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Corona-Pandemie: Die Sorge vor der dritten Welle | BR24

© Thorsten Lehr, Universität des Saarlandes

Grafik zu Prognosen der Inzidenz-Entwicklung

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Corona-Pandemie: Die Sorge vor der dritten Welle

Die Inzidenz sinkt, die Regierungen stellen Lockerungen in Aussicht. Aber was passiert danach? Exklusive Prognosen für das ARD-Politmagazin "report München" machen deutlich: Deutschland könnte eine dritte Welle bevorstehen.

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Von
  • Ulrich Hagmann
  • Fabian Mader
  • Markus Rosch
  • Ahmet Senyurt

Der Saarbrücker Pharmazeut Professor Dr. Thorsten Lehr übersetzt die Pandemie in Zahlen und berechnet so den wahrscheinlichen weiteren Verlauf. Und diese Zahlen sehen nicht gut aus. Sollte im März wirklich gelockert werden wie geplant, sollten sich die Menschen nur 20 Prozent mehr bewegen als aktuell, dann könnten die Corona-Inzidenzen aus Sicht des Datenanalysten und Pharmazeuten stark ansteigen.

Das liegt vor allem an den "Variants of Concern" - den Corona-Mutationen. Sie sind Studien zufolge zwischen 35 und 75 Prozent ansteckender als das klassische Virus, das wir bereits kennen - und breiten sich auch hierzulande immer schneller aus.

Eine Berechnung des Robert-Koch-Instituts (RKI) geht inzwischen bei 12 Prozent der untersuchten Infektionen von einer Mutation aus. Damit hätte sich ihr Anteil innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Zwar weist das RKI darauf hin, dass diese Zahlen verzerrt sein könnten, da noch nicht genügend Labore Daten lieferten. Doch in anderen Ländern waren die Erfahrungen ähnlich.

© Thorsten Lehr, Universität des Saarlandes

Grafik zu Prognosen der Inzidenz-Entwicklung wenn es keine weiteren Impfungen geben würde

© Thorsten Lehr, Universität des Saarlandes

Grafik zu Prognosen der Inzidenz-Entwicklung bei gleichbleibender Impfgeschwindigkeit

© Thorsten Lehr, Universität des Saarlandes

Grafik zu Prognosen der Inzidenz-Entwicklung bei Verdreifachung der Impfungen

Wissenschaftler rechnet mit "deutlichem Anstieg" bei Lockerungen im März

Im März die Maßnahmen zu lockern, wie es die Regierungen planen, könnte die Zahlen daher deutlich ansteigen lassen, wie Thorsten Lehr in einer exklusiven Prognose für das ARD-Politmagazin "report München" zeigt.

Effekte durch den Impfstoff erwartet der Professor der Universität des Saarlandes erst für den späteren Sommer. Bleibt es bei dem aktuellen Tempo der Impfkampagne, rechnet er mit rund 108.000 Todesfällen bis Ende September. Bei einer drei Mal schnelleren Kampagne wären es demnach noch etwa 85.000 Corona-Tote.

Bis zu sieben Dosen pro Impfstofffläschchen machbar - aber nicht erlaubt

Es macht also durchaus einen Unterschied, wie schnell Deutschland an ausreichend Impfstoff kommt. In dieser Situation versuchen Ärzte, auch noch den letzten Tropfen aus den Fläschchen des Herstellers Biontech zu holen. Denn die Impfstofffläschchen von BionTech enthalten eine größere Menge, als für die zugelassenen sechs Dosen pro Flasche nötig ist. Das ist sinnvoll und üblich. Denn beim Aufziehen der Spritzen geht auch mal ein wenig Impfstoff verloren. Die Überfüllung sei dazu da, die Entnahme der sechs Dosen unterstützen zu können, heißt es vom Hersteller Biontech.

Nun ist es aber so, dass in vielen Fällen mehr als nur ein kleiner Rest - sondern eine komplette weitere Dosis im Fläschchen bleibt. Und diese siebte Dosis darf in Bayern nicht verabreicht werden.

Überfüllung "sichere sechs Dosen" ab

Das bayerische Gesundheitsministerium verweist auf die Produktinformationen des Herstellers - dort sei von sechs Impfdosen die Rede, nicht von sieben pro Fläschchen– genau wie in der Zulassung der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. Die Überfüllung stelle sicher, dass diese Anzahl auch ordnungsgemäß entnommen werden könne, was "die unabdingbare Voraussetzung für die Wirksamkeit der Impfungen" sei.

In deutschen Nachbarländern sehen das die Behörden anders. Die Niederlande etwa nutzen die siebte Dosis grundsätzlich. Für Noortje Swart, die die Impfkampagne der holländischen Krankenhäuser und Pflegeheime betreut, wäre alles andere auch nicht vertretbar. Es gebe aktuell eben nicht genügend Impfstoff - da könne man nicht intakte Reste wegwerfen. Ein Lehrvideo erklärt auch regionalen Gesundheitsbehörden, wie sich sieben Dosen sicher entnehmen lassen. Derzeit arbeiten Swarts Kollegen an einer deutschen Übersetzung – es gebe Interesse aus Nordrhein-Westfalen.

Denn das Bundesland hat als erstes vor Kurzem die siebte Dosis erlaubt. Einige Länder wollen die Entscheidung den Ärzten in den Impfzentren überlassen. Bayern lehnt die Entnahme der siebten Dosis – wie mindestens drei weitere Bundesländer – weiterhin ab.

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