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Corona-Mutationen: Wo sie bisher in Bayern aufgetreten sind | BR24

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Auswertung von Corona-Tests im Labor

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Corona-Mutationen: Wo sie bisher in Bayern aufgetreten sind

Die britische und die südafrikanische Variante - und jetzt noch die dänische: An immer mehr Orten in Bayern werden veränderte Formen des Coronavirus festgestellt. Ein Überblick über die Lage im Freistaat.

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Von
  • Thomas Pösl
  • Joseph Weidl
  • BR24 Redaktion
  • Lasse Berger

Die Sorge vor mutierten Formen des Coronavirus ist im Freistaat aktuell besonders groß - denn einige der hochansteckenden Varianten sind bereits in Oberbayern, Niederbayern und Oberfranken nachgewiesen worden.

So wurden etwa acht Fälle der britischen Variante (Variante B.1.1.7) bislang in München, Erding, Bayreuth, Passau sowie in den Landkreisen Landsberg am Lech und Dingolfing registriert, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte.

Münchner Labor stellt häufiger mutierte Formen fest

Auch ein Labor in München bestätigt eine Zunahme an Corona-Proben, bei denen eine mutierte Variante festgestellt wird. Auch wenn die Repräsentativität der vorläufigen Ergebnisse noch mit Vorsicht zu genießen sind, lassen die Zahlen des Labors "Becker & Kollegen" aufhorchen: Zwischen dem 28. Dezember und dem 7. Januar wies nur eine untersuchte Probe diese Mutation auf, das entspricht 0,2 Prozent. Am 20. Januar waren es schon 4,7 Prozent. Und bei den Abstrichen vom 21. Januar stieg der Wert auf 8,1 Prozent an. Danach sank die Zahl wieder auf sieben und am Montag schließlich auf 2,4 Prozent.

Widersprüchliche Aussagen zu "dänischer Variante" in Schwaben

Eine erstmals in dänischen Nerzen festgestellte Mutation wurde etwa von den Landratsämtern in Ansbach und Neu-Ulm bestätigt. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums betonte jedoch, dass bislang keine "Informationen über einen gesicherten Nachweis" zu dieser "dänischen Variante" in Proben aus Bayern vorlägen.

Dennoch will das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nun Proben von den betroffenen Gesundheitsämtern anfordern und eine sogenannte "Gesamtgenom-Sequenzierung" durchführen. Ob die "dänische Variante" gefährlicher ist als andere, ist noch unklar.

Augsburger Labor: Zehn Fälle bisher bekannt

Laut dem Geschäftsführer des Augsburger Labores "ArminLabs", Dr. Armin Schwarzbach, seien mittlerweile zehn Fälle der dänischen Corona-Mutation zu verzeichnen. Schwarzbachs Labor hat zusammen mit dem Salzburger Unternehmen Procomcure Biotech das Auftreten der dänischen Corona-Mutante in Deutschland entdeckt.

Mittlerweile sei die Mutante bei Probanden in Bayern und Baden-Württemberg festgestellt worden. Alle wurden dem Geschäftsführer zufolge in der ersten Januarhälfte genommen worden. Schwarzbach korrigiert damit eine ursprünglich gegenüber dem BR getätigte Aussage, wonach die Proben im Dezember genommen worden seien.

Mit "dänischer Variante" Infizierter nun verstorben

Inzwischen wurde auch bekannt, dass ein Patient, bei dem ein Augsburger Labor die "dänische Variante" nachgewiesen hatte, inzwischen verstorben ist. Dies gab der Landrat von Neu-Ulm, Thorsten Freudenberger (CSU) gegenüber dem BR an. Ob er als Patient gilt, der "an oder mit Corona" gestorben ist, konnte das Landratsamt noch nicht bestätigen. Er war offenbar zur Tagespflege in einem Pflegeheim in Senden (Lkr. Neu-Ulm) untergebracht. Das Gesundheitsamt hatte laut Landrat gestern Abend von dem Fall erfahren.

In dem betroffenen Heim seien alle Mitarbeiter und Bewohner sofort getestet worden, so Freudenberger. Die Ergebnisse dieser Testung stehen noch aus. Es habe aber keine Häufung an positiven Fällen aus diesem Heim in den letzten Wochen gegeben. Gleichzeitig sei es aber schwierig, so der Landrat, jetzt noch bei möglichen Kontaktpersonen Mutationen nachzuweisen.

In Dänemark kam die Mutation nach der Massentötung der Pelztiere nur noch sehr selten vor, wie das dänische Gesundheitsinstitut SSI am Mittwoch bekanntgab. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Anfang November auch keine Hinweise auf erhöhte Risiken bei der Cluster-5-Variante des Virus gesehen. Schon gebildete Antikörper und Impfstoffe könnten allerdings etwas weniger gut wirken, hieß es damals.

Britische Mutation: 23 Verdachtsfälle in Bayreuth

Auch in Bayreuth herrscht derzeit Sorge wegen einer mutierten Variante des Coronavirus. Wegen des Verdachts des Ausbruchs der hochansteckenden "britischen Variante" hatte das Klinikum Bayreuth seine Häuser am Dienstag vorerst geschlossen. Patienten werden nur noch in absoluten Notfällen aufgenommen, wie das Klinikum mitteilte. Alle geplanten Eingriffe sollten abgesagt und Patienten erst nach zwei negativen Testergebnissen entlassen werden.

23 Mitarbeiter der beiden Krankenhäuser sind möglicherweise mit der Mutation infiziert, wie das Klinikum Bayreuth am Mittwoch in einem Schreiben bekanntgegeben hat. Zunächst war man von elf Verdachtsfällen ausgegangen.

An einer dreitägigen Reihentestung hatten insgesamt fast 3.000 Mitarbeiter teilgenommen. In 21 Fällen sei der Test auf eine nicht mutierte Variante des Coronavirus positiv ausgefallen. Dieser Wert entspreche in etwa dem Inzidenzniveau im Raum Bayreuth, heißt es in dem Schreiben weiter.

Klinikum Bayreuth: Keine Spekulationen zu Verbreitung

Stand gestern waren zudem knapp 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an Covid-19 erkrankt. Zudem weitere 80 Patienten, wie der Oberarzt im Klinikum, Thomas Bollinger, am Dienstag gegenüber dem BR erklärte. Mehr als 3.000 Mitarbeiter der beiden Kliniken befinden sich deshalb in einer sogenannten "Pendelquarantäne". Das bedeutet: Sie dürfen zunächst sieben Tage lang nur zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pendeln und sollen dabei nach Möglichkeit keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Ob und wo sich die UK-Mutation auch außerhalb der Klinik verbreitet haben könnte, sei reine Spekulation. "Das sollte man in dieser Situation unbedingt unterlassen", so Bollinger im BR-Gespräch weiter. Geplant sind Proben nun aber auch in der Bevölkerung. Am Klinikum wurden mehrere Isolationsstationen eingerichtet.

Mutation auch im Landkreis Hof

Im Landkreis Hof ist ebenfalls eine Corona-Mutante aufgetaucht. Am Mittwochabend wurde bekannt, dass bei einer Familie aus dem Landkreis zwei Varianten-Fälle des Typs "Mutante N501Y" festgestellt wurden. In einer weiteren Untersuchung wird laut Landratsamt ermittelt, um welche der Mutationen (England-, Südafrika- oder Brasilien-Mutation) es sich handelt.

Offenbar besteht eine Verbindung zum Konradsreuther Unternehmen Alukon und zu Tschechien. Bereits am Donnerstag sollen alle Mitarbeiter getestet werden, sie stehen unter Quarantäne. Im oberfränkischen Unternehmen arbeiten knapp 500 Menschen.

"Garmisch-Mutation" in Bamberg nachgewiesen

Auch in einem Seniorenheim in Bamberg wurde am Dienstag eine Variante des Coronavirus nachgewiesen. Wie das Landratsamt am Mittwoch mitteilte, handelt es sich dabei um die sogenannte "Garmisch-Mutation", die erstmals in Garmisch-Partenkirchen festgestellt worden war.

Der 88-jährigen Bewohnerin einer Einrichtung der Sozialstiftung Bamberg gehe es gut, sie zeige keine Symptome. Nach Angaben des Landratsamtes sei die Garmisch-Mutation nach aktueller Erkenntnis nicht mit den hochansteckenden England-, Südafrika- oder Brasilien-Mutationen zu vergleichen. Wo sich die betroffene Frau mit der Mutation angesteckt haben könnte, ist bisher noch unklar.

Die Garmischer Variante gilt laut Experten im Gegensatz zu den hochansteckenden Mutationen bisher als weniger bedenklich.

Raum Rosenheim: "Südafrikanische Mutation" entdeckt

Die südafrikanische Variante (B.1.351) des Coronavirus wurde dagegen im Raum Rosenheim nachgewiesen. Sie wurde bei einem Reiserückkehrer entdeckt, der nach Angaben des Landratsamt Rosenheim inzwischen die häusliche Quarantäne wieder verlassen konnte. Eine Weiterverbreitung der südafrikanischen Mutation in der Region habe es durch diese Infektion nicht gegeben.

Der Reiserückkehrer sei Anfang Januar aus Südafrika zurückgekehrt und habe sich vor seiner Rückreise auf das Virus testen lassen. Das Testergebnis sei zunächst negativ ausgefallen. Wie in der Einreisequarantäneverordnung vorgegeben, habe er das Testergebnis dem Rosenheimer Gesundheitsamt gemeldet und sich danach sofort in häusliche Quarantäne begeben, so das Landratsamt.

Einige Tage nach seiner Rückkehr habe der Mann jedoch unklare Beschwerden bekommen, stellte sich in einem Krankenhaus vor und wurde hier routinemäßig auf das Coronavirus getestet. Das Testergebnis fiel positiv aus. Eine stationäre Behandlung des Mannes in der Klinik war nicht notwendig.

Corona-Mutation auch in Bad Reichenhall

Am Mittwoch meldete auch das Landratsamt Berchtesgadener Land, dass bei einer ambulanten Patientin in der Kreisklinik Bad Reichenhall eine Mutation festgestellt worden sei. Es müsse aber noch näher bestimmt werden, ob es sich um die britische oder die südafrikanische Variante handelt, sagte eine Sprecherin der Behörde. Die beiden Mutationen seien sich sehr ähnlich.

Gesundheitsministerium: Vorsichtig sein bei Bewertung von Varianten

Aus dem Gesundheitsministerium hieß es am Mittwochabend, aktuell sei insbesondere die Dynamik in der Verbreitung der "britischen" und der "südafrikanischen" Variante in einigen Staaten besorgniserregend. Man befürchte eine "leichtere Übertragbarkeit was in letzter Konsequenz eine stärkere Belastung des Gesundheitssystems zur Folge hätte".

Mit der Bewertung von Varianten müsse man "grundsätzlich vorsichtig sein": Es hätte bereits tausende von Mutationen im Laufe der Pandemie gegeben. Die Bewertung einzelner Mutationen bzw. Varianten hinsichtlich Infektiosität, Übertragbarkeit, Pathogenität, Auswirkungen auf Therapie und Impfung könne aufgrund von Sequenzierdaten nicht erfolgen. Hierzu bedürfe es weitreichender Experimente und Daten.

© BR

Gespräch mit dem Münchner Infektiologen Wendtner zur Corona-Lage

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