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Kultusminister Piazolo (Freie Wähler), hofft, dass die Schulen nach den Weihnachtsferien wieder normal öffnen können - doch feste Zusagen macht er wegen der schwer einzuschätzenden Situation nicht.

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Notbetreuung und "Distanzlernen": Was Eltern jetzt wissen müssen

Mit dem Start des Lockdowns im Freistaat lernen ab Mittwoch alle bayerischen Schüler nur noch zu Hause. Das Kabinett beschloss heute, alle Schulen zu schließen, aber eine Notbetreuung anzubieten. Das betrifft auch die Kitas. Was ab Mittwoch gilt.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Nabila Abdel Aziz

Rund 40 Prozent der bayerischen Schüler sind laut Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) schon seit vergangenem Mittwoch zu Hause, alle übrigen lernen ab diesem Mittwoch nur noch daheim: Im Zuge des Lockdowns wird der Präsenzunterricht an allen Schulen im Freistaat kurzfristig eingestellt – "mit der Vorwarnung von zwei Tagen, einfach damit sich die Schulen und insbesondere auch die Eltern darauf einstellen können", wie Piazolo nach einer Kabinettssitzung erläuterte.

Schon vor drei Wochen war beschlossen worden, dass die Weihnachtsferien früher beginnen und Freitag, 18. Dezember, der letzte Schultag ist (statt dem 22. Dezember). Jetzt kommen weitere Änderungen hinzu. Was Schüler und Eltern jetzt wissen müssen:

Distanzunterricht für Abschlussjahrgänge

Laut Bund-Länder-Beschluss wäre es zwar möglich, zumindest die Abschlussjahrgänge weiter in der Schule zu unterrichten. In Brandenburg beispielsweise wird das so gehandhabt. Die bayerische Staatsregierung hat sich aber entschieden, alle Jahrgänge nach Hause zu schicken.

Minister Piazolo versicherte: "Wir haben natürlich (…) die Schüler der Abschlussklassen im Blick." Die Staatsregierung wolle qualitativ hohe Abschlüsse und faire Bedingungen beibehalten. Für die Abschlussjahrgänge wird es ebenso wie für Schülerinnen und Schüler der beruflichen Schulen von Mittwoch bis Ende der Woche einen Distanzunterricht geben, bei dem im täglichen direkten Austausch Lehrer Stoff vermitteln.

"Distanzlernen" für die übrigen Schüler

Für alle anderen Schülerinnen und Schüler sind laut Piazolo "Angebote zum Distanzlernen" geplant. Dabei gehe es vorwiegend um eigenständiges Wiederholen, Üben und Vertiefen. Es werde aber sichergestellt, dass es bis 22. Dezember Kontakt- und Feedbackmöglichkeiten geben werde, insbesondere für Grundschüler, versprach der Freie-Wähler-Politiker. Für die Weihnachtsferien solle es zudem Empfehlungen geben, falls Schüler "das eine oder andere wiederholen" möchten.

Notbetreuung für Jahrgangsstufen eins bis sechs

Wie schon bei den ersten Schulschließungen im März dieses Jahres wird es auch jetzt wieder eine Notbetreuung geben - von Mittwoch bis nächsten Dienstag (also dem ursprünglichen Ferienbeginn). Die Notbetreuung wird laut Piazolo für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sechs angeboten - und soll von allen Familien in Anspruch genommen werden können, "die es brauchen". Der Minister versprach, das Angebot werde "recht großzügig ausgestaltet". Besonders wichtig sei ihm die Situation der Schüler an den Förderschulen, sagte Piazolo. "Gerade dort werden wir die Möglichkeit der Notbetreuung sehr sehr großzügig handhaben."

Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) appellierte an die bayerischen Arbeitgeber, berufstätige Eltern besonders zu unterstützen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen. Für Eltern, die keine andere Betreuungsmöglichkeit haben.

Notbetreuung in Kindertagesstätten

Ähnlich wie in Schulen soll auch in Kinderkrippen, Kindergärten und Horten eine Notbetreuung angeboten werden, wie Sozialministerin Trautner sagte. Sie versprach eine "unbürokratische Lösung". Im Gegensatz zum Frühjahr werde dieses Mal bewusst darauf verzichtet, die Notbetreuung nur für bestimmte Berufsgruppen anzubieten. Trautner appellierte aber an die Eltern, mit der Möglichkeit der Betreuung verantwortungsvoll umzugehen. "Wenn es irgendwie möglich ist, lassen Sie ihr Kind zu Hause."

Bezahlter Urlaub für Eltern

Für Eltern die keine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben und deswegen Urlaub machen müssen, soll es laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen finanziellen Ausgleich geben. "Das wird diese Woche vom Bund noch mal genau geklärt", erläuterte Söder. Geplant sei, dass ihnen ermöglicht wird, bezahlten Urlaub zu bekommen.

Wie geht es nach den Ferien weiter?

Eine Entscheidung, wie es nach den Weihnachtsferien an den bayerischen Schulen weitergeht, ist noch nicht gefallen. Das wird laut Söder von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängen. Der Ministerpräsident dämpfte zugleich Hoffnungen, dass dann an den Schulen eine Rückkehr zur Normalität möglich sein wird. Piazolo betonte: "Wir hoffen, dass wir am 11. Januar wieder öffnen können. Aber es ist eine Hoffnung." Versprechen könne er das nicht.

Was sagen die Lehrerverbände?

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, betonte, die Beschlüsse des bayerischen Kabinetts seien kein Grund zur Freude. Die Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen könnten natürlich auch mit diesem Einschnitt umgehen: "Drei Tage Distanzunterricht für die Abschlussklassen und Distanzlernen für alle anderen Jahrgangsstufen lassen sich verkraften, wenn nach dem 10. Januar mit klaren Anpassungen und rechtzeitiger Kommunikation Schule fortgesetzt werden kann". Schwägerl forderte aber Antworten auf die Fragen, "warum es zum Beispiel Irland ohne Schul- und Kitaschließungen geschafft hat, die Inzidenzwerte drastisch zu senken, oder ob man nicht mit einer neuen Massentest-Strategie an Schulen (...) ein höheres Maß an Sicherheit schaffen könnte."

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, wies einmal mehr auf den Lehrermangel in Bayern hin. Zugleich beklagte sie, dass Schülerinnen und Schüler starken Belastungen ausgesetzt seien. Das sieht das auch Pankraz Männlein vom Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern so. Er kritisierte, dass auch datenschutzrechtliche Fragen rund um die digitale Lehre noch nicht geklärt seien. Außerdem forderte er neue Konzepte für den Schutz von Lehrenden und Schülern, sobald der Präsenzunterricht wieder starte, wie zum Beispiel den Einsatz von FFP2-Masken.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, begrüßte die Schul-Schließungen als richtigen Schritt. Die Rolle von Schülerinnen und Schülern bei der Verbreitung des Coronavirus sei nicht zu unterschätzen, sagte er. Nach Meinung der Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlies Tepe, kam der Beschluss sogar zu spät: "Die Länder müssen sich vorwerfen lassen, zu lange am Präsenzunterricht festgehalten zu haben, ohne ausreichend für den notwendigen Gesundheits- und Infektionsschutz an Schulen und Kitas gesorgt zu haben."

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Sozialministerin Trautner kündigt an, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder auch während des Lockdowns zu gewährleisten. Zugleich fordert sie die Arbeitgeber auf, Eltern Möglichkeiten zu geben, ihre Kinder selbst zu betreuen.

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