Hochhaus wohnt – eine weitere Person dürfte nicht einsteigen. "Ich habe schon einigen Personen gesagt: Bleiben Sie bitte draußen, denn Sie können den Abstand nicht mehr einhalten. Einige ignorieren das und steigen trotzdem ein", berichtet Goller.

    Sicherheitsabstand und Mundschutz als Empfehlung

    Die Hausverwaltung hatte im April Zettel aufgehängt, mit der Bitte, auf den nötigen Sicherheitsabstand zu achten und einen Mundschutz zu tragen. Doch die Zettel hängen schon lange nicht mehr. Günter Goller trägt im Treppenhaus und Aufzug immer einen Mundschutz. So auch seine Nachbarin Carolin Mayer. Sie ist besorgt, denn sie gehört zur Risikogruppe. "Man hat einfach Angst in den Aufzügen. Und ich habe auch Angst, wenn Corona ausbricht. Kommen wir dann alle in Quarantäne?", fragt Mayer.

    "Derzeit keine akute Gefahr"

    Allein in diesem Hochhaus wären mehr als 200 Menschen betroffen. Es ist aber nicht das einzige in der Anlage Nürnberg-Neuselsbrunn. Zu dem Komplex gehören fünf Hochhäuser, deren Bewohner enge Kontakte pflegen. Die Problematik ist auch der Gesundheitsreferentin Britta Walthelm der Stadt Nürnberg bekannt. Anders als in Göttingen lebten in Nürnberger Hochhäusern aber keine großen Familien in prekären und engen Hochhauswohnungen, sagt Walthelm. "Insofern sehe ich aktuell keine akute Gefahr für Nürnberg", betont die Gesundheitsreferentin. Aber es sei nicht auszuschließen, dass sich ein Hotspot entwickele.

    Rasche Ermittlung der Kontaktpersonen

    Dann würde im schlimmsten Fall die Stadt auch ein ganzes Hochhaus wie in Neuselsbrunn unter Quarantäne stellen – so weit soll es aber nicht kommen. Die Strategie der Stadt sei es, frühzeitig auf betroffene Personen und auf deren direkte Kontaktpersonen zuzugehen, so die Gesundheitsreferentin. So solle ein größerer Ausbruch vermieden werden.

    Airbnb-Wohnungen im Fokus

    Günter Goller und Carolin Mayer sind von der Strategie nicht überzeugt. Denn in ihrem Hochhaus gebe es einige Airbnb-Wohnungen und auch eine überbelegte Arbeiterwohnung, berichten die beiden. So gingen viele fremde Menschen in dem Hochhaus ein und aus. Sie fordern von der Stadt, dass während Corona Kurz-Vermietungen in Hochhäusern verboten werden. Bislang ohne Erfolg.

    Zumindest bekämpft die Stadt Nürnberg schon seit vergangenem Jahr illegale Ferienwohnungen. Die zuständige Behörde teilte dem BR mit, dass vor allem auch Nürnberg-Neuselsbrunn im Fokus liege. Allerdings dauert es, bis die Mitarbeiter alle belastenden Beweise gegen die Vermieter gesammelt haben. So bleibt Günter Goller und Carolin Mayer vorerst nur das Abstand Halten.

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