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München: Das "Contact Tracing Center" in der Messe Riem, aufgenommen im November 2020.

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    Corona-Nachverfolgung: Enttäuschung über Software

    Eine einheitliche Software für die wichtige Corona-Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern – dieses Ziel hat die Staatsregierung schon vor Monaten ausgerufen. Nun zeigt eine BR-Recherche: Die Umstellung kommt einfach nicht in Gang.

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    Von
    • Katharina Pfadenhauer
    • Maximilian Heim

    Sormas ist ein Programm, das den Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung helfen soll. Dabei geht es um einen zentralen Baustein der Corona-Politik: Je effizienter die Nachverfolgung, desto schneller klappt die Eindämmung der Pandemie.

    Eine BR-Recherche zeigt nun: Zwar ist die Software bereits an allen bayerischen Gesundheitsämtern installiert, aber längst nicht überall im Einsatz. Die meisten Ämter warten dringend auf eine Version, die ermöglichen soll, Daten mit den Laboren und dem Robert Koch-Institut (RKI) auszutauschen.

    BR-Nachfrage: Nur jedes dritte Amt nutzt Sormas

    Der BR hat alle 76 bayerischen Gesundheitsämter gefragt, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits mit Sormas arbeiten. Das Ergebnis: Nur rund ein Drittel nutzt Sormas aktiv, allerdings die alte Version. Das Problem: Die neue Version mit den notwendigen Schnittstellen steht den Ämtern überhaupt noch nicht zur Verfügung.

    Eine Sprecherin des Münchner Gesundheitsamts bestätigt: "Die Version Sormas-X, welche die benötigten Schnittstellen zur eingesetzten Meldesoftware enthält, liegt noch nicht vor." Auch in Schwandorf will man auf Sormas umsteigen, sobald die Schnittstelle programmiert sei, teilt aber mit: "Der zeitliche Horizont dafür ist uns noch nicht bekannt."

    Idee gut, Ausführung mangelhaft?

    In Rosenheim kommt Sormas noch nicht zum Einsatz, weil es nicht optimal auf die Bedürfnisse der Gesundheitsämter angepasst sei und Schwachstellen aufweise. Diese Schwachstellen seien zum Beispiel, dass man nach wie vor Daten doppelt eingeben müsse. Aus einem anderen Amt ist zu hören, die Grundidee einer einheitlichen Software in allen Ämtern sei nicht schlecht, aber die Ausführung der Umrüstung grob mangelhaft.

    Dass die bayerischen Gesundheitsämter dringend die neue Sormas-Version brauchen, weiß auch das bayerische Gesundheitsministerium. "Mit der Version Sormas-X wird künftig Sormas über Schnittstellen zur Meldesoftware verfügen und damit die Gesundheitsämter von Doppeleingaben entlasten sowie auch die Vernetzung der Gesundheitsämter untereinander ermöglichen", so ein Sprecher des Ministeriums.

    Ministerium verweist auf Spahn und den Bund

    Der Sprecher räumt aber auch ein, dass sich "aufgrund noch unzureichender Datenübermittlungen" die Ausrollung von Sormas-X verzögere. Gleichzeitig nimmt das bayerische Gesundheitsministerium, wie bereits Anfang Februar, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in die Pflicht. Bayern habe "den Bund wiederholt mit Nachdruck aufgefordert, dass alle erforderlichen Schnittstellen zur Meldesoftware schnellstmöglich zur Verfügung gestellt werden müssen".

    Schulze über CSU: "Immer sind die anderen schuld"

    Für Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze ist klar: Die Staatsregierung darf nicht einfach nur auf den Bund verweisen. "Die CSU macht sich ja immer ein leichtes Spiel. Sie regiert zwar im Bund mit und hier in Bayern – aber immer sind die anderen schuld", sagt Schulze.

    Die Grünen-Politikerin sieht die Sormas-Umrüstung als zentrales Beispiel für ein grundlegendes Problem der Staatsregierung: "Da sieht man mal wieder die Prioritäten von Markus Söder: Schnelle Schlagzeile hat er gern – wenn’s aber ums konkrete Krisen-Management geht, dann ist seine Bilanz mangelhaft."

    Freie Wähler: Eine gute Idee - eigentlich

    Kritik der Opposition gehört zum Geschäft, aber schon Anfang Februar kritisierte auch Söders Koalitionspartner die stockende Sormas-Umrüstung. "Eigentlich war es eine gute Idee, die Markus Söder im Dezember äußerte", erklärte Freie-Wähler-Generalsekretärin Susann Enders damals mit Blick auf die Umrüstung. Angesichts der schon damals verzögerten Umsetzung forderte sie, die "Gesundheitsämter nun rasch und vollständig damit auszustatten". Grundsätzliche Zweifel an der Umrüstung kamen damals vom Deutschen Landkreistag.

    Eine deutschlandweit einheitliche Software wäre von Beginn an wünschenswert gewesen, findet auch der Landrat von Pfaffenhofen an der Ilm, Albert Gürtner (Freie Wähler). Laut seinen Informationen soll die neue Sormas-Version frühestens nach Ostern Anfang April kommen – erst dann wäre Söders Ankündigung von Mitte Dezember erfüllt.

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