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Corona: Grenzschließung trifft Firmen und Mitarbeiter | BR24

© pa/dpa

Das Nachbarland Tschechien will wegen der Corona-Pandemie ab Donnerstag die Grenzen auch für Berufspendler schließen.

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    Corona: Grenzschließung trifft Firmen und Mitarbeiter

    Tschechien macht die Grenzen für Berufspendler dicht. Rund 10.000 Tschechen fahren jeden Tag aber allein in die Oberpfalz zur Arbeit. Die Unternehmen suchen jetzt nach Lösungen. Den betroffenen Mitarbeitern droht in jedem Fall ein Lohnausfall.

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    Die Schließung der bayerisch-tschechischen Grenze für Berufspendler trifft die Oberpfalz mit besonderer Wucht. Nach Angaben der IHK Regensburg arbeiten aktuell 12.500 Menschen aus Tschechen in der Oberpfalz, so viele wie in keinem anderen bayerischen Regierungsbezirk. Mindestens 10.000 der tschechischen Berufspendler in der Oberpfalz sind Heimschläfer und damit von der Grenzschließung betroffen.

    Logistikgewerbe und Pflegebereich stark betroffen

    "Vor allem in der Industrie und im Dienstleistungsbereich sind viele tschechische Facharbeiter tätig", sagt Richard Brunner, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Cham. In den Oberpfälzer Unternehmen der Logistikbranche kämen sogar mehr als die Hälfte aller Beschäftigten aus Tschechien.

    Ebenso hart trifft es den Pflegesektor: "Weil wir so nahe an der Grenze sind, kommen ganz viele Pflegekräfte jeden Tag aus Tschechien", sagt Walter Brucker vom Landratsamt Tirschenreuth. "Gerade jetzt brauchen wir dringend jede Kraft."

    Grenze ab Donnerstag auch für Berufspendler dicht

    Tschechien hat am Montag angekündigt, wegen der Corona-Pandemie ab Donnerstag die Grenzen auch für Berufspendler, die täglich zwischen den Ländern hin und her fahren, zu schließen. Die Pendler müssen also entweder zuhause bleiben oder sich für mehrere Wochen in Deutschland eine Unterkunft suchen.

    Unternehmen suchen Hotelzimmer

    Nach Angaben der IHK Regensburg arbeiten aktuell rund 24.000 Menschen aus Tschechien in Bayern. Viele Unternehmen in Ostbayern würden jetzt versuchen, Hotelzimmer für ihre Mitarbeiter anzumieten, damit sie weiterhin zur Arbeit gehen können, sagt IHK-Experte Brunner. Allerdings müssen die Menschen bei ihrer Rückkehr nach Tschechien in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne. Das bedeutet dann wiederum Fehlzeiten am Arbeitsplatz zu einem späteren Zeitpunkt.

    Tschechischen Arbeitnehmern droht Lohnausfall

    Diese Quarantäneregelung ist für viele tschechische Arbeitnehmer ein Problem. Weil die zweiwöchige Quarantäne staatlich verordnet und nicht krankheitsbedingt sei, könne der Mitarbeiter weder Lohnfortzahlung noch Kurzarbeitergeld erhalten, sagt IHK-Experte Brunner. Einige Betriebe würden jetzt versuchen, Regelungen etwa mit Überstundenausgleich oder vorgezogenem Urlaub zu finden, um den drohenden Lohnausfall abzumildern.

    Lob für Bereitschaft, weiter in Deutschland zu arbeiten

    Viele Beschäftigte aus Tschechien in Oberpfälzer Unternehmen sind nach Informationen des Chamer Landrats Franz Löffler und der IHK offenbar bereit, die bevorstehenden Einschränkungen auf sich zu nehmen und ihre Arbeit zum Beispiel im pflegerischen Bereich weiter zu verrichten. Franz Löffler zeigte sich darüber erfreut: "Ich habe allergrößten Respekt vor diesen Menschen, die ihre Arbeitgeber nicht im Stich lassen. Ich danke auch den Arbeitgebern, die sich gemeinsam mit den Wirtschaftskammern und dem Hotel- und Gaststättengewerbe um eine Unterbringung der Mitarbeiter bemühen. Gerade jetzt in der Krise müssen wir den jahrzehntelang aufgebauten gemeinsamen Wirtschafts- und Arbeitsmarkt aufrechterhalten."