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Corona-Pandemie: Belastender Alltag einer Kontaktverfolgerin | BR24

© BR/Judith Zacher

Der belastende Alltag einer Corona-Kontaktnachverfolgerin

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Corona-Pandemie: Belastender Alltag einer Kontaktverfolgerin

Mittlerweile können die Corona-Kontaktnachverfolger im Landkreis Donau-Ries Betroffene meist wieder tagesaktuell informieren. Warum es trotzdem manchmal länger dauert und der Job der Kontaktnachverfolger sehr belastend ist.

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Von
  • Judith Zacher

Christina Weigels Hauptaufgabe ist Telefonieren. Sie informiert positiv auf Corona Getestete über ihr Testergebnis und beantwortet viele Fragen. Während das vor ein paar Wochen wegen der hohen Infektionszahlen nicht mehr tagesaktuell möglich war, funktioniert es inzwischen meistens wieder. Der Landkreis Donau-Ries hat das Personal aufgestockt, insgesamt 35 sogenannte "Contact-Tracer" arbeiten jetzt im Gesundheitsamt in Nördlingen und Donauwörth. Die meiste Zeit über telefonieren sie. Doch das ist mühsamer, als man denkt.

Oft sind keine Telefonnummern angegeben

Denn oft geben die Testpersonen keine Telefonnummer an. Dann versucht Christian Weigel es erst beim Hausarzt. Da aber ist oft besetzt und Mittwoch nachmittags und am Wochenende oft keiner da. Nächste Anlaufstelle ist dann die Polizei.

Bis sie die Telefonnummer der entsprechenden Person hat, vergeht wertvolle Zeit. Zeit, die sie auch dafür verwenden könnte, die Fragen der Betroffenen zu beantworten. Denn Fragen gibt es viele. Wie lange dauert die Quarantäne, muss ich mich krankschreiben lassen, was ist mit den Leuten, die ich getroffen habe, und so weiter. So ein Gespräch dauert in der Regel 20-30 Minuten. Christina Weigel bittet die Infizierten dann, ihre Kontaktpersonen der vergangenen Tage aufzulisten. Auch die werden dann alle noch vom Gesundheitsamt kontaktiert.

"Ab und zu gibt es auch Reibereien"

Viele seien nett und verständnisvoll, so Weigel. Manchmal aber werde sie auch beschimpft, es gebe Leute, die nicht wahrhaben wollten, dass es Corona gibt. "So etwas nimmt man dann auch abends mit nach Hause, wenn es da Reibereien gab", sagt Weigel.

Oft Erklärung für zeitverzögerte Info nötig

In manchen Fällen kann sie es auch verstehen, dass Menschen sauer sind. Etwa, wenn der Anruf des Gesundheitsamts erst kommt, wenn sie eigentlich schon einige Tage in Quarantäne sein müssten. Das kommt vor, Weigel kann aber auch erklären, warum: Die Quarantäne beginnt an dem Tag, an dem die betreffende Person Symptome hatte. Viele machen allerdings erst ein paar Tage später einen Test. Bis das Ergebnis da ist, dauert es wieder ein, zwei Tage. Wenn das zum Beispiel auf einen Samstag fällt, wird zwar in der Regel der Betroffene informiert, das Gesundheitsamt bekommt die Nachricht aus der entsprechenden Hausarztpraxis aber erst am Montag.

Dann kann es sein, dass die Person und mögliche Kontaktpersonen eigentlich schon seit einer Woche hätten in Quarantäne sein müssen, aber nichts davon wussten. Das sorge oft für Ärger, so Weigel, sie könne aber die Menschen erst dann informieren, wenn sie selbst den Befund vorliegen habe.

Telefonate mit Angehörigen Verstorbener sind belastend

Besonders belastend sei es für sie jedoch, mit Menschen zu sprechen, die durch Corona einen Angehörigen verloren haben. Über 50 Menschen sind im Landkreis Donau-Ries seit Beginn der Pandemie an oder mit Corona gestorben. Mit einigen von ihnen habe sie kurz vorher noch telefoniert, so Weigel. Hatten Angehörige mit ihnen Kontakt, müssen auch sie in Quarantäne. Das sei ihnen oft gar nicht bewusst in dieser schwierigen Situation, so Weigel. Sie versuche dann, ihnen eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen, damit sie die Beerdigung organisieren könnten.

Quarantäne-Ausnahme für letzten Besuch am Krankenbett

Kürzlich habe sie mit einem Mann telefoniert, dessen mit Corona infizierter Vater im Krankenhaus im Sterben lag. Auch ihm habe sie, trotz Quarantäne, eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit dieser seinen Vater noch einmal besuchen könne. Am nächsten Morgen war der Vater tot. Da sei sie schon froh gewesen, dass sie dem Sohn noch ermöglichen konnte, ihn ein letztes Mal zu sehen.

Solche Dinge seien belastend, die nehme sie auch mit nach Hause. Insgesamt aber mache sie den Job sehr gerne, sagt die 25 Jahre alte gelernte Industriekauffrau. Jeder Fall sei anders, es werde nie langweilig. Und vor allem weiß sie, dass sie hier eine wichtige Arbeit macht.

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