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Corona: Diskussion um Verbot von Silvesterfeuerwerk | BR24

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Raketen und Böller an Silvester - ja oder nein? Das wird seit einigen Jahren immer wieder diskutiert. Feinstaub, Klima und Sicherheit waren Argumente für ein Verbot der Silvesterknallerei. In diesem Jahr kommt noch eins dazu: Die Corona-Pandemie.

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Corona: Diskussion um Verbot von Silvesterfeuerwerk

Durch das Silvesterfeuerwerk werden jährlich enorme Mengen an Feinstaub freigesetzt. Nun fordert der bayerische Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei das Feuerwerk heuer einzuschränken – nicht aus Umweltgründen sondern wegen der Corona-Pandemie.

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Für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) steht fest: Feiern in der Öffentlichkeit ist wegen der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen derzeit tabu: "Es ist eh verboten auf irgendeinem Marktplatz zu feiern, egal ob jemand eine Flasche Schampus oder Böller dabei hat, oder eben nicht!"

Polizeigewerkschaft bei Böllerverbot nicht einig

Bei den Polizeigewerkschaften ist man sich hinsichtlich des Themas uneins. Peter Pytlik, der neue Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern (GdP), plädiert für ein Böllerverbot überall dort, wo die vorgeschriebenen Abstände nicht eingehalten werden können - um weitere Infektionsketten zu verhindern.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Jörg Radek, hält dagegen nichts von einem generellen Verbot, denn das müsste ja auch kontrolliert und durchgesetzt werden, was "personell kaum machbar" sei.

"Eine ganze Branche stirbt dann aus"

Pyrotechniker sind erbost über diese Aussagen. "Das darf doch wohl nicht wahr sein!", war der erste Gedanke von Peter Sauer, der seit Generationen Feuerwerkskörper in Gersthofen produziert. Die Sorgen sind groß, 3.000 Arbeitsplätze in der Pyrotechnikbranche stünden auf dem Spiel, wenn es wirklich ein Verbot gäbe, warnt Sauer.

Außerdem sei zu befürchten, dass sich Böllerfans bei einem Verbot illegales Feuerwerk aus Polen oder Tschechien beschaffen würden. Das führe dann zu Unfällen, fürchtet der Fachmann. Einen Monat vor Silvester über ein solches Verbot nachzudenken, sei nicht korrekt, die Firmen hätten sich ja mit Ware eingedeckt. Und da dieses Jahr weder Volksfeste noch Events stattgefunden hätten, seien die Pyrotechniker darauf angewiesen, und die Branche genauso gebeutelt wie beispielsweise Schausteller.

Bisher kein generelles Verbot für Böller

Grundsätzlich dürfen Raketen und Böller im Laufe des Jahres nur mit einer Sondergenehmigung gezündet werden. Ausnahme ist Silvester. Ein generelles Verbot gibt es bislang nicht, Innenminister Herrmann rechnet damit, dass dieses Thema aber auch auf der Tagesordnung beim Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den einzelnen Ländern nächste Woche steht.

Schön anzusehen, aber auch gefährlich

Kritiker wollen das Silvesterfeuerwerk schon seit Jahren generell verbieten, denn die Feinstaubbelastung durch das Abbrennen von Pyrotechnik ist sehr hoch: So gilt der 1. Januar als der Tag mit der höchsten Feinstaubkonzentration im ganzen Jahr. Die Knallerei stört außerdem Wild- genauso wie Haustiere, sie verursacht enorme Mengen an Müll und dazu kommt es immer wieder zu gefährlichen Unfällen. Wenn etwa China-Böller in der Hand explodieren oder Raketen auf Passanten fliegen. Menschen erleiden Trommelfellschäden und landen in der Notaufnahme.

Wegen Brandschutz: Verbot in Innenstädten

Auch Brände können Raketen hochgehen lassen. Letzte Jahr landeten 64, zum Glück abgebrannte, Silvesterraketen unter anderem im hölzernen Dachstuhl des Regensburger Doms. Deshalb ist in diesem Jahr erstmals das Böllern in der Altstadt verboten.

Auch in anderen Innenstädten darf nicht geknallt werden. In Straubing, Passau, Nürnberg und auch München ist jegliches Feuerwerk in der Innenstadt aus Brandschutzgründen verboten. Egal ob es nur knallt oder leuchtet.

In München wird es trotz Corona kein Böllerverbot in der Nähe des Tierparks Hellabrunn geben: Das sei rechtlich nicht möglich, hieß es aus dem Kreisverwaltungsreferat - und das, obwohl die Wildtiere durch die Knallerei in Angst und Panik versetzt werden.

Stilles Silvester allein zu Haus?

Bei einer nicht repräsentativen Straßenumfrage zeigten sich die Passanten verständnisvoll: Sowohl jüngere als auch ältere Münchner*innen waren der Meinung, dieses Jahr aufs Feuerwerk und Raketen-Schauen verzichten zu wollen.

Vielleicht sollte man zumindest eine Rakete in den Himmel schießen dürfen, eine Wunschrakete: In manche Modelle kann man nämlich einen handgeschriebenen Zettel stecken. Vermutlich steht der Wunsch, dass die Corona-Pandemie bald endet, auf einigen Zetteln.

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